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Nintzel, Hans W.: Alchemie


Es gibt in letzter Zeit ein wiedererwachendes Interesse an der Alchemie. Während vor einigen Jahren in einer gepflegten Unterhaltung nicht einmal das Wort erwähnt wurde, sehen wir jetzt ab und zu einen Artikel oder ein Buch zu dem Thema. Alchemie wird sogar an manchen Universitäten gelehrt. Deshalb ist es wichtig, einige Grundvorstellungen darüber festzuhalten, was Alchemie ist, wo ihre Wurzeln liegen und was sie nicht ist. Diese heilige Wissenschaft ist von solcher Wichtigkeit, heute mehr noch als gestern, dass viele Leser von zusätzlichen Erklärungen zu diesem anscheinend abstrusen Thema Gewinn haben werden. Wir können mit der verbreiteten Vorstellung beginnen, dass Alchimisten diejenigen sind, die Blei in Gold verwandeln. Obwohl darin ein Körnchen Wahrheit liegt, geht es um viel mehr. Was aber kann wertvoller sein als Gold? Wenn Sie diese Frage stellen, dann bedürfen Sie tatsächlich der Alchemie.

Zunächst folgten die modernen und mittelalterlichen Alchimisten einem bestimmten Credo. Ihr Ziel bestand darin, die Leiden ihrer Mitmenschen zu lindern, körperlich und geistig. Eines der Mittel dafür war die Herstellung von Medizin, die das Fortkommen des Menschen in beiden Bereichen fördern könnte. Das heißt, man konnte eine Medizin oder ein "Elixier" herstellen, das einen doppelten Effekt hatte, so dass körperliche Probleme durch die Benutzung einer alchimistisch hergestellten Medizin gelindert wurden. Darüber hinaus konnte dieses Elixier eingesetzt werden, um den Körper von den groben Stoffen zu reinigen, die verhindern, dass feinere Schwingungen empfangen werden. Während die Alchemie auf jeden Fall einen Versuch darstellte, vom physikalischen Standpunkt her, experimentell und auf der materiellen Ebene den Wert bestimmter philosophischer Weltanschauungen zu demonstrieren, war ihr Endziel die Verklärung ihrer Gegenstände. Einen von diesen bildete der Mensch selbst.

Eine Definition der Alchemie in einem Wort wäre "Evolution". Diese wiederum kann als Synonym zu "Transmutation" gesehen werden, obwohl der letztere Begriff einen Beiklang des Plötzlichen hat. Mit Evolution meinen wir (gewöhnlich) eine allmähliche Änderung aus einem niederen oder groben Zustand zu etwas Feinerem, Edlerem. Auf das Mineralreich bezogen fällt einem dazu sofort die uralte Analogie ein: Blei wird zu Gold. Diese Vorstellung wird aber auch auf das Tierreich und den Menschen bezogen. Das heißt, der Mensch wird aus seinem rohen, selbstsüchtigen, unedlen Zustand in eine feine, liebende, auf Gott gerichtete Person gewandelt, in einen spirituelleren Menschen. Ich bin sicher, dass jeder mit dieser Idee etwas anfangen kann, und dass sich viele von uns tatsächlich tief innen nach einer solchen Evolution oder Transmutation sehnen. Vielleicht denken wir nicht in alchimistischen Begriffen, aber wer hat noch nie den Ruf in sich gefühlt, das grobe äußere Kleid abzustreifen und spiritueller zu werden, dem Schöpfer näherzukommen? Diese Transmutation oder Evolution ist das Ziel der Alchemie. Der Alchimist spinnt diese Idee jedoch ein paar Schritte weiter und behauptet, dass alle Dinge sich entwickeln, nicht nur der Mensch, sondern alle Wesen in allen Reichen. Pflanzen und Kräuter entwickeln sich, Katzen und Hunde entwickeln sich, Steine und Metalle entwickeln sich, ja, der gesamte Planet befindet sich in einer Aufwärtsentwicklung. Die Erde strebt danach, erleuchtet zu werden wie die Sonne.

Dieses vielleicht verblüffende Konzept liegt der Alchemie zugrunde. Unter anderem besagt es, dass alle niederen Geschöpfe allmählich geläutert werden. Der Mensch entwickelt sich von seinen niederen, tierähnlichen Anfängen zu einem schönen, heiligen Wesen. Die Metalle entwickeln sich von ihren niederen Anfängen als Blei zu der edleren Daseinsform als Gold. Nichts muss getan werden, um die Transmutation oder Evolution sicherzustellen. Alle Dinge werden langsam, aber sicher ihren Höhepunkt auf der Skala der Evolution erreichen. Es ist, als befänden wir uns auf einer riesigen, sich aufwärts windenden Spirale. Diese Spirale findet langsam ihren Weg "himmelwärts". Würde nichts getan, um diesen Entwicklungsvorgang zu beschleunigen oder zu hemmen, würde alles eines Tages ans Ziel gelangen: die vollendete geistige Entwicklung. Durch alchymische Vorgänge jedoch kann die Evolution aller Wesen beschleunigt werden. Das heißt, der Mensch kann für sich oder andere Geschöpfe, die selbst nicht dazu fähig sind, ihr geistiges Wachstum zu beeinflussen, den Lauf der Evolution willentlich beschleunigen.

Gott hat dem Menschen den freien Willen verliehen, und mit diesem Instrument kann er seinen Fortschritt auch hemmen. Wenn wir um uns schauen, haben wir manchmal den Eindruck, der Evolutionsprozess habe sich in einen Devolutionsprozess verwandelt. Das ist nicht der Fall, obschon Individuen sich dafür entscheiden können, in den materiellen Schlamm zurückzufallen, während andere darum kämpfen, ihm zu entfliehen. Anders betrachtet kann man auch sagen, dass der Zweck der Alchemie darin liege, die Schwingungsrate sowohl des Praktizierenden (des Menschen) als auch seiner Objekte zu erhöhen. Dabei kann es sich um Medikamente oder Mineralverbindungen handeln. Wir werden auch damit zu tun haben, wie man sich durch die Alchemie schneller der Gottheit annähern kann, aber schauen wir uns zunächst die Geschichte der Alchemie an.

Einige Vorstellungen über die Wurzeln der Alchemie sorgen für eine festere Grundlage, auf die andere Vorstellungen und Einsichten aufbauen können. Wenn wir auf die Vergangenheit zurückblicken, finden wir schon 3000 vor Christus ägyptische Goldschmiede und etwa 3500 vor Christus sumerische Metallarbeiter, die in Mesopotamien ihrem Handwerk nachgingen. In Indien und China sah man in alten Zeiten, wie auch heute noch, das Gold als eine magische Medizin an. Alchimistische Ideen kamen in China schon im 5. Jahrhundert vor Christus auf. Die chinesische Alchemie ist eng mit dem Taoismus verbunden, einem System, das Philosophie und Religion umfasst. Sie glaubten an die heilende, sogar lebensverlängernde Eigenschaft von Jade, Perlen und Zinnober. Diese Vorstellungen wurden von den späteren Praktikern dieser Kunst aufgegriffen und kamen über Griechenland nach Europa und schließlich auch in andere Teile der westlichen Welt. Diese Vorstellungen sind heute so mächtig wie ehedem. Es ist bekannt, dass die Alchemie während der Alexandrinischen Epoche, vom 4. bis zum 7. Jahrhundert nach Christus, florierte. Wie auch andere Kulturen fügten die Griechen dem Corpus der Alchemie Ideen und Praktiken hinzu, die für ihre Kultur typisch waren.

Der genaue Ursprung der Alchemie ist nicht bekannt. Der wahrscheinlichsten Theorie zufolge waren die Ägypter die Gründer dieser Kunst, wie wir sie heute kennen. Sie waren auch erfahren in der Chemie, in Metallurgie, im Tönen von Glas und im Färben. Ägypten war als Khem bekannt, das »dunkle Land«. Al-Khem war daher der islamische Begriff für den Vater der dunklen Erde, und dieser wurde in "Al-Chemie" verwestlicht. Darüber hinaus gibt es noch eine Menge Literatur, die sich auf Hermes Trismegistos als den Vater der Alchemie bezieht. Hermes, ursprünglich ein griechischer Gott, entspricht Thoth, dem ibisköpfigen ägyptischen Gott. In seinem Buch The Goldmakers weist Doberman darauf hin, dass die Alchemie bei den Einwohnern von Atlantis begonnen habe. Als dieser Kontinent in Erdstößen unterging, konnten einige entfliehen und bewohnten die Deltas des Euphrat und des Indus sowie die Nordküste des Arabischen Meeres und das Land an der Spitze des persischen Golfs. Die großen schwarzhaarigen Menschen vermischten sich schließlich mit den Stämmen des Nahen Ostens. Die Hebräer bezeichneten sie als Sumerer. Sie verstanden es, mit Zinn, Gold, Silber, Kupfer, Blei, Antimon und Eisen zu arbeiten. Aus Kupfer und Zinn fertigten sie die Bronze, die in der sumerischen und in der Indus-Kultur so verbreitet ist. Hier wurden auch Gegenstände wie Bleipokale, Eisendolche und eine Vase aus reinem Antimon gefunden. Dann fuhren die Sumerer in das Land, das wir als Ägypten kennen, und brachten ihr Handwerk und ihre Künste mit. Von ihnen lernten die Ägypter die geheimen Künste der Alchemie.

Wo die Ursprünge der Alchemie auch liegen mögen, einige ihrer Ideen sind allen Kulturen gemein, in denen sie blühte. Eine davon ist die Vorstellung von vier Elementen als Grundlage aller Alchemie. In China haben wir fünf Elemente, aber die Idee ist die gleiche. Die Philosophie der vier Elemente wird Aristoteles zugesprochen, der die Existenz von vier grundlegenden "Qualitäten" behauptete, die alle Körper durchdringen, nämlich das Heiße und Feuchte und ihre Gegenteile, das Kalte und Trockene. Auf diesen "Qualitäten" wird die Symbolik der vier materiellen Elemente aufgebaut: Feuer, Luft, Wasser und Erde. Man vermutete ihren Ursprung in den Verbindungen der vier Grundqualitäten. Mari wird feststellen, dass das Symbol des Feuers dem des Wassers entgegengesetzt ist, und Wasser ist die Umkehrung oder das Gegenteil des Feuers. Das Symbol der Luft besteht aus dem Feuerzeichen mit einem waagerechten Strich. Wenn wir die polaren Gegensätze miteinander verbinden, erhalten wir das vertraute Siegel Salomos, das Hexagramm. Es ist das Symbol der Einheit der Gegensätze.

Die Qualitäten, die durch die vier Elemente symbolisiert werden, hängen auch mit bestimmten physikalischen Aspekten zusammen. Das Feuer spiegelt die Hitze oder Wärmestrahlung. Die Luft wird mit den Gasen in Verbindung gebracht, Wasser mit den Flüssigkeiten und Erde mit allen festen Stoffen. Man dachte sich alle Gegenstände als aus den vier Elementen in verschiedenen Verhältnissen zusammengesetzt. Daraus entstand dann die Vorstellung, ein Gegenstand könne durch bloße Änderung der Menge eines oder mehrerer Elemente in einen anderen verwandelt werden. Damit hing auch die Idee einer "Prima Materia" zusammen, einem Urstoff oder einer grundlegenden Materie. Aus dieser ursprünglichen Essenz ist alles andere gemacht. Ebenso konnten alle Substanzen oder Stoffe auf ihren kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert werden, die Prima Materia. Es bedurfte dann nur noch einer einfachen Extrapolation, um sich zu überlegen, dass man ein niederes Metall, etwa Blei, auf seine Prima Materia reduzieren und dann die passende Menge an Elementen hinzufügen könne, um eine andere Substanz daraus zu machen, nämlich Gold. Die Vorstellung von der Prima Materia ist in der indischen Literatur unter dem Namen "Mulaprakriti" verbreitet, und in der chinesischen Alchemie wird sie als "T'ai Chi" bezeichnet. Diese grundlegenden alchimistischen Theorien wurden im Lauf der Zeit verfeinert und ausgebaut. Daraus entstanden Ideen, die bis heute überlebt haben; zum Beispiel das Prinzip, dass alle Dinge aus drei Grundstoffen oder Basen bestehen. Diese drei, die in der indischen Literatur als die drei Gunas bekannt sind, werden von den Alchimisten als "Sulfur" (Schwefel), "Salz" und "Merkur" (Quecksilber) bezeichnet. Die alten Alchimisten neigten dazu, ihre Schriften mit obskurer Symbolik, Mythologie und verschiedenen Tarnungen zu verhüllen. In diesem Falle ist Sulfur nicht der gewöhnliche Schwefel, Salz meint nicht das gewöhnliche Tafelsalz (Natriumchlorid), und Merkur bezieht sich nicht auf den Stoff, der für Thermometer benutzt wird (Quecksilber). Es gab zwischen diesen zwar Analogien, aber keine direkte Beziehung. Diese Tarnung hinderte manchen angehenden Alchimisten.

Es ist interessant zu wissen, dass eine dieser Substanzen, das Merkur, auf die vier Elemente rückbezogen wurde und als Quintessenz, das fünfte Prinzip, bekannt war, wie sich auch in der chinesischen Alchemie fünf Elemente finden: Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde. Die Quintessenz ist auch die Prima Materia, das T'ai Chi. Von dieser Einheit, diesem Einen, geht das Gesetz der Polarität aus. Das Eine ist Gott, die Gottheit, das All.

Die Dualität im Polaritätsgesetz wird in der chinesischen Alchemie durch Yin und Yang vertreten, das Weibliche und das Männliche, negativ und positiv, Passivität und Empfänglichkeit oder Aktivität und Dynamik. Yin und Yang werden auch mit Mond und Sonne verbunden, während die fünf Elemente zu bestimmten Planeten gehören: Wasser zu Merkur, Feuer zu Mars, Holz zu Jupiter, Metall zu Venus und Erde zu Saturn. Ying und Yang, das Gegensatzpaar, sind in vielen religiösen und alchimistischen Philosophien verkörpert. Sie sind Isis und Osiris der ägyptischen Mythologie, das Merkur und Sulfur der Alchemie, die Ideen von Heiß und Kalt, Gut und Böse, Liebe und Hass und so weiter. In heutigen Alchimisten-Kreisen gibt es eine Maxime, die sie alle zusammenfasst. Sie wird folgendermaßen ausgedrückt: "Aus dem Einen wurde das Gesetz der Polarität, welches sich in den drei Essenzen offenbart, die man in den vier Elementen findet, in welchen die Quintessenz zu suchen ist, die nicht eine der vier, sondern eine der drei ist."

Sulfur ist das Prinzip der Verbrennung, in Gegenständen ist es die Farbe und bei Pflanzen der Duft. Der arabische Alchimist Geber sagte, Sulfur sei die "Üppigkeit". Die Alchimisten sprachen dem Sulfur das Prinzip der Seele zu, das Bewusstsein. Es ist in einer "Tinktur" das, was färbt. [1]

Es ist in Tieren die Vitalität und hat die Aufgabe der Bindung, die Lebenskraft zu konzentrieren. Sulfur ist rot, heiß, männlich, aktiv und wird durch die Sonne symbolisiert. Man assoziiert es mit Gold. Die vitale Lebenskraft oder "Prana" ist das Merkur. Als Yin, der weibliche Aspekt, verleiht das Merkur dem Gold seinen Glanz, wie Sulfur ihm die Farbe verleiht. Das Merkur ist die Grundlage für die Geschmeidigkeit und Schmelzbarkeit des Goldes. Merkur ist der Geist, das "Wasser der Weisen", die Prima Materia, Luna, die Saat und der Samen aller Dinge. Wo sich Sulfur als ölige Substanz zeigt, ist Merkur in seinen körperlichen Formen eine flüchtige Flüssigkeit. In der Pflanzenwelt ist der Alkohol der Träger der Lebenskraft, des Merkurs. Sulfur ist das in den Pflanzen enthaltene ätherische Öl. Das Salz schließlich bildet den Körper aller Dinge. Es ist das grundlegende Prinzip der Festigkeit und Beständigkeit. Es verleiht auch Widerstandsfähigkeit gegen Feuer. In der Pflanzenwelt stellt das Salz die Asche der verbrannten oder kalzinierten Pflanze dar, gewöhnlich eine grauweiße, "salzige" Substanz. Es ist das Medium, worin Sulfur und Merkur sich verbinden können.

Diese "chymische Hochzeit" wird durch die katalytischen Fähigkeiten des Salzes hervorgebracht, das Sulfur und Merkur in den irdischen Zustand versetzt. Diese Vereinigung der Gegensätze, die Hochzeit von Sonne und Mond, ist der Zustand, nach dem die Alchimisten suchen. Er kann in allen Reichen erlangt werden. Da nun alle Dinge aus diesen drei Prinzipien zusammengesetzt sind, ist es logisch zu sagen, dass man durch Variieren ihrer Verhältnisse ein Ding in ein anderes umwandeln kann. Das heißt, wie Basilius Valentinus schrieb: »Eisen hat den geringsten Anteil an Merkur, mehr aber an Sulfur und Salz.... Kupfer besteht aus viel Sulfur, aber sein Merkur und Salz haben gleichen Anteil.... Saturn (Blei) ist aus wenig Sulfur entstanden, wenig Salz und viel grobem, unreifem Merkur, wogegen im Gold das Merkur verarbeitet und zu höchster Reife geläutert ist.« Valentinus sagt damit, dass die Metalle sich aufgrund der verschiedenen Verhältnisse der drei Essenzen in ihnen unterscheiden. Gehen wir im modernen Sprachgebrauch einmal davon aus, dass man ein Elektron, ein Proton und ein Neutron zusammenbringt, so entsteht ein Atom "schweren Wasserstoffs". Wenn wir dieses Verhältnis der drei "Essenzen" nun ändern, sagen wir, durch Hinzufügen eines weiteren Protons und Elektrons, dann bekämen wir ein anderes Atom als Wasserstoff. Diese Stoffe wären beide Gase, jedoch mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Wird also die Menge der Essenzen geändert, so haben wir es mit ganz anderen Stoffen zu tun. Eine Transformation hat stattgefunden. Es sei zugegeben, dass es keine leichte Aufgabe ist, Wasserstoff in Helium zu verwandeln. Im Jahre 1941 gelang es aber den Physikern Sherr, Bainbridge und Anderson, ein radioaktives Isotop des Quecksilbers in reines Gold zu verwandeln. Um es gleich zu sagen, die Kosten waren untragbar, und ein Linearbeschleuniger musste eingesetzt werden. Wichtig ist aber, dass es getan worden ist. Eine Transmutation hat stattgefunden. Um diese Ideen zum Abschluss zu bringen, hier eine Aussage eines alten Alchimisten, Irenäus Philalethes, der in seinem Buch Die Metamorphose der Metalle mit folgenden Worten eine sehr fundamentale Idee der Alchemie zum Ausdruck bringt: "Der Samen aller Metalle ist der Samen des Goldes, denn die Natur hatte mit allen Metallen Gold im Sinne... alle Metalle sind potentiell Gold."

Wir haben bislang also festgestellt, dass alle Dinge aus drei Essenzen bestehen, Sulfur, Salz und Merkur. Diese Dreiheit findet sich auch in Religion, Mythologie und Symbolik. Wir haben die drei physikalischen Zustände Fest, Flüssig und Gasförmig; den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist; die drei Grazien, die drei Furien, die drei Parzen; Feuer, Wasser und Erde; Osiris, Horus und Isis; Brahma, Shiva und Vishnu; den Satz vom Dreieck; Protonen, Neutronen und Elektronen und so weiter. Einige dieser Analogien sind etwas weiter hergeholt, aber die zugrundeliegende Idee bestätigt sich. Wie können wir das in unserem täglichen Leben nutzen? Welcher Vorteil kann daraus gezogen werden? Was sind die praktischen Anwendungen? Diese Fragen ausführlich zu beantworten, würde ein ganzes Buch füllen, aber wir können zumindest einige Vorstellungen davon vermitteln, wie die Alchemie unser Leben bereichern kann. Darüber hinaus bekommen wir einen Eindruck davon, wie sie nicht nur unser körperliches Wohlbefinden beeinflusst, sondern parallel dazu eine Heilwirkung auf unser "spirituelles Leber" hat.

Zunächst müssen wir feststellen, dass die Alchemie als Disziplin andere Disziplinen zur Grundlage hat. Das sind die Astrologie, die Magie und die Kabbala. Man kann kein guter Alchimist sein, ohne ein guter Kabbalist zu sein. Man ist kein guter Kabbalist, ohne ein Adept der Magie zu sein, und man kann kein Adept der Magie sein, ohne astrologisches Wissen als Hintergrund zu haben. Wir werden andeuten, welche wichtige Rolle die Grundlagen der Magie, Kabbala und Astrologie in der alchimistischen Arbeit spielen. Zuvor wollen wir uns aber kurz mit einem der älteren Autoren zur Alchemie beschäftigen, mit Gerhard Dorn. Dorn war ein Schüler des großen Paracelsus und schrieb einige sehr überzeugende Beobachtungen zur Alchemie auf. Dabei muss man bedenken, dass Dorn nicht unsere heutigen psychologischen Einsichten besaß, nicht einmal das ausreichende Vokabular, um seine Ideen treffend auszudrücken. Seine Grundüberzeugungen können jedoch leicht anhand seiner Schriften verstanden werden, die Marie-Louise von Franz in ihrem Buch Alchemist Active Imagination übersetzt hat. Sie zitiert Dorn: "Durch Studium (der alchimistischen Literatur) erlangt man Wissen, durch Wissen Liebe, welche Erfahrung, Tugend und Kraft erzeugt, durch welche das wunderbare Werk zuwege gebracht wird, und von dieser Art ist das Werk in der Natur." Von Franz erklärt dann, was Dorn damit meint, dass man durch einfache alchimistische Lektüre "Liebe" erlangen kann. Diese "Liebe" ist eine unbewusste Faszination, in der man zu verstehen und leidenschaftlich die "Wahrheit" zu suchen beginnt.

Die Bedeutung dessen ist sehr dramatisch, obwohl Dorns Aussage nicht so explosiv klang. Das Wesentliche daran ist, dass durch den Vorgang des Tuns, durch unmittelbare Laborarbeit, durch Meditationen über Alchemie, sogar durch ganz harmlose Laborarbeit etwas im Praktiker geschieht. Nehmen wir an, jemand arbeitet mit materieller Alchemie, indem er im Labor etwas "zusammenkocht" oder gar in seiner Küche. Er lässt in seinen Retorten oder Töpfen einige Wandlungen geschehen. Was Dorn sagt, ist, dass zwei Transmutationen stattfinden: Eine sichtbar in der Retorte, die andere unsichtbar im Praktizierenden. Darüber hinaus beschleunigt sich die Wandlung, während die Arbeit fortschreitet, so dass eine Rückkopplungsschleife entsteht. Das bedeutet, je mehr Arbeit irgendeiner Art man macht, um so größer wird der Erfolg. Das klingt nach einem simplen Fall von: Durch Übung wird man Meister. Das meint Dorn aber nicht. Was er sagen will, zeigen wir am besten an einem Beispiel.

Betrachten wir zwei Leute. Einer hat sich mit einigen alchimistischen Arbeiten beschäftigt, gelesen oder einfache Experimente durchgeführt. Der andere hat nie etwas mit Alchemie zu tun gehabt. Der erste Mann entscheidet sich, ein anderes Experiment zu versuchen. Er möchte Substanz A und Substanz B zusammenfügen, um Substanz C zu erhalten Er gießt also A zu B und siehe da, er erhält C. Das ist an sich nicht sehr beeindruckend, wenn nicht der zweite Mann daherkäme, die gleichen Substanzen und die gleiche Apparatur benutzte und nicht C erhielte. Warum? Weil in ihm noch keine innere Umwandlung stattgefunden hat. In der ersten Person ist ein feiner Wandel vonstatten gegangen, der seinen Versuch gelingen ließ. Dieser Wandel ist sehr fein, für denjenigen selbst wahrscheinlich nicht spürbar. Er findet aber dennoch statt, und zwar in dem Maße, in dem der Übende sich vorbereitet und in die rechte Verfassung gebracht hat. Wenn er Elixiere gefertigt hat, um seinen Körper von Schlacken zu reinigen, damit er für höhere Schwingungen empfänglicher wird, dann werden die Veränderungen entsprechend betonter sein.

Weiter zitiert von Franz den arabischen Alchimisten Ibn Sina, welcher schrieb, der Mensch könne durch Ekstase am Vermögen Gottes teilhaben. Durch Praktiken wie Meditation, Alchemie, Ritual und so weiter kann man einen Geisteszustand erreichen, den Ibn Sina "Ekstase" nennt. In diesem Zustand verfügt man, wenn auch für einen kurzen Moment, über gottähnliche Kräfte. Die Sufis erreichten diesen Zustand durch körperliche Übungen wie Tanzen oder Herumwirbeln (daher: "Tanzende Derwische"). Wir wissen heute, dass dieser herausgehobene Zustand, in dem die Dinge "geschehen", durch Techniken wie Magie, beispielsweise die kabbalistische, erreicht werden kann. Das Buch The Great Art von Dom Pernety enthält einen Hinweis darauf, dass die alten Rosenkreuzer Alchemie und Kabbala zu einem geschlossenen System verbanden. Ihr Mystizismus beruhte ferner auf Tatsachen, die sie im Labor nachweisen konnten. Wir haben damit also starke Beweise dafür, dass es zwischen Magie, Kabbala und Astrologie enge Verbindungen gibt.

Es wurde schon darauf hingewiesen, dass verschiedene Medikamente alchimistisch hergestellt werden können und dass diese Elixiere einen heilsamen Effekt auf Körper wie Geist haben. Die Grundlage solcher Medizinen sind Pflanzen, Kräuter oder verschiedene Metalle. Wo fängt man aber an? Welches Kraut zum Beispiel kann man gegen ein bestimmtes Leiden verwenden? Oder welches Metall? Die Antwort kommt aus der Kenntnis der kabbalistischen Magie, insbesondere aus der Kenntnis jenes mächtigen Symbols, das als der Lebensbaum bekannt ist, und aus den astrologischen Gesetzmäßigkeiten. Die Astrologie lehrt beispielsweise, dass unter dem gleichen Zeichen geborene Menschen gleiche Eigenschaften zeigen werden. Jemand, der früh im April geboren ist, steht unter dem Zeichen des Widders. Andere, die unter diesem Zeichen geboren sind, werden ähnliche Wesenszüge besitzen: dynamisch, kopfbetont, von einem Interesse zum nächsten springend, ohne das erste zu beenden und so weiter. Widder ist ein Tierkreisbild, das zum Planeten Mars gehört. Dieses aus Sternen bestehende Bild sendet einflussnehmende Strahlen auf die Erde. Die Sonne arbeitet als Herab-Transformator und absorbiert einige der Strahlen. Den Rest verteilt sie über die Erde. Diese stellaren Einflüsse und die Stellung der anderen Planeten "prägen" einen Menschen im Augenblick der Geburt, machen ihn zu dem, was er (oder sie) ist. Durch sorgfältiges Studium der planetarischen Konfigurationen kann man herausfinden, warum die Menschen so sind, wie sie sind.

Für den Leser ist die Idee wahrscheinlich neu, dass es nicht nur Menschen unter den Zeichen Widder und Waage gibt, sondern dass auch Pflanzen und Minerale zum Widder oder zur Waage gehören können. Auch die anderen Reiche fallen unter die Herrschaft der astralen Einflüsse. Und hier finden wir den Schlüssel zur alchimistischen Herstellung von Medizinen. Zum Beispiel wissen wir, dass der Planet Merkur das Nervensystem "regiert". Wir können herausfinden, dass Merkur auch die Pflanzen Baldrian und Majoran beherrscht. Außerdem gebietet Merkur über den als Schlaflosigkeit bekannten Zustand. Sind wir also nervös oder schlaflos, welches Kraut könnte da Hilfe verschaffen? Offenbar Baldrian oder Majoran, weil sie "Korrespondenzen" darstellen, weil sie unter dem gleichen Planeten stehen. Das können wir noch einen Schritt weiter führen: Der Planet Merkur gebietet über den Mittwoch. Es ist also ein einfacher Schluss, dass der beste Tag, um Baldrian zu pflücken, der Mittwoch ist. Gleichermaßen ist die beste Zeit, die Medizin herzustellen oder einzunehmen, der Mittwoch. Das lässt sich noch verfeinern, indem der Tag in verschiedene Phasen unterteilt wird. Sowohl tags als auch nachts ist in jeder Phase der Einfluss eines Planeten stärker als der aller anderen. Das heißt, am Donnerstag ist der Einfluss des Mars zu zwei Zeitabschnitten stärker als sonst. Man kann also herausfinden, wann diese Zeiten sind und die Medizin nicht nur am "richtigen" Tag, sondern auch zur richtigen Tageszeit einnehmen.

Im Mineralreich herrscht die gleiche Logik. Hätten wir mit dem Kopf oder mit Blutungen Schwierigkeiten, so würden wir Knoblauch, Anis oder Cayennepfeffer verwenden. Man kann aus diesen eine Tinktur anfertigen oder, sofern der Praktiker die nötigen Kenntnisse besitzt, könnte er die Kräuter auf ihre höchste Ebene heben und zubereiten, was in der Alchemie als "Pflanzenstein" bekannt ist. Dieser stellt die höchste Stufe der Wirksamkeit dar, die ein medizinisches Kraut erreichen kann. Dazu muss der Mensch die Pflanze auf diesen fortgeschrittenen Stand der Evolution bringen. Auf der anderen Seite könnte man auch im Mineralreich eine Medizin finden, das Eisen. Der Mars regiert das Eisen, wie auch den Kopf und den Knoblauch. Wie aber kann man aus Eisen eine Medizin herstellen? Hier kommt die praktische Laboralchemie ins Spiel. Man müsste die alchimistische Literatur schon sehr aufmerksam lesen, um die entsprechende Prozedur herauszufinden, besser lernt man sie von einem Lehrer der Alchemie. Der Vorgang besteht darin, das Eisen(erz) in seine drei Essenzen zu zerlegen, wie es auch mit der Pflanze gemacht wurde. Um eine Kräutermedizin herzustellen, muss man eine Tinktur der Pflanze herstellen, die das Sulfurprinzip extrahiert. Das Sulfur färbt das Extraktionsmittel, das auch "Menstruum" heißt. Die Tönung kommt also durch das Sulfur zustande, welches durch das Menstruum der Pflanze entzogen wurde. Das Sulfur könnte auch sehr leicht durch eine Dampfdestillation gewonnen werden. Das Merkur der Pflanze befindet sich im Alkohol. Man kann die Pflanze putrifizieren und Alkohol gewinnen, oder man destilliert Alkohol aus Wein (falls das am Wohnort des Lesers legal ist), oder man kauft sich Korn. Das Merkur ist sich in allen Arten des Alkohols gleich, der aus pflanzlichem Material gewonnen wurde. Schließlich wird der Körper der Pflanze verbrannt oder kalziniert, um das Salz zu gewinnen. Nach dem gleichen Prinzip und durch Befolgen der gleichen Prozedur kann jeder Körper, einschließlich der Minerale, in seine drei Essenzen zerlegt werden.

Man kann also Eisenerz oder eine andere Form des Eisens nehmen und unter Verwendung eines passenden Menstruums eine Tinktur anfertigen. Die Tinktur wird ausgetrieben (verdampft) und das Sulfur bleibt zurück. Das Eisenöl wäre in sich schon eine wirksame Medizin, stärker als eine aus Pflanzen gewonnene. Der Grund dafür ist, dass die Minerale schon viel länger "hier sind" als irgendeine Pflanze und daher viel mehr astrale Einflüsse absorbiert haben, weshalb sie wirksamer sind. Sie besitzen eine höhere Schwingungsstufe. Auf jeden Fall aber muss die Seele des Eisens, wenn sie dargestellt wurde, auch geläutert werden. Diese Vorgänge beruhen immer auf Hitze. Die Meisterung der Wärme ist eine Technik, die von einem Lehrer gelernt wird, oder durch (oft schmerzhaften) Versuch und Irrtum. Einmal geläutert, kann sie direkt eingenommen oder mit dem Merkur aus dem Mineralreich kombiniert werden. Das Merkur aus dem Pflanzenreich, "Alkahest" genannt, ist nicht so leicht zu gewinnen. Man kann mit ihm aber den legendären "Stein der Weisen" herstellen. Dieser Stein heilt alle Krankheiten und verursacht unmittelbare Evolutionsschritte oder Transmutationen. Klingt das so, als könnte er einen niederen Stoff in einen edleren verwandeln? Ja, er kann es.

Um noch einmal zum Sulfur oder Öl des Eisens zurückzukommen: Überlegen Sie, was Sie da haben. Es handelt sich nicht nur um eine Medizin für den Kopf, sondern auch gegen andere Leiden, die Mars unterstehen. Um herauszufinden, was Mars und all den anderen Planeten untersteht, kann man in einem Nachschlagewerk wie The AIchemist's Handbook oder Bills Rulership Book[2] nachschauen. Greifen wir noch die Anämie heraus. Menschen mit wenig oder "müdem" Blut nehmen Mittel wie etwa Geritol. Dieses gute Produkt wird auf jeden Fall auch aus Eisen hergestellt. Es wird jedoch aus etwas wie Eisenoxid, einem anorganischen Stoff, gemacht. Oder wir können anorganisches Material aufnehmen, denn der eingebaute, innere Alchimist, den wir alle haben, kann solche Transmutationen vollbringen. In diesem Fall handelt es sich um eine "biologische Transmutation". Die Toleranz beträgt hier etwa drei Prozent dessen, was der Körper an anorganischem Material aufgenommen hat.[3]

Wäre es nicht wundervoll, wenn wir eine Substanz finden könnten, die nicht giftig ist, die vom Körper zu 100 Prozent aufgenommen wird und die keine Nebenwirkungen hat wie andere Produkte? Dachten Sie an das Eisenöl? Richtig. Dieser Stoff kann vom Körper vollständig umgesetzt werden, und er hat keine unerwünschten Nebenwirkungen. Noch wichtiger ist, dass er einen anämischen Zustand beseitigt. Der Gebrauch der Minerale in der Alchemie ist schon im medizinischen Bereich endlos. Basilius Valentinus schrieb ein ganzes Buch allein über die Minerale und ihre unterschiedliche Verwendung in der Medizin. Das Buch heißt  Der Triumphwagen des Antimons. Es handelt sich um ein Rezeptbuch, das die verschiedenen Zubereitungen des als Antimon bekannten Metalls beschreibt. Ist Antimon nicht giftig? Ja, aber wenn es in einem alchymischen Vorgang bereitet wird, "spagyrisch", dann wird es nicht nur ungiftig, sondern könnte sogar ein Allheilmittel sein.

Um dem Leser einen Geschmack dieses unglaublichen Buches von Valentinus[4] zu geben und ihn vielleicht mit der Alchemie "anzumachen", zitiere ich im folgenden einen Vorgang, bei dem Valentinus das Antimon benutzt. Der Abschnitt ist dem Triumphal Chariot of Antimon entnommen, das Dorman Newman 1678 in England herausgab und das später von Dr. Theo Kirkringius übersetzt wurde:

 "Die Dosis von diesem beträgt vor der Gerinnung 8 Gran (l Gran = 0,0648 Gramm), in Wein genommen. Es macht einen Menschen wieder jung, befreit ihn von jeder Melancholie und allem, was in seinem Körper wächst und sich bildet, wenn seine Haare und Nägel ausfallen, und der ganze Mensch wird erneuert wie der Phönix durch das Feuer erneuert wird (wenn dieser angebliche Vogel, den ich nur als Beispiel nenne, irgendwo auf der Erde zu finden ist). Diese Medizin kann durch Feuer ebensowenig verbrannt werden, wie die Federn jenes unbekannten Salamanders; denn sie verzehrt alle Symptome im Körper, wie ein verzehrendes Feuer, dem sie zu recht ähnelt; sie treibt alles Böse fort und treibt alles aus, was Aurum-Potabile auszutreiben vermag."

Klingt diese Beschreibung nicht nach etwas, das Sie gern sehen würden? Valentinus enthüllt in seinem Buch verschiedene Techniken, mit denen man in der alchimistischen Arbeit erfolgreich werden kann. Er sprach aus der Sicht dessen, der weiss, nicht dessen, der vermutet oder glaubt, es sei richtig. Und Valentinus war nicht der einzige gute Autor alchimistischer Traktate. Die Schriften von Paracelsus, Geber, Glauber, Vaughn, Sendivogius und Flamel gehören zu denen, die besonders zu erwähnen sind. Es gibt jedoch auch moderne Autoren wie Frater Albertus, Phillip Hurley und Archibald Cockren. Cockren beschreibt in seinem Buch Alchemy Rediscovered and Restored verschiedene Alchimisten und deren Schriften. Besonders beeindruckt war er von Johannes Holländer, der, wie Cockren sagt, so klar und einfach schrieb und dessen Schriften völlig vernachlässigt wurden. Oh, niemand ist so blind wie jene, die nicht sehen wollen. Cockren veröffentlicht auch ein Tagebuch seiner eigenen alchimistischen Experimente.

In dem Buch Herbal Alchemy verbindet Hurley magische Praktiken mit der Laborarbeit, so stellt er zum Beispiel für bestimmte Experimente Talismane her. Bei der Diskussion der Literatur dürfen wir es nicht unterlassen, die Schriften C.G. Jungs zu erwähnen. Obwohl Dr. Jung anscheinend nicht viel von der physikalischen Alchemie hielt und auch nichts darüber schrieb, hatte er enormes Verständnis  und Einsicht in die psychologischen Aspekte der Alchemie. In dieser Hinsicht hat er der Menschheit mit seinen hervorragenden Büchern zu dem Thema einen großen Dienst erwiesen. Jung und einige seiner Mitarbeiter vertieften sich in die alten Texte, übersetzten einige davon und haben uns Einsichten in das Denken der alten Alchimisten vermittelt. Diese Fakten zusammen mit persönlichen Forschungen sorgen für ein sicheres Verständnis der Alchemie.

Obwohl natürlich die Alchemie nie so populär werden wird wie Heimcomputer, ist es doch recht wahrscheinlich, dass viele Menschen, besonders wissenschaftlich gebildete, sie wieder "entdecken" und zur Erweiterung ihres riesigen Wissensschatzes beitragen werden. So könnten wir eines Tages den "Durchbruch" schaffen. Denkende Menschen, die Antworten auf universelle Fragen, größere Selbsterkenntnis und Heilmittel für unheilbare Krankheiten suchen, müssen früher oder später auf alchimistisches Wissen stoßen. Wenn sie die Literatur lesen und im Labor experimentieren, um die Geheimnisse zu lüften, wird das LVX, das sie verbreiten, nicht nur den Pfad erhellen, sondern hoffentlich auch unzählige andere zu dieser heiligen Wissenschaft ziehen.  

(Aus: Israel Regardie, Das magische System des Golden Dawn, Band 1, S. 237-250)


[1](Anmerkung des Übersetzers: Hier handelt es sich im Original um ein Wortspiel: "In a "tincture" it is what tincts." Da bei einer Tinktur [lateinisch: "tinctura" - Färbung, Tönung; später: ein - oft farbiger - Pflanzenauszug] die Farbe nicht das allein Wesentliche ist, so ist hier gemeint, dass das Sulfur überhaupt das Wesen einer Tinktur ausmacht.)

[2]Ein entsprechendes Buch in deutscher Sprache ist: Nicolaus Klein/Rüdiger Dahlke: Das senkrechte Weltbild. Symbolisches Denken in astrologischen Urprinzipien (Hugendubel-Verlag)

[3](Anmerkung des Übersetzers: Gemeint ist hier offenbar der Umsetzungskoeffizient von anorganischen zu körpereigenen Substanzen, die Resorptionsrate.)

[4]Basilius Valentinus (1586-1458), Benediktiner, Arzt und Alchemist. Valentinus übte großen Einfluss auf Paracelsus aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Für Heilsversprechungen, Erlösungstrips und Egowahn konsultieren Sie bitte einen Arzt oder Apotheker, ...oder treten Sie einer Sekte bei!