ie meisten Eso-Normalverbraucher,
Lichtarbeiter-Fuzzis und andere religiöse Gutmenschen und Händefalter sehen
das
Pentagramm, vor allem das umgekehrte Pentagramm,
immer wieder
unentwirrbar mit schwarzer Magie und der Anbetung Satans verbunden.
Warum dies so
aufgefasst wird, kann hier selbstverständlich nur ansatzweise beleuchtet werden.
Nun,
ein
Teilbereich der Praxis der rituellen Magie beschäftigt sich damit, einen Zustand
der Nähe mit dem Göttlichen durch den Gebrauch von Symbolen zu erreichen. Es
wurde und wird geglaubt, dass eine geheime Verbindung zwischen der Welt der
Symbole und der Welt der Handlung besteht, dass Symbole die Welt beeinflussen
können und aus diesem Grunde Symbole wohl auch für verderbliche Zwecke
manipuliert werden können.
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Man
sieht`s: Die Freimaurer sind
wieder
mal an allem schuld! |
Schon Giordano
Bruno, ein Philosoph und Dominikanermönch der Renaissance, warnte vor dem
Missbrauch des Pentagramms durch die schwarze Magie und auch heute noch wird aus
unberufenem Munde verkündet, dass Satanisten alle
"guten"
Symbole auf den Kopf stellen, gerade so, wie sie mit dem christlichen Kreuz
verfahren.
Aber ist diese
Deutung des umgekehrten Pentagramms wirklich so einfach?
Nun, während in
der aufrecht stehenden Version der Fokus angeblich auf Spiritualität, die
Gottheit und auf Erleuchtung gelenkt wird, symbolisiert das umgekehrte
Pentagramm den Triumph der Materie über den Geist und den Sieg der individuellen
Leidenschaften über das religiöse Dogma.
In der modernen
satanischen Theologie repräsentiert es das Individuum, das lieber seinen
individuellen Ruhm
verfolgt, als sich der Auslöschung des Ego hinzugeben, das so viele okkulte
Traditionen befürworten.
Im Grunde
genommen geht es hier nicht um
"Gut
gegen Böse",
aufrecht oder umgekehrt, sondern einfach nur um zwei verschiedene Möglichkeiten
das Leben zu betrachten und es dementsprechend zu leben.
Für manchen mag es daher überraschend sein zu erfahren, dass die
Zuordnung des "Bösen" mit dem umgekehrten Pentagramm, wie auch dem umgekehrten
Kreuz (Petruskreuz), erst in neuerer Zeit entstanden ist.
So war es erst
Eliphas Levi (1810-1875), der vermutlich in einem Anflug von Kreativität
entdeckte, dass sich das umgekehrte Pentagramm geradezu anerbot, einen
Ziegenbockkopf darin einzuzeichnen. Jedenfalls verlautbarte er fürderhin in
seinen Schriften, dass das umgekehrte Pentagramm ein Symbol für Baphomet sei,
das geheime Idol der Tempelritter und es Zerstörung und Chaos verkörpere. Sogar All-läster Crowley (1875-1947) griff diese Auslegung in seinen Büchern auf,
obwohl Levis Behauptungen in keinster Weise belegbar sind und wahrscheinlich
einzig seiner Phantasie entsprangen.
Eine Zuordnung des umgekehrten Pentagramms mit dem
"Satanismus" war vor der Zeit Levis völlig ungekannt.
Eine
seiner ersten explizit negativen Erwähnung des umgekehrten Pentagramms findet
sich in seinem Buch "Der
Schlüssel zu den grossen Mysterien nach Henoch, Abraham, Hermes Trismegistos und
Salomon" - O. W. Barth, München (1928). In diesem Buch
beschreibt er ein Treffen mit einem Geistlichen namens Abbe La Paraz, der ein
eifriger Anhänger des Visionärs und Predigers Eugene Vintras war.
Hier erst mal
vorab noch einige kleine Infos zu Eugene Vintras.
Eugene
Vintras (1807-1875) war Leiter einer Papiermühle von Tilly
sur-Seules und betrachtete sich als Wiedergeburt des alttestamentarischen
Propheten Elias, der auf dem Berg Karmel in Palästina eine Prophetenschule
gegründet hatte. In diesem Sinne fühlte sich Vintras berufen, die Ankunft des
Reiches Christi zu verkünden und gründete eine Kirche "Elias-Karmel", die das "Werk der Barmherzigkeit" praktizieren sollte damit die kranke Menschheit
geheilt würde. Selbstverständlich verwarf die katholische Kirche seine Lehre und
bezeichnete seine Glaubensgemeinschaft als Häresie.
Grosses Aufsehen
riefen seine Blutwunder hervor, von denen es angeblich viele Zeugen gab. Immer
wieder sollen auf seinen konsekrierten Hostien Blutstropfen und verschiedene andere blutige Zeichen
und Stigmata erschienen sein. Zudem sprach man auch davon, dass sich leere Kelche mit köstlichen Wein füllten. Diese "Wunder" führten Vintras zu der
Annahme, dass er eine besondere Gnade Jesu Christi empfangen habe und dass er ein
erwählter Heiliger sei.
Eine wichtige Rolle spielte in seiner Lehre ein Marienkult, der mit zahlreicher
gnostischen Elementen verbunden wurde.
So verkündete er unter anderem, dass Luzifer nicht unwiderruflich verdammt sei.
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Levis Baphometchen |
Es gab auch
Opferhandlungen für den König Melchisedek der zur Zeit Abrahams in Salem
regierte und als Vorläufer Christi angesehen wurde Dieses Ritual war mit
sexualmagischen Praktiken verbunden.
1851 kam es zu
einem Skandal, als ein Aussteiger dieser Organisation den Gründer offiziell der
Zelebrierung Schwarzer Messen beschuldigte.
Also, wie schon vorab erwähnt, war Levi mit einem der treuesten Anhänger von
Vintras, Abbe La Paraz, zusammengetroffen, der Zeuge von den Wundern Vintras
geworden ist.
Als
Levi nach Beweisen für diese Wunder ersucht, zeigte ihm La Paraz unter anderem
ein Album mit Kopien all jener blutigen Zeichen, die an den Hostien zu sehen
gewesen waren. Drei von den Hostien erregten Levis Neugier im höchsten Masse.
Eine der Hostien wies, nach Eliphas Levi, ein auf dem Kopf stehendes Pentagramm
auf.
Hier
stellt sich erst mal die Frage, wie man ein blankes Pentagramm auf einer Hostie
als umgekehrtes Pentagramm erkennen kann. Wenn man ein Pentagramm auf ein Blatt
Papier zeichnet und diese Papier auf den Tisch legt, ist auf keinster Weise
ersichtlich, ob es nun auf dem Kopf steht oder aufrecht dargestellt ist. Je
nachdem, wie man das Blatt dreht, kann das Pentagramm jede mögliche Ausrichtung
annehmen. Wie dies Eliphas Levi bewerkstelligte bleibt rätselhaft. (Sehr
wahrscheinlich
spielte hier vor allem die persönliche Aversion gegenüber Vintras eine grosse
Rolle.)
Eliphas Levi war von der Echtheit der Wunder Vintras überzeugt, jedoch nicht von
der Göttlichkeit derselben. Er vermutete einen dämonischen Einfluss dahinter und
führte demzufolge die Symbolik der Hostien auf einen "dämonischen" Ursprung
zurück. Nur zu logisch, dass Levi die Abbildung auf dem Jesuskeks als "Signatur
des Teufels" bezeichnete. (Ein betrügerischer Einfluss von Vintras wies Levi
zurück, obwohl Vintras des Betruges überführt worden ist.)
Nun,
wie deutete Levi nun dieses "umgekehrte" Pentagramm, das bis anhin in der
Geschichte der Symbolik noch nie eine negative Bedeutung hatte?
"Der Stern des Mikrokosmos oder das magische Pentagramm, jener Stern, in der berühmte Agrippa
von Nettesheim die menschliche Figur eingezeichnet hat, mit dem Kopf in der
obersten Ecke und den vier Gliedern in den vier anderen Spitzen, der umgekehrt
das hieroglyphische Zeichen für den Bock in der schwarzen Magie ist, dessen Kopf
sich dann in den Stern einzeichnen lässt mit den beiden Hörnern nach oben, den
Ohren rechts und links sind den Bart unten, - das Zeichen des Gegensatzes und des
blinden Schicksals darstellend: Den Bock der Verkommenheit, der mit seinen
Hörnern den Himmels türmen will, ein Zeichen, das sogar am Sabbath von
Eingeweihten höheren Grades verflucht wurde!"
Wie kam Levi zu
dieser negativen Bewertung des umgekehrten Pentagramms und auf was ist dies
zurückzuführen?
Levi war ein
christlicher Kabbalist und demzufolge stark von einer rigiden christlichen
Sexualmoral geprägt. Zudem zeichnete er sich in seinen Schriften immer wieder durch eine blinde
Hierarchiegläubigkeit aus. Er sah es als absolute Notwendigkeit an, sich in eine
"spirituell-religiöse" Hierarchie einzufügen, beziehungsweise unterzuordnen.
Der Ziegenbock
verkörperte für Levi all jene Tugenden und Eigenschaften, die er als
gut-christlicher Kabbalist aus oben genannten Gründen zurückwies und auf dem
spirituellen Weg unbedingt zu überwinden waren: Schlechte Dressierbarkeit,
Störrigkeit und ungezügelte Sexualität, alles "Tugenden", die auch heute noch in
diversen okkulten Gesellschaften gar nicht gerne gesehen werden.
Zudem entsprach
es einer langen christlich-abendländischen Tradition den Ziegenbock ambivalent
zu betrachten und mit Misstrauen zu beäugen.
Jedenfalls
folgte Levi dieser gut-christlichen Tradition und interpretierte den Ziegenbock,
beziehungsweise das umgekehrte Pentagramm, als Emblem für den Gott des
Hexensabbats und den Teufel höchstpersönlich. Eine Betrachtung der Symbolik des
Ziegenbocks von einem positiven und vor allem konstruktiven
griechisch-antiken Standpunk kam ihm gar nicht in den Sinn.
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Darstellungen
des Pentagramms nach Stansilas de Guaita |
Nachfolgend finden sich seine Überzeugungen auch in dem Werk des Rosenkreuzers
Stanislas
de Guaita (1861-1897) "La Clef de la Magie Noire" (1897) und in dem
Buch von Oswald Wirth (1860-1943)
"La
Franc-Maçonnerie rendue intelligible a ces adeptes II"
(1931), wieder.
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Oswald
Wirth`s Version |
Die immer wieder
in diversen Okkultschriften propagierte "Tatsache", dass nicht nur Levi, sondern
auch andere Autoren völlig unabhängig auf die bitterböse satanische Bedeutung
des umgekehrten Pentagramms gestossen sind und somit der Deutung von Levi einen
archetypisch-universellen Wahrheitgehalt beimessen, verkennen eines aber völlig:
Stanislas de Guaita war ein Schüler von Levi und Oswald Wirth war ein Schüler
und langjähriger Sekretär von de Guaita.
Die unbewiesenen
und frei erfundenen Spekulationen Levis blieben also in der guten "okkulten Familie" und wurden nachfolgend immer wieder völlig unkritisch von späteren
esoterischen Generationen übernommen.
Dieser "okkulten
Familientradition" folgend, entwickelte sich im Laufe der Zeit somit das
umgekehrte Pentagramm kontinuierlich zu einem rein "satanischen" Pentagramm, bis
sich in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts Levi`s Symbol, der
"Bock
von Mendes"
als Wahrzeichen für den modernen Satanismus endgültig etabliert
hatte.
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Siegel des Kaisers
Konstantin I. |
Umgekehrte
Pentagramme, die keinerlei satanische Bezugspunkte aufweisen finden sich jedoch
immer noch an vielen Stellen: z.B. auf dem Siegel des heiligen Kaiser Konstantin
(4. Jahrhundert n.u.Z.), der das Christentum als Staatsreligion einführte, als
mittelalterlich-medizinisches Symbol für Gesundheit (siehe auch das
pythagoräische Pentagramm), sowie als mittelalterliches Symbol für die
Fleischwerdung Jesus Christi, um nur einige zu nennen.
Aber auch in der
modernen heidnischen Tradition hat es Einzug gehalten. Dort symbolisiert es den
2.Grad der gardnerischen Wicca-Tradition und kann ebenso verschiedentlich die
männliche Energie des Gottes verkörpern.
Denke also
daran, wenn dich das nächste Mal jemand nach der Bedeutung des Pentagramms
fragen sollte, nicht zu vorschnell das umgekehrte Pentagramm als rein
"satanisch"
zu titulieren.
Nicht alle die
dieses tragen müssen gleich
"bitterböse"
Satanisten und Schwarzmagiere sein. Vielleicht ist es ja
nur
eine harmlose
Wicca, die den 2.Grad innehat und dies demonstrativ und offenherzig der Welt
kund tun möchte, oder möglicherweise sogar nur ein kampfsporterprobter Holzkopf,
der glaubt, dass das umgekehrte Pentagramm ein japanischer Wurfstern ist und
diesen voller Stolz vor sich hin trägt, uahhh ... Banzai ...
Es gibt schon
genug Vorurteile auf dieser Welt. Nähre sie nicht noch zusätzlich mit einer
kurzsichtigen, moralisierenden Betrachtungsweise!

