|
Tiphareth - Schönheit
Harmonie - Gleichgewicht
Nur
die Oberflächlichen erkennen sich selbst.
Oscar
Wilde

nser
wahres, authentisches Ich ist stets gegenwärtig.
Aber dieses ursprüngliche Ich ist verdeckt von einer Fülle von
Konditionierungen, sprich von tief verwurzelten Denkgewohnheiten und Verhaltensmustern. Doch in
dem Augenblick, in dem all das schwindet, was wir über uns selbst zu glauben
wissen, dann verschwinden all diese Überdeckungen und unser wahres Ich, das
stets Gegenwärtig ist, offenbart sich als unser ursprüngliches wahres Sein.
Um
aber zu dieser Erfahrung zu gelangen, ist es notwendig, dass wir uns bei allen
unseren Tätigkeiten des täglichen Lebens stets bestrebt sind, in liebevoller Gewahrsam unser Selbst zu sein.
Diese
Form des Praktizierens unterscheidet sich von der allgemeinen so genannten spirituellen
Praxis dadurch, dass sie mitten in der Welt, mitten im Alltag gelebt wird.
Im
Bewusstseinszustand, der durch     
Tiphareth symbolisiert wird, geht es in Wirklichkeit gar nicht darum, sich mit
okkultem Wissensstoff voll zustopfen und komplizierte Rituale zu zelebrieren,
sondern es geht nur darum, sich in sich selbst zu versenken, in das, was ist,
das heisst: in die Wirklichkeit des einen Geistes.
So gibt es aus der Sicht von     
Tiphareth keinen Unterschied, ob du mit Hingabe eine Comic-Heft liest, in eine trübe Glaskugel starrst,
oder henochische Gottesnamen vor dich hinmurmelst.
Aber
diese Wirklichkeit ist nicht etwas, was wir erlangen können, was wir ergreifen
können. Es gibt nichts zu erreichen, es gibt nichts zu erlangen. Dein wahres
Ich, ist in seiner ganzen Fülle schon da, jetzt!
Nun könnte man ja Fragen, warum praktiziere ich denn bloss den
westlich-hermetischen Weg? Ich komme ja eigentlich hierher, um auf dem okkulten
Pfad Fortschritte zu machen. Und wenn es nun heisst, es gibt nichts zu
erreichen, dann wäre ja meine Suche umsonst!
Da
müsste eigentlich ein authentischer Weg antworten:
Ja richtig, genau..., so ist es!
Denn
der- oder diejenige, der/die glaubt, dass es irgendetwas zu erreichen gäbe,
der/die kommt wirklich umsonst.
Klingt das nicht ziemlich verwirrend und paradox?
Eine authentischer Weg zu den unaussprechlichen Mysterien, der es wirklich gut
mit dir meint, wird dir niemals etwas geben.
Ganz im Gegenteil, ein echter okkulter Weg hat immer nur ein Anliegen, und das
ist - dir alles zu nehmen, was die Wirklichkeit deines wahren Selbst-Seins
überdeckt.
Und
dies heisst: der okkulte Weg bemüht sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden
Mitteln, dich von allem, was es auch sei, radikal zu befreien.
Nun, in vielen, wenn nicht sogar
den meisten, okkulten-mystischen Traditionen wird unser ganzheitliches Sein in
zwei künstlich getrennte Aspekte aufgeteilt, das so genannte niedere Ich, die
Persönlichkeit und in das nicht so ganz greifbare und schwierig zu definierende
höhere Selbst.
In diesen Traditionen gibt es eine Fülle von verschiedensten Übungen und
Rituale, wie dieses so genannte "höhere Ich" integriert und verwirklicht werden
kann.
Nun, diesen Systemen zufolge wird,
einfach gesagt, unser unkonditioniertes, spontanes, wahres authentisches Ich,
das stets gegenwärtig ist, als so genanntes "höheres Ich" bezeichnet, von
unserem ganzheitlichen Sein abgespalten und in höhere, innere, feinstoffliche
und imaginäre Ebenen projiziert.
Und
so leben wir denn diesem philosophischen Konzept zufolge in der permanenten
Dualität, streben und mühen nach einem unfassbaren, imaginären, höheren
Selbst, rufen es an und beschwören es mit allen nur möglichen Praktiken und
Techniken. Doch...
Die Menschen sind in ihrem Wesen Buddha,
das ist wie Wasser und Eis.
Wie es kein Eis gibt ohne Wasser, so gibt es ohne Buddha keinen Menschen.
Wehe den Menschen, die in weiter Ferne suchen und, was nahe liegt, nicht wissen.
Sie gleichen denen, die mitten im Wasser stehen und doch nach Wasser schreien.
Zen-Meister
Hakuin (18. Jh.)
Pete
Caroll schreibt in seinem Buch "Liber Null" treffend dazu:
"Die
meisten Mystiker und religiös orientierten Magiere beschreiben ihre mystische
Erfahrung als Transzendenz. Sie schildern, wie sie in etwas weitaus Grösseres emporgehoben werden, wie ein Blatt im Wirbelsturm oder wie eine Träne, die in
den Ozean fällt.
Sie behaupten, dass ihr eigenes Ego ausgelöscht und mit der
Gottheit vereint worden sei. Tatsächlich hat nichts dieser Art stattgefunden. Sie haben lediglich eine Form gnostischer Verzückung (Trance) angewandt, um ihr
eigenes Ego zu einer gewaltigen Version jenes Gottes aufzublähen, den sie so
sorgfältig kultiviert haben. Dieses Vorgehen unterscheidet sich nicht im
Geringsten von dem des schwarzen Magiers, der sein Ego ebenfalls zu kosmischen
Dimensionen aufbläht, mit dem einzigen Unterschied, dass der Religiöse eines
Gottes bedarf, in dessen Namen er seine eigenen Interessen verfolgen kann.
Er
kann sich vorübergehend auch äusserst demütig geben, um seinen Grössenwahn vor sich selbst zu verbergen. Genau das gleiche geschieht, wenn ein Magier
versucht, seinen heiligen Schutzengel (sein höheres Selbst) zu invozieren."
Wenn
du also einem System oder einer Lehre begegnen solltest, die eine ursprünglich
nicht vorhandene Dualität postulieren sollte und eine Spaltung des Bewusstseins
bewirken möchte, würde ich dir den Rat zu Herzen legen, den Cypher dem Computerhacker Neo gegeben hat, als er ihn vor den
Agenten in der Matrix warte, die alles und jeden kontrollieren können:
"Wenn
du ihnen begegnen solltest, Neo, dann renne, renne!"
Wie
könnte man nun diese künstliche Dualität aufheben und dieses überholte
Konzept eines höheren Selbstes überwinden? Vielleicht ist es gar nicht so
schwer und mühevoll wie es uns viele Autoritäten weismachen wollen. Und
vielleicht ist es sogar so einfach, dass es niemand so recht glauben mag.
Es
gibt gar keine zwei Formen des niederen Ichs und des höheren Ichs, so wie es
viele Traditionen es lehren.
(Am ehesten könnte man vielleicht das höhere Selbst als unseres authentisches
Ich, der individuelle Wesenskern und das so genannte niedere Ich als die Ebene
unserer Konditionierungen, dargestellt durch die vier unteren
  
Sephirah, auffassen.)
Es
hat diese nie gegeben! Nur unsere eigenen mentalen Konzepte des Nichterkennens
der Einheit erschafft diese Abspaltung, diese Trennung.
In der Erfahrung von     
Tiphareth ist man eins mit dem "höheren Ich", in dem Sinne, dass man einfach
sein natürliches, authentisches, ungekünsteltes Ich ist.
In
diesem Zustand gibt es keine künstliche Zweigeteiltheit, kein Gegensatz von
innen und aussen, von Objekt und Subjekt, sondern man ist eins mit sich selbst.
Denn im Moment der bedingungslosen, liebevollen Selbstannahme, wo alle
Meinungen und Theorien über uns selbst und die Welt in der wir leben fallen,
wird die Wahrheit, jenseits unseres begrifflichen Denkens, jenseits allen
Annehmens und Verwerfens offenbart.
Natürlich faseln sich auch
"professionelle" Okkultisten, Lichtarbeiter und andere Eso-Normalverbraucher
über "Einheit und Liebe" den Mund fuselig.
"Ja, ja, jaaa..., alles ist eins!
Die göttliche Liebe offenbart sich fortwährend, alles was existiert, ist
manifestiertes göttliches Licht!"
Hast du aber nicht auch schon
erlebt, wie schnell diese angebliche göttliche Liebe bei diesen Menschen flöten
geht, wenn man eine abweichende Meinung vertritt, Widerspruch und berechtigte
Kritik formuliert? Wie dann bei ihnen ein verächtliches Lächeln die Mundwickel
zu umspielen beginnt?
Im Grunde genommen gibt es keine
intoleranteren Menschen, als die oben erwähnten Menschengruppen, ausser
natürlich religiöse und politische Fundamentalisten. Was wird da hinter
vorgehaltener Hand nicht alles beurteilt, geurteilt und verurteilt!
Nur schon eine gänzlich
oberflächliche Erfahrung von     
Tiphareth kann uns von all diesem dualisierenden Denken befreien. Möglicherweise
könnten wir dann erkennen, dass im Grunde genommen nichts Spirituelles
existiert, genau so wenig, wie nichts Unspirituelles existiert. Es sind immer
wir, die einer bestimmten Sache irgendeinen spirituellen Wert beimessen. Dies
wird leider nur zu oft vergessen!
    
Tiphareth ist die zentrale
Sephirah des Lebensbaumes, ist das Fundament der gesamten Manifestation und steht mit allen
   
Sephiroth in Verbindung.
Sie hält das
Gleichgewicht zwischen
  Kether, dem kosmischen Bewusstsein
und der physischen Welt von    
Malkuth, zwischen dem oberen Pol der Psyche in
  Daath und dem unteren Pol in    Jesod, zwischen den Gegenpolen von   
Chokmah -   
Binah, von  
Chesed -    
Geburah und  
Netzach -  
Hod.
Sie liegt in der Mitte zwischen den gleichartigen Kraftströmen von  
Chesed und  
Hod, sowie auch von    
Geburah und  
Netzach. Es ist sehr empfehlenswert, über die Dreiecke zu meditieren, welche
durch die Pfade gebildet werden, die     
Tiphareth mit allen anderen
Sephiroth verbindet. Ohne eingehende Kenntnisse der Pfade und ihrer Beziehungen
zueinander, kann man allerdings zu keinem umfassenden Verständnis von     
Tiphareth gelangen.
Für alle anderen
Sephiroth gilt das natürlich auch, doch sind die Wechselbeziehungen zwischen     
Tiphareth und den anderen
Sephiroth die massgebliche Grundlage für die Gesamtorientierung. Wer die
Bedeutung von     
Tiphareth erfahren hat, besitzt auch im Wesentlichen das Verständnis für den
gesamten Lebensbaum.
    
Tiphareth ist die
Sephirah der Schönheit. Schönheit entsteht, wenn wir der "Schau der Harmonie
alles Bestehenden" teilhaftig werden. Harmonie und Schönheit beinhalten
Gesundheit und Heilung. Der Erzengel
   Raphael
ist ein wichtiger Aspekt von     
Tiphareth, das auf der mittleren Säule der Luft liegt. Das Element der Luft,
welches sich uneingeschränkt frei bewegt, ist ebenfalls ein Symbol des
göttlichen Geistes.
Die
Schar der Engel heissen    
Malachim, Könige und Königinnen. Sie können als heilende und lebensspendende
Boten unter der Vorherrschaft von    Raphael
angesehen werden. In der Naturmagie ist dies auch die Sphäre der Elementarkönige
und Königinnen. Die Elementarkönige der 4 Elemente (Wasser, Erde, Feuer, Luft),
welche über die Wesen ihres Elementes herrschen, sind in der Bewusstseinssphäre
von     
Tiphareth zentriert, während die Klasse der Elementarwesen eher dem Bereich von    
Malkuth angehören.
    
Tiphareths Tugend ist die "Hingabe an das grosse Werk". Da für den Menschen das
"grosse Werk" immer persönliche Erneuerung und Wiedergeburt bedeutet, gehören zu     
Tiphareth zahlreiche Symbole des Todes und der Auferstehung. Ihr sind auch alle
Erlösergottheiten der Menschheit zugeordnet.
Die Farben der
Sephirah sind rosa, gelb und bernsteinfarben. Der Himmel am Horizont bei
Sonnenaufgang, und auch Sonnenuntergang vermittelt uns den bestmöglichen
Eindruck der wunderbaren Farben von
Tiphareth.
Der
Gottesname von Tiphareth ist  
     
JHVH Eloah va Daath, was übersetzt "Das was war, ist und sein
wird, Kraft und Wissen" bedeutet. Alternativ kann für diese
Sephirah auch der alte gnostische Göttername IAO benutzt werden.
Klemens von Alexandrien schreibt, dass die
Eingeweihten des ägyptischen Serapis (eine Form des Osiris) diesen Namen als
Titel trugen. Dieser Göttername wird auch die Formel des sterbenden Gottes
genannt und wird mit Osiris, Adonis, Baldur, Dionysos und Jesus in Verbindung
gebracht.
IAO
ist im hermetischen Sinne die Abkürzung von Isis, Apophis und Osiris. Wenn man
nun die Ideen der vorher genannten Namen verknüpft, so kommt man zu folgender
Aufschlüsselung der IAO Formel:
Isis
wird unter anderem dem Tierkreiszeichen der Jungfrau und demzufolge der
Tarotkarte "der Eremit" zugeordnet. Sie ist im gnostischen Sinne die
Jungfrau der Welt, die Anima Mundi (Weltenseele).
Apophis
ist die ägyptische schlangenartige Personifizierung des Chaos, die bei der
Unterweltsfahrt des Sonnengottes Re, täglich die göttliche Ordnung des Kosmos
herausfordert und in Frage stellt. Er kann mit der Tarotkarte "Tod"
und dem Skorpion verknüpft werden.
Osiris
wird mit der Tarotkarte "die Sonne" in Verbindung gebracht, deren
zentrale Bedeutung die Erneuerung ist.
Dieser Formel gemäss, werden alle Erlösergottheiten von einer Jungfrau geboren,
sterben, werden wiedergeboren und erneuert.
Für uns kann IAO Formel eine gute Erklärung bieten, um den Geist von Tiphareth
besser verstehen zu lernen.
Der/die Suchende wird als Kind der jungfräulichen Göttin auf den Pfad der
Individuation geführt. Dort muss er/sie um sich zu erneuern, in die eigene
persönliche Unterwelt (   Jesod) hinabsteigen und sich dort
den eigenen verdrängten Schatten und den Kräften den Chaos stellen. Während
dieses Prozesses wird das falsche Bild, das er/sie von sich aufgebaut hat und
alle Meinungen, die er/sie von sich selbst hat, absterben. Nur im Loslassen und
Absterben aller einengenden Konditionierungen, tief sitzender Gewohnheitsmustern
und aller bequemen Lebenslügen, kann überhaupt Platz geschaffen werden, um in
dieser neu geschaffenen Leere die Wahrheit unseres authentischen Seins zu
erfahren. Dann mögen wir erneuert, aus der Dunkelheit des Nichterkennens der
göttlichen Einheit in die Morgendämmerung des philosophischen Goldes eines
neuen, befreiten Lebens treten.
Wir
leben wieder von neuem,
nachdem
wir eingetreten waren in den Nun (formloser Zustand)
und
er uns verjüngt hat zu einem, der zum ersten Mal jung ist.
Der
alte Mensch wird abgestreift, ein neuer angelegt.
Das
Unterweltsbuch Amduat.
Viele
Menschen verharren erstaunlich lange in der Phase des vorher erwähnten
Absterbens, in selbst auferlegten Leiden und ungern gebrachten Opfer. Sie sind
völlig taub gegenüber den "Hilferufen" ihres wahren Seelenkerns,
welcher in ihrer eigenen tief sitzenden Konditionierungen eingekerkert ist. Sie
weigern sich, in die eigene Hölle herabzusteigen, um dort die eigenen
unerleuchteten Aspekte und Schatten zu akzeptieren und anzunehmen, denn nur dadurch wird die
Auferstehung möglich.
Wer
diesen Schritt nicht tun kann, verfällt geradezu einem spirituellen
Masochismus, der auf jeden Fall pathologisch ist. Wahrscheinlich führt dieser
Masochismus des Leiden wollen und der Selbstkasteiung von der Weigerung her,
sich bewusst gewissen seelischen Bereichen anzunähern.
Es ist ganz
bestimmt nicht so einfach, sich auf diesen Prozess einzulassen und es verlangt
viel Mut und Zuversicht, in die eigene Unterwelt (   Jesod) hinabzusteigen und den
"mystischen Tod" zu erleben.
Die
Smaragdtafel des Hermes sagt:
"Trenne
die Erde vom Feuer, das Feine vom Groben, sanft und voll Sorgfalt!"
Diese
Prozesse können nicht erzwungen werden, nicht erkämpft. Sie geschehen fast von
selbst, wenn du damit aufhörst, dich für dein momentanes "So-Sein"
zu verurteilen und du damit aufhörst, dich selbst zu bekämpfen. Der Abstieg in
die Tiefe geschieht dir dann, wenn du lernst, dich in deinem natürlichen,
spontanen Zustand liebevoll so anzunehmen wie du nun mal bist. Ohne
bedingungslose Selbstakzeptanz und Selbstliebe kann dieser Weg steinig sein.
Versuche
also sanft zu dir zu sein und sei voller Sorgfalt!
Denn
im Moment der liebevollen Selbstannahme, fallen die Masken unserer
Pseudo-Persönlichkeit, die wir so wichtig genommen haben und unser wahres Sein
offenbart sich augenblicklich. Dann erfahren wir alles als ein ganzheitliches,
vollumfängliches Ganzes. Ein einziges untrennbares Sein, eine einzige
Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit unseres authentischen Seins gilt es zu
erfahren, hier, jetzt, mitten in der Welt.
In diesem Zustand erfahren wir, dass
 
Kether in    
Malkuth ist und    
Malkuth in
 
Kether, aber auf eine anderer Art und Weise.
Dann
flüchten wir nicht mehr nach innen oder nach aussen. Wir halten nicht mehr im
Aussen
fest, indem wir sagen: "Toll, was brauch ich denn Innen, wenn alles
eins ist." Oder halten uns weltfremd am Innern fest und sagen: "Nur
Innen muss ich es finden."
Die
Lösung ist ganz einfach und kommt von selbst. Gehe nach innen und sei offen und
lebendig nach aussen. Mit anderen Worten: Mache das Innen nach Aussen und das Aussen
nach Innen. Dann wirst du erkennen, dass alles die eine alles erfüllende
Ganzheit des Seins ist.
Diese
Erfahrung wird oft von vielen Esoterikern und Okkultistinnen als eine Art
Erleuchtung geschildert. Nun, über das Wort
"Erleuchtung" ist schon so viel Unsinn erzählt worden, dass es viele
nur schon graust, wenn sie dieses Wort hören.
Erleuchtung
wird im Zen-Buddhismus Satori (Erwachen) oder Prajnaparamita (die das andere
Ufer erreichende Weisheit) genannt und ist ganz einfach zu erfahren.
Wir
erwachen in dem Moment, wenn wir den Mut haben, uns auf das Brett zu stellen,
das wir normalerweise vor unserem Kopf hertragen und es dann wagen mit einem
offenen Geist und einem offenen Herzen über die Mauer unserer mentalen
Konzepte, des Hörensagens, des "das muss so sein", den Blick schweifen
zu lassen.
Dieses
unmittelbare Erfahren der Wahrheit liegt jenseits des Bereichs von Buchstaben
und Wörtern, jenseits von Vorträgen und unbewiesenem spekulativen Denken.
Diese schlichte Wahrheit ist frei von "Reinheit und Unreinheit,
sowohl greifbar, wie auch ungreifbar, ihrem Wesen nach unzerstörbar, ist frei
vom Nebel der Verwirrung und sie existiert unabhängig von unserer Wahrnehmung
oder unserer Vorstellung von ihr".
"Aber
hallo!", schreit die esoterische Elite auf, "so einfach kann das doch
alles nicht sein! Ich wachse doch über das normale Massenbewusstsein heraus,
entwickle mich zu einem Menschen, der mehr ist als das "gemeine Volk"
und gehöre der menschlichen, tja wenn nicht sogar der kosmischen Elite an!
So
antworten viele esoterische Holzköpfe, die nur noch die eigene Erleuchtung im Kopf haben. Sie wollen
die Erleuchtung erlangen, um dadurch der Welt und ihrem kleinen,
unspektakulären Selbst zu entfliehen. Sie sitzen nur noch auf ihrem
Meditationskissen, meditieren und ritualisieren bis zum geht nicht mehr, um die
Welt und die eigenen Unzulänglichkeiten auszuschalten.
"Es gibt Menschen, die an der dumpfen Stille haften und von nichts Notiz nehmen.
Nachdem sie die Speisen der Gemeinschaft zu sich genommen haben,
sitzen sie wie tot da und warten auf Erleuchtung.
Solche Menschen sind wie Tonklumpen in windschiefen Hütten
tief in den Bergen und Wüsten.
Sie mögen sich einbilden, sei seien buddhistische Meister von unwandelbarer
Weisheit,
doch sie verbrauchen einfach nur die Almosen der Gläubigen."
Zen-Meister
Ying-an (12. Jh.)
In
der Praxis eines echten magischen Weges geht es einfach darum, dass wir die Welt
so annehmen wie sie einfach ist. Es geht darum, dass wir der Welt nicht
entfliehen, sondern, dass wir das, was wir in unseren Ritualen und Meditationen
geübt haben, mitten in der turbulentesten Tätigkeit des Alltags verwirklichen.
Dieses
Praktizieren von "spiritueller" Erkenntnis mitten in der Welt, ist der Weg der
Auflösung aller Gegensätze.
 
Kether ist    
Malkuth und    
Malkuth ist
 
Kether.
Diese
Aussage nützt uns aber gar nichts, wenn wir sie nur im Kopf haben oder darüber
lesen und dann sagen: "Tatsächlich, weise, weise, so ist es!" Das
bringt uns nicht weiter und hat überhaupt keinen Wert, wenn wir es nicht selbst
erfahren. Es geht hier nicht nur um ein fadenscheiniges Lippenbekenntnis, so wie
es bei manchen religiösen Institutionen der Brauch ist, in denen man sich
einfach nur zu einer Glaubensformel bekennt und schon hat man seinen Anteil an
der Erlösung.
Nun, das ist bei vielen Religionen und esoterischen Gemeinschaften so,
wenn nicht sogar bei den meisten. Bei diesen Institutionen geht es um den "äusseren"
Glauben, um "Lippenbekenntnisse", um Autoritätsgläubigkeit und das
"Nach-Denken" dessen, was andere schon "Vor-Gedacht" haben.
Ein
echter okkulter Weg ist immer ein Weg der Praxis und macht damit radikal ernst.
Es ist die totale Erfassung deines spontanen, absichtslosen Seins und das heisst:
Sei
unkonditioniert und vor allem sei im Hier und Jetzt!
Das ist es!
     Tiphareth
hat den kabbalistischen Namen
       Zauir Anpin, was das "kleine
Antlitz" bedeutet.
Demgegenüber steht
       Arik Anpin, "das grosse
Antlitz", nämlich der Name von
 
Kether. Im Rahmen dieser Symboldeutung fungiert     
Tiphareth als Spiegelbild von
 
Kether, auf einer tieferen Ebene des Lebensbaumes als eine geistige Quelle,
allerdings nicht am Anfang der Schöpfung, sondern inmitten derselben.
Die
griechischen Namen für das "grosse Antlitz" und das "kleinere
Antlitz" sind Makroprosopus und Mikroprosopus.     Malkuth, die physische Welt,
heisst hier "Braut des Mikroprosopus".
Bezeichnet
man      Tiphareth als König, so ist     Malkuth die Königin.
Der sechsflächige Würfel wird wegen seiner sechsteiligen Oberfläche der
Sephirah     
Tiphareth zugeordnet. Die Form des Pyramidenstumpfes, eine sechsseitige Figur,
tendiert auf einen gedachten Punkt hin, auf die Spitze der Pyramide, welche in
dieser Symbolfigur durch
 
Kether dargestellt würde. Obwohl die "höheren" Ebenen nicht von den
geometrischen, körperhaften Symbolfiguren vertreten werden, weist der
Pyramidenstumpf, der mit seiner breiten Grundfläche als Symbol unterhalb von     
Tiphareth fungiert, durch den gedachten Punkt der Pyramidenspitze auf die
höchste Ebene von
 
Kether hin.
Der/die
ausübende Magier/in trägt das Brustschild "Lamen", auf welchem das Symbol
mit dem er/sie arbeiten will, geschrieben oder befestigt ist. Wenn der
Lebensbaum auf den menschlichen Körper übertragen wird, so entspricht die Brust
der
Sephirah     
Tiphareth, welche alle Kraftströmungen des Lebens in Harmonie bringt.
Im heidnischen Götterglauben können alle Sonnengottheiten, alle heilenden Götter
und Göttinnen und alle geopferten Erlösergottheiten der
Sephirah     
Tiphareth zugeordnet worden. Trotz ihrer Verschiedenheit können diese Gottheiten
als gute Anhaltspunkte zum Verständnis von     
Tiphareth dienen, denn auch     
Tiphareth ist unendlich in ihrer vielseitigen Struktur und Funktion.
Lohnend
ist vor allem in diesem Zusammenhang der Osirismythos, die Reise in die
Unterwelt der babylonischen Göttin Ischtar und die Auseinandersetzung mit den
Unterweltsbüchern der alten Ägypter.
Auch die symbolische Aussage der Parzival-Legende kann     
Tiphareth zugeordnet werden, was zunächst nicht ganz einleuchtend erscheint.
Parzival war ein Ritter der Tafelrunde des König Artus. In seiner Jugend hielt
seine Mutter ihn von der Ritterschaft fern, denn sie hatte ihren Mann im Kriege
verloren. Eines Tages traf Parzival einige Ritter. Er war von ihrem Auftreten
derartig beeindruckt, dass er, ein ungeschliffener Jüngling vom Lande, zu König
Artus Hofe zog. Dort erschlug er im Kampf, ohne selbst eine Rüstung zu tragen,
einen der Ritter des Hofes. Als er dem Ritter die Rüstung nicht abzunehmen
verstand, zündete er ein Feuer an und versuchte, den Leichnam "herauszurösten",
so fremd war ihm jegliches ritterliche Verhalten. Dennoch wurde er später in der
Tafelrunde aufgenommen und unterrichtet, so dass er einer der grössten Ritter
und schliesslich sogar Gewinner des Grals wurde.
Diese Schilderung zeigt uns, wie
das wahre Ich sich in der Unwissenheit zu manifestieren beginnt. Das gleiche
wird durch das Kind, als Symbolbild von     
Tiphareth, veranschaulicht.
Es
gewinnt allmählich immer grössere Beherrschung über sich selbst und seine
Fertigkeiten, bis es schliesslich nur noch als Königin oder König ihrem/seinem
wahren Willen folgt...
Du
schläfst, damit du erwachst! Du stirbst, damit du lebst!
Pyramidentext


|