Jesod - Fundament

 

Die Maschinerie des Universums

Unterbewusstsein - Sexualität

 

Wer hohe Türme bauen will,

muss lange beim Fundament verweilen.

Anton Bruckner

 

 

esod ist die Sephirah der im Okkultismus so oft von den Alten erwähnten Äther-Ebene.

Sie soll demnach nicht nur das Kraftwerk oder Maschinenhaus der physischen Welt sein, sondern auch der Rahmen, welcher alle Bestandteile der dichten Materie umschliesst.

Diesen Aspekt glaubt auch der Biologe Rupert Sheldrake wieder entdeckt zu haben, der das Konzept der "morphogenetischen oder morphischen Felder" formulierte. Das Studium der wissenschaftlich sehr umstrittenen morphischen Felder ist ausserordentlich umfangreich, denn es umfasst angeblich die gesamte Physik.

Es ist eine Energie, welche angeblich integriert, d.h. welche die physikalischen Moleküle, Zellen usw. zu einem festen Organismus zusammenfügt. Ohne diese Felder sollen unsere physischen Körper lediglich eine Anhäufung von unabhängigen Zellen sein. Die morphischen Felder sind, so wird behauptet, kein Produkt des physischen Lebens, denn Jesod steht dem Ursprung der Dinge näher als Malkuth.

Alle lebenden Kreaturen, Pflanzen und Mineralien werden durch diese Felder manifestiert. Sie sind die Grundlage der physischen Existenz und "die Grundlage" ist ja auch der Name von Jesod.

 

In Jesod ist das Bild alles dessen enthalten, was auf der physischen Ebene existiert, somit trägt Jesod den Titel "Schatzkammer der Bilder". Diese Bilder haben nicht nur ihren Sitz in dem persönlichen Unterbewusstsein, sondern stammen auch aus dem Meer des kollektiven Unterbewusstseins.

 

Der Gottesname dieser Sephirah lautet Shaddai el Chai, die allmächtige, lebendige Gottheit.

Die Sephirah Jesod setzt sich mit den morphischen Feldern und den Bildern der vorphysischen Manifestation auseinander.

Auch sind ihr alle Lehren zugeordnet, die sich auf den Mond beziehen, welcher der "grosse Reflektor des Sonnenlichtes" ist. Somit ist es verständlich, dass ihr der Erzengel Gabriel, die Verkünderin zugeordnet ist, die uns die Kraft für Visionen jeder Art vermittelt. Man kann sich diesen Erzengel unter anderem als eine sehr schöne blau-grüne Gestalt vorstellen, umgeben von silbernen Lichtfunken und einem gewaltigen Farbenwirbel in allen Schattierungen der Pfauenfedern, gemischt mit Silber. Silbern sind vor allem ihre Flügel und teilweise ihre ausgedehnte Aura. Auch um ihren Kopf und unter ihren Füssen fliessen silberne Ströme.

Diese Darstellung entspricht nicht ganz den Farben der Sephira Jesod. Man sollte seine Vorstellung nicht allzu sehr von der Überlieferung einengen lassen. Vor allem dort nicht, wo es sich um Farbsymbolik handelt, welche weitgehend individuell interpretiert wird. Die im Zusammenhang mit dem Erzengel Gabriel genannten Farben sollten in uns starke Assoziationen an die Kräfte des Mondes und des Meeres hervorrufen, welche beide ein wesentlicher Bestandteil der Sephirah Jesod sind.

Diese anthropomorphe Gestalt kann sich dann in eine gewaltige Säule aus silbernem Licht verwandeln, mit einer Schattierung ins graue und malvenfarbige. Die Säule steht auf der Erde und reicht bis in den Himmel. Um die Säule schweben Wolken in blau-grauen Pfauenfarben. Diese gewaltige Säule würde die elektrische Batterie des Universums darstellen.

 

Die Schar der Engel von Jesod sind die Cherubim, die Starken. Die Tatsache, dass Jesod die physische Form massgeblich bilden soll und zusammenhält, zeigt, wie zutreffend dieser Engelsname ist.

Den gleichen Gedanken verdeutlicht das magische Bild von Jesod, der schöne, nackte, sehr starke Mann, der mit dem Riesen Atlas gleichgesetzt werden kann, welcher die ganze Welt auf seinen Schultern trägt. Er ist so stark wie die anderen klassischen "Fundamente des Universums: der Elefant, die Schildkröte und der Adler. Diese drei Kreaturen und Atlas können als eine Widerspiegelung der vier heiligen lebenden Kreaturen von Kether angesehen werden.

 

Das astrologische Prinzip von Jesod ist der Mond. Nun, es gibt eine Fülle esoterischer Lehren, die sich um den Mond gebildet haben. Besonders wird immer wieder der enge Zusammenhang zwischen den Mondphasen und Geburten, Morden, Verkehrsunfällen, Pflanzenwachstum usw. behauptet. Leider konnte dies aber in allen wissenschaftlichen Untersuchungen nicht bestätigt werden. Alle Statistiken weisen darauf hin, dass keine Verbindung zwischen den Phasen den Mondes und den behaupteten Phänomenen gibt.

 

"Ok, wenn der Mond aber Ebbe und Flut beeinflusst, dann doch auch bestimmt die Körperflüssigkeiten des Menschen (immerhin 70%) und den Wasserhaushalt der Pflanzen und Bäume!"

 

Nun, es stimmt, die Gravitation des Mondes bewirkt, mit der Gravitation der Sonne zusammen, Ebbe und Flut. Die Ursache dafür ist, dass die winzigen Gezeitenkräfte des Mondes auf die grossen Wassermassen eines Ozeans gleichmässig und andauernd wirken und die Ozeane frei diesen kleinen Kräften folgen können. So gelingt es eine unmerkliche Kraft über tausende Kilometer zu akkumulieren und eine Bewegung zu erzeugen die merkbar wird, wenn sie auf die Küsten trifft.

Im Bodensee wird diese kleine regelmässige Bewegung zerstört, bevor sie zu merkbarer Grösse anwachsen kann. In der Badewanne ist dieser Einfluss schon nicht mehr messbar, geschweige denn im Körper des Menschen oder in den Pflanzen und Bäumen.

Die Gravitation des Mondes ist immer die gleiche, ob es nun Vollmond oder Leermond ist. Sogar die Hebamme wirkt mit einer grösseren Gravitationskraft auf den Geburtsvorgang ein, als der weit entfernte Mond.

Irgendwie befreiend, sich von abergläubischen Vorstellungen lösen zu können, nicht?!

 

Kehren wir aber an dieser Stelle nun wieder zum Lebensbaum zurück, in den man alle möglichen und unmöglichen Lehren hineinzuprojizieren vermag, ohne sich um schnöde, wissenschaftliche Erkenntnisse kümmern zu müssen.

 

Pan und Isis kann man als Aspekte der Sephirah Jesod ansehen. Pan vermittelt die Vorstellung der archetypischen Stärke, welche, wie bereits erwähnt, für diese Ebene und für den Einfluss des Mondes auf die Erde charakteristisch ist. Isis ist die archetypisch "Jungfrau", welche hier in ihrem empfangenden Aspekt verkörpert wird.

So dient Jesod auch als Behälter für alle archaischen und archetypischen Kräfte, welche in dieser Sephirah in Bilder umgewandelt werden. Auf der Basis dieser Bilder gehen die Formen der physischen Welt hervor.

 

Die Hauptfunktion von Jesod ist, den Mechanismus zu steuern, durch welchen die menschliche Rasse lebt, stirbt, geboren wird und sich vermehrt. So ist denn Jesod die Sephirah aller Triebkräfte und in diesem Sinne logischerweise auch die Sephirah unseres Sexualtriebes.

Wenn nun der Sexualtrieb, eine so grundlegende Triebfeder unseres Seins darstellt, könnte man sich ja auch einmal fragen, warum in den meisten Religionen, totalitären Regimen, Diktaturen, sowie in vielen esoterischen und okkulten Gemeinschaften gerade eben dieser Trieb am meisten reglementiert, kontrolliert, tabuisiert und unterdrückt wird.

 

Nun, die strenge sexuelle Doktrin, die von so vielen Religionen, esoterischen Gemeinschaften und totalitären Diktaturen auf ihre Anhänger und Parteimitglieder ausgeübt wird, kommt von dem überaus grossen Bedürfnis her, dass eine kleine religiöse, spirituelle oder politische "Elite" glaubt, dass sie doch wohl am Besten wisse, was für die stumpfe Masse am zuträglichsten sei.

Damit aber dieses "Beste" an den Mann und an die Frau gebracht werden kann, ist es notwendig, dass der Mensch entmündigt und vor allem unter die Kontrolle dieser "Elite" gebracht wird.

Genau aus diesem Grund wird eine rigide Sexualmoral aufrechterhalten, nicht nur, weil die Sexualität sich eine Welt für sich allein zu schaffen versteht, die ausserhalb der Kontrolle der Hierarchie, Priesterschaft und Parteifunktionäre ist, so dass sie nach Möglichkeit unterdrückt werden muss, sondern vor allen Dingen, weil die sexuelle Enthaltsamkeit zur Hysterie führt.

Damit wird ein erstrebenswertes Ziel erreicht, denn diese Hysterie kann dann in Kriegsbegeisterung, Führerverehrung und Priesterhörigkeit umgewandelt werden.

Beim Liebesspiel werden einfach gesagt Spannungen sowohl aufgebaut, wie auch abgebaut und hinterher fühlt man sich einfach beglückt und entspannt. Aber genau das können diese Organisationen nicht ertragen.

Sie wollen, dass man ständig unter einer verdrängten, sexueller Hochspannung steht.

So ist denn dieses ganze Auf- und Abmarschieren, Fahnenschwenken, im Chor "Jesus, Jesus, rette mich armer Sünder!" brüllen, nichts anderes als sauer gewordene Sinnlichkeit.

 

Es besteht ein unmittelbarer, enger Zusammenhang zwischen Enthaltsamkeit und religiöser oder politischer Strenggläubigkeit. Könnte man sonst Furcht, Hass und fanatischer Glaube bei den Mitgliedern in der richtigen Weissglut erhalten, wenn nicht ein mächtiger Urtrieb auf Flaschen gezogen wird um ihn als Treibstoff zu benutzen?

 

Zu erwähnen wäre hier auch noch die so genannte magische Seite des Mondes. Jesod kommt eine grössere magische Bedeutung zu als den anderen Sephiroth. Vielleicht mit Ausnahme von Hod. Da Jesod eine Mond-Sephirah ist, hat sie auch engen Kontakt zu Thoth. Das geht aus einigen Legenden hervor, welche Thoth als Helfer der lsis darstellen.

Da Jesod direkt mit der Reinigung und Vereinheitlichung der Formen verknüpft ist, ist die Bedeutung dieser Sephirah bei der praktischen magischen Arbeit einleuchtend. Auch müssen alle Kräfte das Stadium von Jesod durchlaufen, bevor sie sich physisch in Malkuth manifestieren können.

 

Die Zuordnung der "Sandalen" zu Jesod verdeutlicht die enge Verbindung zu Hod, denn ein Aspekt von Jesod sind die "geflügelten Sandalen der grossen Boten und Botinnen", welche auf Hermes, Merkur, Thoth und die Göttin Iris Bezug nehmen.

In anderer Hinsicht sind die Sandalen das "magische Werkzeug" welches uns hilft, uns auf den Grundlagen der verschiedenen psychischen Ebenen zu bewegen.

 

Die Zuordnung von "Düften" zu Jesod weist auf das umfassende Gebiet der Kenntnisse der Pflanzen hin. Der Bereich der Düfte ist schon seit längerem von der Psychologie und der Werbung erforscht worden, was eigentlich nicht erstaunlich ist, da sie doch, ebenso wie die Musik, tief greifende Veränderungen des Bewusstseins herbeiführen können.

 

Dion Fortune äussert sich dazu folgendermassen:

 

"Wie schnell wenden sich unsere Gedanken von irdischen Dingen ab,

wenn vom Altar der Weihrauchduft uns einhüllt,

wie schnell wenden wir uns wieder irdischen Dingen zu,

wenn eine Patschuli-Duftwolke aus der hinteren Sitzreihe zu uns herüberweht."

 

Wir kommen noch einmal auf das magische Bild von Jesod zurück, auf den sehr starken Mann. In diesem Zusammenhang sei die bedeutsame mythologische Gestalt des Herkules erwähnt. Die 12 Heldentaten des Herkules können alchemistisch die Stufen des grossen Werkes versinnbildlichen und mit den 12 Zeichen des Zodiak gleichgesetzt werden.

 

Auch die ägyptische Göttin Maat soll hier Erwähnung finden. Sie wird oftmals als eine Frau dargestellt, welche auf ihren Fersen hockt. Hier haben wir einen Hinweis auf die Sandalen und auf die Grundlage von Jesod.

Maat lag meistens in Form einer Feder auf der Waagschale in der Gerichtshalle des Osiris. In der anderen Waagschale befand sich das Herz des soeben Verstorbenen, welches auf seine Aufrichtigkeit hin geprüft wurde. Hier wird wieder das Mass und die Reinheit von Jesod betont.

Maat stand in enger Beziehung zu Thoth, welcher zuweilen "Herr der Wahrheit und Gerechtigkeit" genannt wurde.

 

Gleich dem Monde hat auch die Göttin drei verschiedene Aspekte, nämlich die Jungfrau, die Ehefrau und die weise Alte. Diese drei Aspekte werden im griechischen Götterglauben durch Artemis, Selene und Hekate vertreten. Allerdings kann der eine oder andere Aspekt auch durch andere Göttinnen dargestellt werden. Pallas Athene könnte z.B. auch als Jungfrau des Mondes bezeichnet werden.

 

Die magische Bilderwelt der "Schatzkammer von Jesod" ist die Ebene der Mythologien und Symbole und manifestiert sich anschaulich z.B. im Erfolg der Bücher und Kinofilme wie "Harry Potter" und der "Herr der Ringe".

All dies sind moderne Versionen der heldenhaften Suche und berühren den modernen Menschen immer noch tief. Genau dies zeigt uns, dass zu allen Zeiten der Mensch auf der Suche nach Transformation und der Überwindung der eigenen Ängste und einengender Konditionierung war.

Dies erkennen wir bei den sumerisch-babylonischen Sagen von Gilgamesch, den griechischen Mysterien von Persephone und Demeter oder von Orpheus und Eurydike, im christlichen Bereich in der Höllenfahrt Christ und in der mittelalterlichen Dichtung, die in Dantes "göttlicher Komödie" geschilderte visionäre Wanderung durch die Bereiche des Jenseits.

 

Diese Legenden und Mythen weisen alle darauf hin, dass die Reise in die eigene Unterwelt von Jesod und die damit verbundene Konfrontation mit den eigenen Kräften der Unterwelt ein fundamentaler Aspekt des persönlichen Individuationsprozesses ist.

 

Denn...

 

Wenn du dein eigenes Fundament nicht erkannt und erfahren hast, worauf willst du dann bauen?