|
Die Flexibilität des Lebensbaumes
Strebe
nicht,
oh du meine Seele, nach Unsterblichkeit,
aber
nütze das Feld des Möglichen.
Pindar
(5. Jh.v.u.Z.)
ir
haben uns bisher mit den einzelnen
   
Sephiroth des Lebensbaumes befasst.
Dabei haben wir die einzelnen Kräfte, welche unter den Wirkungsbereich einer
bestimmten
  
Sephirah fallen, generell kurz analysiert.
Im Grunde lässt sich alles auf die Aussage reduzieren, dass jede
Sephirah, der
   Kabbala zufolge, eine Emanation des kosmischen Bewusstseins sein soll. Bei den
Attributen einer
Sephirah handelt es sich grundsätzlich um die jeweilige Ausdrucksform der
Prinzipien einer
Sephirah in verschiedenen Zusammenhängen.
 |
|
Aus dem Buch T
|
Die
einzelnen Attribute der Sephirah können demnach nicht als endgültig
festgelegte Begriffe betrachtet werden. Die Zuordnung eines Attributes hängt
entscheidend von der Art ab, wie die Prinzipien des Lebensbaumes in Verbindung
mit verschiedenen Formen der Manifestation zur Auswirkung kommen.
Wenn
wir das gesamte Potential des Lebensbaumes voll ausschöpfen wollen, ist
geistige Flexibilität und Kreativität dafür unerlässlich.
Schon die
oberflächliche Betrachtung des jetziratischen Textes lässt erkennen, dass
zwischen einigen Sephiroth eine besondere Verbindung besteht. Eine tiefer
gehende Analyse zeigt deutlich, dass alle Sephiroth aufs Engste mit einander
verbunden sind. Der Lebensbaum ist nämlich eine Glyphe, die aus vielen
Einzelbeziehungen zusammengesetzt ist, welche ein Ganzes bilden.
Dieses Ganze kann einem Sonnensystem entsprechen, oder dem Menschen, oder auch
einer einzigen
Sephirah.
Andere,
dem Lebensbaum zugehörige Glyphen, wie der "Blitzstrahl", die
"Säulen der Manifestation", der "Caduceus", etc. werden auf
den Lebensbaum projiziert, um bestimmte Zusammenhänge aufzuhellen.
Der "Blitzstrahl" zeigt die Reihenfolge an, in der sich die
verschiedenen Sephiroth beginnend mit
 
Kether über   
Chokmah,   
Binah,
 
Daath, nach
 
Chesed,    
Geburah,     
Tiphareth,  
Netzach,  
Hod und   
Jesod bis zu
   
Malkuth manifestiert haben.
Im Ablauf dieser Reihenfolge kann man eine
Sephirah vom Standort der ihr nachfolgenden
Sephirah aus als positiv betrachten. Aus der Sicht der ihr vorangegangenen
Sephirah wäre sie dementsprechend als negativ zu bezeichnen. Die
Sephirah  
Hod ist beim Aufbau ihrer Formen z.B. auf die Kräfte von  
Netzach angewiesen.
Andererseits ist die
Sephirah  
Hod bei der Formgestaltung des "Schatzhauses der Bilder" in   
Jesod massgeblich beteiligt.
Die "Säulen der Manifestation" teilen die Sephiroth in drei Kategorien ein.
Auf der "aktiven Säule" liegen   
Chokmah,   Chesed und  
Netzach, auf der "passiven Säule"   
Binah,    
Geburah und die Sephira  
Hod und auf der "mittleren Säule des Gleichgewichts" liegen
 
Kether,
 
Daath,     
Tiphareth,   
Jesod und die Sephira
    Malkuth.
Im
Vorangegangenen wurde erwähnt, dass eine Sephirah in Verbindung zu ihrer Nachbar-Sephirah
sowohl negativ als auch positiv erscheinen kann. Ähnliche Prinzipien finden wir
in den wechselseitigen Beziehungen der Sephiroth, welche auf der
gleichen Säule liegen. So ist z.B. die
Sephirah   Chesed in ihrer Beziehung zu    Chokmah passiv und
in ihrer Beziehung zu  
Netzach aktiv. Desgleichen ist die
Sephirah    
Geburah passiv in ihrer Beziehung zu   
Binah
und aktiv in ihrer Beziehung zu  
Hod.
Alle Sephiroth der Mittelsäule werden
dem Element Luft zugeordnet, ausser
   
Malkuth, die unter dem Zeichen des Elementes "Erde" steht. Das Element Luft ist ein Symbol für das Bewusstsein. Das
Element Erde ist ein Symbol für die stärkste Verdichtung des Bewusstseins
(letzteres ist in
   
Malkuth impliziert). Die Sephiroth der Seitensäulen werden
gemäss ihrer aktiven oder passiven Eigenschaften den Elementen Feuer und Wasser
zugeordnet.
Die
Sephirah   
Chokmah wird z.B. dem Element Feuer zugeordnet und die
Sephirah   
Binah dem Element Wasser. Beachtlich ist hierbei, dass die Zuordnung der
Elemente Feuer und Wasser generell nicht analog der aktiven oder passiven Säule
vorgenommen werden kann. Zu den Sephiroth des Elementes Feuer
gehören   
Chokmah,    
Geburah und  
Netzach. Dies weist erneut auf die besondere Beziehung der sich diametral
gegenüberliegenden
Sephiroth hin.
Desgleichen sind die schöpferisch ordnenden Kräfte von Chesed Projektionen der Formidee
von   
Binah, welche durch   Chesed die niederen Formen von  
Hod beeinflusst. Die feurigen anregenden Eigenschaften von  
Netzach sind eine Projektion der Urkraft von   
Chokmah, welche die Vitalität und die diversen Kräfte von  
Netzach beeinflusst.
 |
|
Und ewig dreht sich das Rad
- "Das Glücksrad" -
Sir Edward Burne-Jones
|
Der
Caduceus-Stab verdeutlicht dieses Prinzip auf eine andere
Weise
An seinem oberen Ende befindet sich das Symbol der Fruchtbarkeit in
 
Kether, der Kiefernzapfen. Der spirituelle
Charakter von    Chokmah und    Binah wird durch die ausgebreiteten
Flügel symbolisiert. Durch die auseinanderstrebenden Körper der Schlangen wird
die Polarität der unteren Sephiroth besonders deutlich. Die Köpfe der
Schlangen vereinigen sich in
  Daath, ihre Schwanzspitzen in
der Sephirah
    Malkuth. In    Jesod und
     Tiphareth überschneiden sich ihre Körper.
Die dunkle Schlange windet sich von
  Netzach aufwärts nach     Geburah. Die helle und die dunkle Schlange weisen auf das
Prinzip Kraft und Form hin. Dies wird auch durch die Seiten-Sephiroth, welche von
den Schlangen durchquert werden, unterstrichen.
Die Sephiroth auf dem Lebensbaum können
in Dreier-, Vierer- und Siebenergruppen eingeteilt werden. Die
Dreiergruppe besteht aus dem "grossen Antlitz", dem "kleinen
Antlitz" und der "Braut".
Das "grosse Antlitz",
   
   Arik Anpin oder Macroprosopos
genannt, besteht im wesentlichen nur aus
  Kether, enthält jedoch auch    Chokmah und    Binah als die Aspekte des
"göttlichen Vaters" und der "göttlichen Mutter".
Diese drei Sephiroth werden auch
   
  
Aima Elohim genannt, die Mutter der Götter und entsprechen den drei
Mutterbuchstaben des hebräischen Alphabets.
Das
"kleine Antlitz",
   
  
Zauir Anpin oder Microprosopos genannt, hat sein "Zentrum" in
der Sephira     
Tiphareth, enthält aber auch die um     
Tiphareth liegenden Sephiroth.
 
Kallah,
die "Braut" des Microprosopos ist die noch restlich verbleibende Sephirah
   
Malkuth.
Übertragen
wir nun die soeben vorgenommene Aufteilung auf den Mikrokosmos, also auf den
Menschen, so entspricht der Macroprosopos dem göttlichen Geist, der
Microprosopos der Psyche und die Braut dem physischen Körper und seiner Umwelt. In
diesem System wird
   
   Zauir Anpin zuweilen als König
bezeichnet und
   
Malkuth als Königin.
Die
Vierergruppe richtet sich nach den 4-Welten:
     Atziluth,
   
Briah,
    Jetzirah und
   Assiah. Diese werden in der Regel auch "archetypische Welt",
"schöpferische Welt", "formgebende Welt" und
"materielle Welt" genannt.
Die
     Atziluth-Welt besteht aus
  Kether, die
   
Briah-Welt aus    Chokmah und    Binah, die
    Jetzirah-Welt
aus     
Tiphareth und den 6 sie umgebenden
Sephiroth und die
   Assiah-Welt aus
   
Malkuth.
Diese Aufteilung entspricht im Prinzip der Dreiergruppe, es wird lediglich in
den Bereichen von
 
Kether,   
Chokmah und   
Binah
eine weitere Aufteilung vorgenommen.
Das Siebenersystem wird das System der "sieben Paläste von
   Assiah" genannt.
Danach bilden die drei archetypischen Sephiroth ( 
Kether,   
Chokmah und   
Binah) einen Palast und    Jesod und
   
Malkuth zusammen einen, mit
Ausnahme von
  Daath bildet je eine der noch
verbleibenden Sephiroth einen Palast.
 |
|
Die Schlange der Weisheit
windet sich
des besseren Überblickes
wegen, mal
den Baum hoch... |
Ferner kann man
die Chakren des östlichen Systeme im Rahmen der Lebensbaumstudien analysieren.
Sie alle sind, so wird behauptet, Teil des Ätherkörpers. Man kann sie als
eine "Skizze" ansehen, die den Lebensbaum in    Jesod umreisst. Da die Chakren
angeblich mit
den Hormondrüsen in Verbindung stehen sollen, können sie aber auch
   
Malkuth zugeordnet werden.
Das Muladhara-Chakra (ein vierblättriger Lotus), welcher sich am
unteren Ende der Wirbelsäule
befindet, kann
   
Malkuth zugeordnet werden.
Das Svadhistana-Chakra, welches sieh an der Wurzel der Geschlechtsorgane befindet,
könnte mit    Jesod in Verbindung gebracht werden. Das Manipura-Chakra
(im Bereiche des Solar Plexus) könnte man der vereinigenden Kräfte von  
Netzach und
  Hod zuordnen und das Anahata-Chakra,
welches dem Herzen entspricht, wird der
Sephirah      Tiphareth zugeordnet.
Das Vishudda-Chakra des Kehlkopfes entspricht   Chesed und     Geburah und das Ajna-Chakra
zwischen den Augenbrauen sind den Sephiroth   
Binah und    Chokmah zugeordnet worden.
Das Sahasrara-Chakra (der
tausendblättrige Lotus) über dem Kopf entspricht offensichtlich  
Kether, der Krone.
Bei
all diesen Zuordnungen gibt es keine festen Regeln, denn entscheidend ist nur das
individuelle Verständnis der- und desjenigen, die/der diese Zuordnungen
vornimmt. Es handelt sich hier lediglich um Anregungen und sind natürlich völlig
unverbindlich.
Am Ende dieser kleinen Schrift, kann es nicht oft genug wiederholt werden, dass
der Lebensbaum ein lebendiges System ist und das Leben wird nur davon bestimmt
durch die Art, wie wir es gestalten.
Es liegt an uns,
unsere schöpferischen Kräfte dahingehend zu verwenden, um neue Zweige auf dem
Lebensbaum zu erforschen und wachsen zu lassen.
Und so ähnelt die spielerische Auseinandersetzung mit dem
Lebensbaumes im Grunde genommen einem Gesellschaftsspiel: Wenn
man fundierte Kenntnisse der Sephiroth und ihrer tieferen
Aspekte erlangt hat und mit ihnen umzugehen vermag, wie Jongleure und
Zirkusclowns mit ihren
bunten Bällen, dann beginnt man möglicherweise erst den Wert des Systems zu erkennen.
So kann es unter Umständen wahrlich zum Fundament werden, auf dem sich unser gesamtes magisches
Denken aufbauen lässt.

|