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Einleitung
Das stärkste Argument gegen Gott -
wäre der Beweis seiner Existenz.
M.S. Salomon
hg
kh
ie
Grundlage des westlich-hermetischen Weges ist die
  
Kabbala (mündliche Überlieferung). Diese Lehre fasst eine Fülle von
praktisch-theoretisch philosophischen und psychologischen Themen zusammen, die
nicht nur in den religiösen Schriften der Juden, sondern auch in der
alchemistischen, okkulten, freimaurerischen und rosenkreuzerischen Lehren ihren
Ausdruck findet. Man bezeichnet sie nicht umsonst als "die Mystik des Westens".
In
Anbetracht der vielen Theorien und Mythen, die sich im Nebel der Zeiten
verlieren und uns
zu erzählen
versuchen, wie die
Kabbala entstanden und
überliefert worden
sein soll, wird
an dieser Stelle meinerseits
schon mal wohlweislich
auf eine
grundlegende Beweisführung verzichtet, die kabbalistischen Lehr- und
Schulungsmethoden chronologisch aufzuzeichnen oder die Herkunft der Kabbala
sogar
zu
analysieren.
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Sag mir, wo die Pfade
sind, wo sind sie
geblieben? Sag mir, wo
die Pfade sind,
was ist geschehn?
Kabbalisten nahmen
sie geschwind! Wann wird
man je
verstehn, wann wird man
je verstehn? |
Nun, manche
meinen z.B.,
dass die Kabbala vom
Erzengel
   
Raziel (
Raz
"Geheimnis")
an
Adam und Eva bei deren Vertreibung aus dem
Paradies vermacht worden ist, damit
diese wieder ins Paradies zurück finden
mögen,
einige wiederum verkünden,
dass die Kabbala vom
ägyptisch-eingeweihten
Moses, an das jüdische Volk
überliefert worden ist, andere
behaupten einen noch viel
grösseren Okkultkokolores.
So
oder so, die Qualität einer Speise beweist sich noch lange nicht im Urteil ihrer
Vorkoster, so prominent diese auch sein mögen. Auch nützt es nichts, nur die
Herkunft der Zutaten darzulegen. Man muss die Speise schon selber essen
und aus diesem Grunde wünsche ich schon mal vorab einen guten Appetit.
Doch welche Einflüsse haben die Kabbala
wohl massgeblich geprägt und beeinflusst?
Leider wird bei einem genauerem Quellenstudium ziemlich schnell klar, dass bei
der Entstehung und der Zusammenstellung der Kabbala keine göttliche Inspiration massgeblich beteiligt
war.
So stammt aus der griechischen Philosophie z.B. der Gedanke, dass die Welt auf
Zahlen und Buchstaben aufgebaut ist. Im Timaios spricht Platon von den
mathematischen Verhältnissen, auf denen die Welt aufgebaut ist.
Die
neupythagoräischen Philosophen deuten die Zahlen und Buchstaben als göttliche,
von übernatürlichen Kräften erfüllten Wesenheiten.
Auch die kabbalistische Idee der
   
Sephiroth war bei den alten Juden unbekannt und stammen von den neuplatonischen
Intelligenzen her, die zwischen der himmlischen und der materiellen Welt
vermitteln.
Dass Dinge und Lebewesen als Ideen schon vor ihrer
materiellen Erschaffung bestehen, ist auch von Platon und Zoroaster angesprochen
worden.
Weitere Ähnlichkeiten zeigen sich ganz klar zwischen den Lehren der Kabbala einerseits und den gnostischen Lehren, den Anschauungen der alexandrischen Schule, der Philosophie des Philo und der Stoiker
andererseits.
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Die zu klein geratene
böse
Stiefmutter übergibt
dem drallen
Schneewittchen den
vergifteten
Apfel. |
Die
frühen Kabbalisten (tja, wo sind denn nur die frühen Kabbalistinnen zu finden?),
die sich diesen Einflüssen nicht entziehen wollten oder aber ihnen nicht
widerstehen konnten, sahen sich dem Problem gegenüber, wie sie das neue
Gedankengut verwerten konnten, ohne der heiligen Schrift, die ja von Gott
eingegeben worden ist und nicht verändert werden darf, Gewalt anzutun.
Nun, sie
fanden dafür die Lösung, dass sie in die alten Texte all dies hineinlasen, was
sie in ihnen zu finden wünschten und behaupteten, diese Gedanken seien von
Anfang an in der heiligen Schrift verborgen gewesen. Um dies zu beweisen,
griffen sie
zu allerlei Kunstgriffen, wie etwa zu dem, die Bedeutung von Buchstaben zu
ändern bzw. einen Buchstaben durch einen anderen zu ersetzen und auf diese Weise
neue Wörter in Übereinstimmung mit der kabbalistischen Lehre zu bilden.
Von
diesem Punkt an war es nur noch ein kleiner Schritt, von bibliomantischen
(Wahrsagen aus Textstellen) Spielereien, zu magischen Operationen und dem
Glauben, mit der Macht des gesprochenen Wortes wunderbare Wirkungen zu
vollbringen.
Phantastische Berichte über jüdische Adepten, die Wunder mit der Kabbala
vollbrachten, festigten den Glauben an die Macht der Buchstaben und des Wortes.
So hat
Elisas
von Chelm, ein Meister des 16. Jahrhunderts, mit Hilfe des
   
 
Sepher Jetzirah einen künstlichen Menschen
namens Golem (wörtlich: formloser Stoff), geschaffen, der zu Leben kam, als Elias den geheimen Namen Gottes auf die Stirn des
groben Lehnklotzes schrieb.
Eine ähnliche Meisterleistung wurde später dem
Wunderrabbi Judah Löw ben Besalel von Prag zugeschrieben, der aus Angst
vor dem immer grösser werdenden Ungetüm einen Teil des geheimen Wortes  
Ameth "Bestand, Wahrheit" von der Stirn entfernte (Er löschte den
ersten Buchstaben
Aleph, der die Luft und den Lebensatem symbolisiert, von seiner Stirn.
Die
verbleibenden Buchstaben bildeten das Wort 
Moth "Tot, Leichnam"), woraufhin der Golem wieder zu einer leblosen,
stumpfen Masse wurde.
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Hula-Hoop-Reifenwerbung
im Sport- und
Spasskatalog "The
Secret Teaching of All Ages"
von Manly P. Hall aus
dem Jahr 1925 |
Auch wenn diese kabbalistischen Kunststückchen
heutzutage ein wenig märchenhaft anmuten, so stellt doch die moderne Form der
Kabbala mit ihrem Grunddiagramm, dem Lebensbaum, ein in sich
mehr oder weniger schlüssiges theoretisch-theosophisches System dar und hat in der heutigen Form bestimmt nichts
mehr mit den mittelalterlichen Pseudo-Wissenschaften und vergilbt-fleckigen Grimoires (Zauberbüchern) gemeinsam, die in unkundiger Weise schon mal
die Lehren der Kabbala verwertet haben.
Die
Kabbala war und ist in erster Linie ein System des jüdischen Geheimwissens.
In ihrem systematischen Aufbau, kann und soll sie aber auch als Schlüssel zum
vergleichenden Studium anderer Religionen dienen, wenn sie mit einem
kreativen Herzen und einem offenen Geist an die heutige Zeit angepasst wird. So
kann man aus der Kenntnis mythologischer Überlieferungen und mit Hilfe des
Lebensbaumes nachvollziehen, was womöglich die Griechen unter Pallas Athene, Zeus, Demeter
und all den anderen olympischen Göttern verstanden, was sich die Ägypter unter
Isis, Ra, Osiris, Seth und die Kelten sich unter Ceridwen und Herne
vorstellten.
Während des Studiums der
Kabbala empfehle ich wärmstens,
sich mit den verschiedensten Mythen der Menschheit auseinanderzusetzen.
Die meisten Mythen
vereinigen in sich eine Vielzahl von Bedeutungen, natürliche und künstliche,
moralische und ethische, philosophische und metaphysische, religiöse und
theologische, mystische und okkulte. Sie können zum Menschen oder zum Universum
oder zu beiden in Beziehung gesetzt werden.
Durch eine uns simpel
anmutende Geschichte können wir zum Verständnis der unendlichen Wahrheit kommen
und sie in allen Bereichen unseres Bewusstseins lebendig machen. Das gleiche
trifft auf das zusammengesetzte umfassende Symbol des Lebensbaumes zu, der das
Fundament der Kabbala ist.
Er ist nicht nur ein in sich geschlossenes Symbol,
sondern in seinem Licht können auch andere Symbolsysteme gedeutet worden. Er
verbindet miteinander Mythologien, Religionen und okkulte
Symbolsysteme wie z.B. die Astrologie, die Alchemie und den Tarot.
Somit kann die Kabbala
möglicherweise wahrhaftig der
Grundstein der "westlichen Mysterientradition" sein.

Eine
klitze-kleine Bemerkung am Rande.
Manche/r orthodoxe Kabbalist/in wird nach dem Studium dieser Seiten
möglicherweise mit Befremden mahnen, dass der Autor dieser Schrift über gar keine Befugnis
verfügt, die
Kabbala öffentlich darzulegen, da der klassisch-jüdischen Tradition gemäss,
nur derjenige sich mit der Kabbala
auseinandersetzen darf, der eine Familie sein eigen nennt, über vierzig Jahre
alt ist und profunde Kenntnisse des alten Testaments besitzt.
Und bei Sandalphon
und dem geheiligten Shemhamephorasch, sie haben recht!
Keine der oben genannten
Voraussetzungen erfülle ich auch nur im Geringsten, was mir die geneigte
Leserschaft bitte mit gnädigem Herzen nachsehen möchte.
So oder so,
ich für meinen Teil habe versucht, die Kabbala ein wenig zu modernisieren. Ob mir das
gelungen ist, muss der geneigte Leser und die geneigte Leserin am Ende dieses
Werkes selbst beurteilen. Jedenfalls trage ich allein zähneknirschend die
Verantwortung für alle kleineren und grösseren Mängel in dieser kleinen
Schrift.
Bist du mit der hier besprochenen Version der Kabbala nicht einverstanden?
Prächtig, prächtig...
Sei offen, weit und tief wie der Gral, wenn du dich dem grossen Abenteuer der
Kabbala zuwendest, dann wirst du erkennen, dass es im Leben einer echten
Magierin und eines echten Magiers sowieso nur eine "einzig wahre"
Kabbala gibt:
Deine
Eigene!


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