Alternativmedizin - kritisch betrachtet im Spiegel der Wissenschaft

 

von Krista Federspiel

 

 

Der Begriff "Alternativmedizin" ist zwar gängig, doch eigentlich falsch: Patienten wünschen sich wirksame Medizin, eine Alternative dazu kann es nicht geben. Deshalb sprechen wir hier von unkonventioneller Medizin, wenn sie sich auch mit unzähligen Eigenschaften schmückt:
Es heisst, sie sei sanft, natürlich, biologisch, ganzheitlich, individuell, komplementär...
 

 

Was ist unkonventionelle Medizin?


Die wissenschaftliche Medizin bezeichnet jene Verfahren als unkonventionell, die nach Überprüfung
- nicht,
- oder nicht mehr anerkannt werden,
- oder die noch nicht anerkannt werden, weil sie noch nicht ausreichend überprüft worden sind.


Ein Beispiel sei genannt: die Neuraltherapie nach Hunecke. Sie beruht auf einem Kunstfehler, und doch wurde ein Teil dieser Therapie in die gängige Medizin aufgenommen. Der Arzt Hunecke spritzte 1925 seiner an Migräne leidenden Schwester versehentlich ein Rheumamittel in die Vene statt in den Muskel und überraschend verschwanden in Sekundenschnelle die Kopfschmerzen.
Hunecke nannte diese Wirkung "Sekundenphänomen", führte sie auf das der Spritze beigemischte Procain zurück, und glaubte hinfort an "Fernwirkungen" von "Störfeldern" und Schmerzmitteln. Die spektakuläre Lehre hat sich nicht bewahrheitet, doch jene Stichtechniken der Segmenttherapie, die erfolgreich der Schmerzlinderung dienen, gingen in die Medizin ein.

 


Warum sollte man medizinische Angebote überprüfen?


Ein Experiment mag dies veranschaulichen.

Wenn jemand behauptet, in seinem Garten sei eine Ziege, so wäre das durchaus im Bereich des Möglichen. Man würde sich höchstens ein wenig wundern. Behauptet er jedoch, in seiner Garage hause ein stinkender, feuerspeiender Drache, wird man wohl zweifeln und verlangen, ihn zu sehen.

Lautet die Antwort, das sei leider nicht möglich, der Drache sei unsichtbar, dann kommt möglicherweise jemand auf die Idee, Mehl aufzustreuen, so dass man seine Fussstapfen sehen könne. Leider sei auch das unmöglich, lautet die Antwort, denn der Drache schwebe. Nun schlägt jemand vor, ein Netz über den Drachen zu werfen, so dass sich seine Zacken abbilden könnten und seine Gestalt sichtbar würde. Doch dann heisst es, der Drache sei körperlos. Ein anderer Skeptiker wird vielleicht einwenden, das Feuer müsse man doch sehen und spüren, dann pariert der Drachenhalter mit dem Argument, dass das Feuer kalt sei. Daraufhin wird vielleicht ein anderer meinen, wenigstens durch den Gestank könne man das Biest erkennen und der Drachenhalter wird sagen, im allgemeinen könne man den Gestank nicht riechen, der sei von sehr "feinstofflicher Natur", man könne ihn deshalb nicht messen, und nur besonders Begabte könnten ihn wahrnehmen... Und so weiter.


Was unterscheidet diesen unsichtbaren Drachen von einem, der gar nicht existiert?


Wissenschaft ist offen für jede skurrile Idee, aber rückhaltlos skeptisch. Sie fordert: Wer eine Behauptung aufstellt, muss sie auch belegen. Sind diese Belege überzeugend, dann nimmt sie diese neue Tatsache zur Kenntnis.
Anbieter besonderer Heilverfahren kleiden ihre Ideen in spezielle Konzepte vom Gesund- und Kranksein, und sie berichten von verblüffenden Heilerfolgen. Diese Behauptungen sollten auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Je skurriler die Idee, je weiter sie von den gängigen Erkenntnissen der Medizin, Physik, Chemie und Biologie abweicht, je weniger sie mit den Naturgesetzen übereinstimmt, desto überzeugender sollte sie nachgewiesen werden. Das kann man mit den heutigen Methoden der Wissenschaft tun. Auch die Heilerfolge lassen sich mit in der Medizin üblichen, standardisierten Methoden nachweisen oder widerlegen.


Die Geschichte der Medizin ist voll von Irrtümern, und in der Praxis werden aus Tradition manch unwirksame Verfahren angewendet. Doch wenn die Medizin ein wirksames Mittel, eine noch effizientere Behandlungsmethode gefunden hat, werden alte, überholte Verfahren verlassen. Dank der wissenschaftlichen Forschung werden laufend neue Möglichkeiten erschlossen. Und je mehr an Qualitätssicherung durchgeführt wird, desto mehr Überholtes verschwindet aus der medizinischen Praxis.

Ausnahme ist die Szene der Alternativmedizin:
Hier werden Verfahren oft unverändert über Jahrzehnte angewendet. Als Beispiel sei die nahezu zweihundert Jahre alte Homöopathie genannt, bei der als "echt" nur gilt, was ihr Erfinder propagiert hat. Oder die "Elektroakupunktur nach Voll", die trotz Widerlegung vor 25 Jahren bis heute genauso wie zur Zeit ihrer Erfindung zur Diagnostik und Therapie angewendet wird.

 


Placebo


Was bedeutet, eine medizinische Methode wissenschaftlich zu überprüfen?


Jede Behandlung hat, zusätzlich zu wirksamen Stoffen oder Methoden, Wirkungen. In der Medizin werden sie "Placebo" genannt, wörtlich übersetzt: "Ich werde gefallen", oder auch "Scheinmittel": So kann man Pillen aus Zucker verabreichen, und doch spüren Versuchspersonen daraufhin positive Wirkungen (Placebo) oder unangenehme Nebenwirkungen (Nocebo. Man kann auch "Scheinmethoden" anwenden. Das Placebo ist sehr mächtig, viel stärker als allgemein vermutet. Es beruht auf der "therapeutischen Inszenierung". Scheinmittel wirken besonders gut, wenn beide, Patient und Heiler, an das Konzept und sein Heilsversprechen glauben. Stress oder hoher sozialer Rang des Behandlers erhöhen die Wirkung des Placebo und können beachtliche Erfolge erzielen.

Bei manchen Krankheiten, wie etwa Migräne, können bis zu 80 Prozent der Symptome durch Placebos vorübergehend gelindert werden. Im Durchschnitt sind etwa 30 Prozent der Beschwerden Placebos zu gängig, und ein guter Arzt wird die Chance nutzen, durch eine geschickte Gestaltung der Behandlungssituation, Zuwendung und Betonung realistischer Hoffnung die Wirksamkeit seiner Therapie zu erhöhen.
Die anekdotische Erzählung von "Erfolgen" sagt demnach nichts darüber aus, ob ein Mittel/eine Methode tatsächlich wirksam ist. Um Scheinwirkungen auszuschliessen, muss man bei der Überprüfung einer Methode deshalb alle Faktoren, die bei einer Studie eine Wirkung haben könnten, ausschalten. Nur so lässt sich die spezifische Wirksamkeit einer Behandlungsmethode erkennen. Bei Heilsuchenden gilt es zum Beispiel, Erwartung, Zuversicht und Hoffnung auf Versprochenes zu berücksichtigen, bei den Anwendern wirken die Autorität, Zuwendung, Empathie. Auch die Selbsttäuschung muss ausgeschaltet werden: Wer von seinem Tun überzeugt ist, kann sich erheblich darin irren, positive Ergebnisse und Erfolge zu erkennen.


Aber auch Motive wie Geltungssucht, Macht- oder Gewinnstreben bewegen manche Ärzte, medizinische Hilfskräfte oder Laien dazu, Unkonventionelles zu forcieren. Zur Überprüfung von Medizinmethoden dienen klinische Studien. Für diese gibt es international anerkannte Standards, die Doppelblindstudie, um Irrtümer auszuschliessen: Eine Gruppe von Patienten wird mit dem zu untersuchenden Mittel behandelt, die Kontrollgruppe mit einem Scheinmittel oder einer Scheintherapie. Die Studienanordnung, Messungen und Interpretation der Ergebnisse wird von verschiedenen Forschern vorgenommen und niemand weiss, wer welcher Patientengruppe angehört ("doppelblind"). Seit einigen Jahren werden sehr viele Studien, unterschiedlicher Qualität, zu den so genannten Alternativverfahren durchgeführt, und sie werden laufend in Fachzeitschriften veröffentlicht.
 


Was macht die "Alternativmedizin" so attraktiv?


Laut Eigenwerbung ist Alternativmedizin natürlich, bio und sanft, das suggeriert "frei von Gift" und dieses Versprechen spricht Umweltbewusste an, die mit der Umwelt eins sein wollen. Alternativmedizin bietet, anscheinend, Linderung frei von Nebenwirkungen. Sie ist individuell, persönlich. Nicht klar ist den Patienten, dass die Anbieter bei jedem Kunden das gleiche Verfahren anwenden: eben das, das sie beherrschen. Ein Mediziner lernt in vielen Jahren Theorie und Praxis, wie Krankheiten jeweils richtig behandelt werden sollen. Alternativanbieter wählen dagegen aus den verschiedenen Techniken eine oder mehrere nach Gefallen aus, die sie erlernen und dann, bei jedem Patienten und bei jeder Krankheit, anwenden.

 

Oft soll die angebotene Methode gegen alles und jedes wirken, eine Panazee! Obwohl man im allgemeinen weiss, dass die Krankheiten unterschiedliche Ursachen haben, und normalerweise gezielt mit speziellen Mitteln und Methoden behandelt werden müssen, wirkt eine Paneazee für Leidende überzeugend. Die Erklärung jeder Alternativmethode vom Krank- und Gesundwerden ist sehr einfach, viel einfacher als die komplizierten Auskünfte von Arzt oder Apotheker, die man kaum verstehen kann, das klingt plausibel und erscheint glaubwürdig. Die Werbung für Alternatives läuft in der Yellow-Press, in Talk-Shows treten Prominente auf, die von unglaublicher Heilung berichten, und Heiler, die extrem hohe Erfolgsraten behaupten. Wer wollte Prominenten nicht glauben? Wenigen Menschen ist klar, dass manche dieser Berühmtheiten ihre Namen teuer verkaufen, und dass Prominente Menschen sind wie andere auch: auch sie fürchten bedrohliche Krankheiten und sie wollen gerne ihre Ängste in gutem Glauben betäuben.

Es wird behauptet, die Methode sei ganz alt, das suggeriert Bewährtes, oder ganz neu: Das suggeriert Aktualität. Ist die Methode exotisch fremd, dann zieht sie unsere Neugier an, sie erscheint uns als attraktiv, sensationell und exklusiv. Wirkt das Angebot "ganzheitlich", spricht das den versteckten, uneingestandenen Wunsch nach Lösung innerer und äusserer Konflikte an.

Auch Schlagwörter wie "Balance" und "Harmonie" sind sehr beliebt. Zum Beispiel Harmonie von "Schwingungen" und "Aufhebung von Blockaden". Es wird Heil versprochen, das ist weit mehr als Gesundheit, es hat eine spirituelle Dimension, welche die etablierte Medizin nicht bieten kann. Leidende hoffen, in der Krankheit Sinn zu finden. Wundermittel und Geistheiler liegen wieder im Trend: Das Unmögliche soll ermöglicht werden, und die Entfremdung aufgehoben: man will eins sein mit dem All.

 

 

Wer wählt Alternativmedizin?

 

Laut internationalen Studien interessieren sich ganz bestimmte Gruppen für alternativmedizinische Angebote:

Es sind eher die gebildeten Schichten.

1. Patienten, die gegenüber der sachlichen, aber entfremdeten Medizin kritisch eingestellt sind.

2. Chronisch Kranke und lebensbedrohlich Erkrankte. Sie greifen nach Alternativmedizin als "letzten Strohhalm". Kein Zufall, dass es spezielle Angebote gibt für Rheumatiker, Asthmatiker, MS-, Aids- und Krebskranke sowie Kinder, die an Neurodermitis leiden.

3. Nicht ganz drei Prozent vertrauen ausschliesslich auf "Natürliches" und wählen, was als "Naturheilverfahren" gilt. Unter diesem Etikett werben auch zahlreiche Verfahren, die mit Naturheilmethoden nichts zu tun haben.

4. In der Mehrheit ist es der Wunsch, zusätzlich etwas "Besonderes" zu erhalten (Luxus), und selbst nach Gefallen aus dem Angebot auszuwählen (Glaubensmedizin).


Bemerkenswert ist jedoch, dass auch diese Menschen zur Behandlung ernsthafter Krankheiten, ob Beinbruch oder Herzinfarkt, Lungenentzündung oder Nierenstein, Hilfe im Krankenhaus oder beim gewohnten Arzt suchen. Alternatives probieren sie zusätzlich. Bei Unpässlichkeit oder zu grösserem Wohlbefinden muss es etwas Besonderes sein. Man gönnt sich ja sonst nichts.

 

 

Was charakterisiert Alternativangebote?

 

Die Konzepte über Gesund- und Kranksein sind höchst unterschiedlich, sie widersprechen einander und schliessen einander aus. Die Folge: In verschiedenen "Standard-Lehrbüchern" stehen unterschiedliche und widersprüchliche Angaben darüber, was bei welchen Beschwerden helfen soll, welche Kontraindikationen bestehen usw. Meist sind jedoch weder Wirksamkeit noch Nebenwirkungen durch eine Dokumentation belegt, Gefahren sind deshalb unbekannt.
Das bedeutet: In diesen Fällen werden Kunden zu Versuchskaninchen und gehen unbekannte Risiken ein. Alternative Diagnostika sind nicht standardisiert. Sie alle können keine Aussage über eine Krankheit machen. Unter Umständen werden Gesunde für krank, Kranke für gesund erklärt. Eine Falschdiagnose kann aber ungeheure Ängste auslösen, wenn etwa beginnender Krebs attestiert wird, oder gar AIDS. Eine solche Falschdiagnose hat sogar das Gericht beschäftigt, weil sie bei der Betroffenen einen seelischen Zusammenbruch ausgelöst hat. Es besteht die Gefahr von Falschbehandlungen, und das Risiko, dass notwendige Behandlungen verschleppt werden.

 

 

Welche Modelle von Heilung werden alternativ angeboten?

 

An einigen Beispielen sollen die Widersprüche der Konzepte aufgezeigt werden: Ein beliebtes Konzept bei Naturheilverfahren ist "Pars pro Toto": Der Teil steht für das Ganze. Dazu gehören etwa Fussreflexzonen, Iris-, Zungen, Hand- und Fingernageldiagnostik, Ohrakupunktur und andere.

 

 

Fussreflexzonen

 

Von dem amerikanischen HNO-Arzt William H. Fitzgerald wurde 1913 die erste Fusslandkarte entworfen, auf der jene Organe zu sehen sind, die angeblich von der Fusssohle aus behandelt werden können. Dazu teilte er den Körper willkürlich in zweimal fünf Längszonen ein, die von den Fingerspitzen zu den Zehen verlaufen und behauptete, dass man von jeder Stelle einer Zone aus alle Organe erreichen könne, die in der Zone liegen. Die Masseurin Eunice Ingham hat in den 30-er Jahren das Konzept ausgebaut. Ihr zufolge ist ein Druckschmerz beim Massieren einer bestimmten Stelle der Fusssohle ein Zeichen, dass das "dazugehörige Organ" krank ist, es soll durch Massieren gesund gemacht werden. Eine Erklärung, um welche Krankheit es sich denn genau handelt, wird nicht gegeben. Heute werden "Reflexzonenmassagen" auch am Kopf, an den Händen, am Schienbein und am Ohr angeboten. Da jede Massage an den Fusssohlen entspannend wirkt und das Massieren der Ferse wegen der bestehenden Nervenverbindungen sogar Funktionen im Unterbauch (wie Darmperistaltik oder Regelschmerzen) beeinflussen kann, scheint die Fusssohlenreflextherapie vielen Kunden plausibel und sie ist daher beliebt und weit verbreitet. Vergleicht man aber die weit über zwanzig Bücher zu dieser Therapie, stellt man fest, dass die verschiedenen "Landkarten" nicht übereinstimmen.

 

 

Irisdiagnostik

 

Nachdem erstmals 1670 eine Diagnose aus den Augen beschrieben wurde, hat der ungarische Arzt Ignaz v. Pezey die heute gängige Irisdiagnose im Jahr 1881 neu erfunden: Eine Eule hatte sich das Bein gebrochen und Pezey stellte fest, dass sich ihre Iris verändert hatte, auf dieses Erlebnis ist seine Theorie aufgebaut, dass sich krankhafte Organveränderungen darin zeigen. Seither sind immer neue Iriskarten, so genannte Iriszirkel, produziert worden, insgesamt etwa 30, die die Iris ähnlich einem Uhrenziffernblatt in Abschnitte geteilt zeigen. Diesen Abschnitten werden Organe und Krankheiten zugeordnet und zwar seitengerecht: Die rechte Körperhälfte auf der rechten Regenbogenhaut, die linke auf der linken, was biologisch unsinnig ist, weil es keine entsprechenden Nervenverbindungen und keine Organrepräsentanz auf der Iris gibt. Ein Vergleich ergab überdies, dass diese Stellen oft nicht überein stimmen. Das Konzept ist grundlegend falsch, und bei Tests erreichten berühmte Irisdiagnostiker Trefferquoten nicht besser als beim Würfelspiel.

Trotzdem glauben nach wie vor viele Heilpraktiker an diese Diagnostik. Tatsache ist: Es gibt keine Strukturen im Organismus, die die Iris, die Fusssohlen, die Ohrmuschel, die Zunge, die Hand, die Fingernägel mit allen Organen verbinden. Daher ist bei diesen Verfahren eine Falschdiagnose wahrscheinlich, und eine darauf aufbauende Therapie nicht sinnvoll. Trotzdem werden sie weiterhin in Heilpraktikerschulen gelehrt und auch von vielen Laien, die sie aus Büchern erlernen, angewendet.

 

 

Homöopathie

 

Auf zwei Prinzipien beruht das Verfahren, das von dem Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843), vor 180 Jahren als Reaktion auf die damals gängige Medizin entwickelt wurde, die mit Aderlass, Drastika und Giftmixturen häufig lebensgefährlich war.

 

1. Auf der Ähnlichkeitsregel:

Sie besagt, dass ein Gift in kleiner Dosis zur Therapie derselben Beschwerden eingesetzt werden kann, die dasselbe Gift in grosser Dosis auslöst. Behandelt werden also nicht die Ursachen einer Erkrankung, sondern die Symptome, das Beschwerde- oder Arzneimittelbild. Daher wird auch nicht, wie behauptet, "ganzheitlich therapiert". Weil aber Patienten beim Erstbesuch ausführlich befragt werden, sogar nach ihrer Lieblingsfarbe oder dem bevorzugten Geschmack, fühlen sie sich "für ganz genommen".

 

2.) Homöopathie beruht auch auf der Vorstellung vom Verstärken der Mittel durch Verdünnen:

Je höher die Stoffe verdünnt sind, desto wirksamer sollen sie sein, deshalb werden sie auch Hochpotenzen genannt.
 

Hier einige Beispiele, was das Verdünnen tatsächlich bedeutet:
Lösung D3 1 Gramm Salz, gelöst in 1 Liter Wasser

D4 1 Gramm Salz, gelöst in 1 Eimer Wasser

D20 1 Gramm Salz, gelöst im Atlantik

D23 kein einziges Molekül Salz mehr in der Lösung

D27 1 Gramm Salz, verdünnt in der Menge der ganzen Erdmasse

gebräuchlichste Verdünnung: C30 = 1:10hoch60 1 Salzkorn in zehntausend Milliarden Kugeln, jede so gross wie das ganze Sonnensystem.

 

Als Kritiker eingewendet haben, dass ab Verdünnung D23 kein einziges Molekül des Ausgangsstoffes, nachweislich aber viele Moleküle der Verunreinigungen in der Verdünnung seien, wurde das Konzept geändert: Nun heisst es, beim Verschütteln wird "Information" an das Lösungswasser übertragen. Unklar ist, wie es das Wasser wissen kann, dass es nur die Information der Urtinktur übernehmen soll, und nicht die der Verunreinigungen, die in jeder Lösungsstufe mit dem Lösungsmittel, trotz grösster Sauberkeit ist das nicht vermeidbar, in die Lösung geraten.

Es gab einige Experimente, um das behauptete "Wassergedächtnis" nachzuweisen, bekannt geworden sind Benvenistes Experimente in seinem Pariser Labor im Jahr 1988: Hätten die Ergebnisse gehalten, wären sie eine wissenschaftliche Sensation gewesen. Doch bis heute ist es nicht gelungen, diese in seriösen Studien zu bestätigen. Versuche wurden in Deutschland, England und den USA durchgeführt, vergebens. Deshalb gilt das Konzept wissenschaftlich als widerlegt, trotzdem berufen sich Homöopathen nach wie vor darauf.

Laut Hahnemann beruht die gesamte Lehre der Homöopathie und der "Arzneimittelbilder" auf seinem Selbstversuch mit der Chininrinde. An dem pharmazeutischen Institut Giessen machte Prof. Habermann (die Namensähnlichkeit ist Zufall) 1995 den Versuch, gemeinsam mit einem Mitarbeiter den geschilderten Ablauf nachzumachen. Er misslang, und so steht auch bis heute der Nachweis für den Grundstein des Verfahrens aus.

 

Homöopathische Mittel sind relativ billig. Doch sie garantieren gute Geschäfte. Ganz gegen den individuellen Anspruch der klassischen Homöopathie, jedem Patienten das zu seinem Krankheitsbild speziell passende, individuelle Mittel zu verabreichen, werden heute Homöopathika wie Allopathika (das ist übliche Medizin) "gegen Krankheiten" verordnet und verkauft.

Das meistverwendete Homöopathicum in den USA ist zum Beispiel das OCCILOCOCCINUM C200. Dieses Mittel wird auch "die 20-Millionen-Ente" genannt. Der Jahresumsatz für das Produkt beträgt 20 Millionen Dollar. Das Mittel wird aus Entenleber erzeugt, doch für den gesamten Umsatz wird nur die Leber einer einzigen Ente gebraucht und von dieser bleibt einiges übrig: Die Potenzierung von C200 bedeutet, dass das Verhältnis von Leber zur Lösung 1 zu 10 mit 400 Nullen beträgt. Eine Bezeichnung für diese astronomische Zahl gibt es nicht, ausgeschrieben sieht sie so aus:1: 10, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000, 000.

 

In unzähligen klinischen Studien wurde die Wirksamkeit der Homöopathie bei verschiedenen Beschwerden untersucht: Nach wissenschaftlichen Standards ist ihre Wirksamkeit bis heute bei keinem Krankheitsbild nachgewiesen. Sie hilft , im Ausmass von Scheinbehandlungen. Wissenschaftler ziehen den Schluss, Homöopathie sei ein wirksames Placebo. Das lehnen Homöopathen jedoch ab. Die verschiedenen Vereinigungen sind dogmatisch, lassen Kritik nicht zu, sie immunisieren sich, ähnlich wie Sektengruppen, dagegen und behaupten, nach wissenschaftlichen Kriterien könne man Homöopathie nicht beurteilen. Andererseits berufen sie sich auf Studien, die ihre Erfolge angeblich nachweisen. Orthodoxe Vertreter dieser Kunst behandeln mit Homöopathika sogar lebensgefährliche Krankheiten wie Lungenentzündung und sie sprechen sich gegen den Impfschutz aus.

Einige Todesfälle, etwa durch Malaria, sind dokumentiert. Wer weiss übrigens schon, dass in Homöopathika und auch in anthroposophischen Medikamenten Schwermetalle und krebserregende Substanzen enthalten sind? Und dass man bei bestimmten Verordnungen als gefährlich eingestufte Mengen davon einnimmt?

 

Erlernen kann man Homöopathie bei ärztlicher Fortbildung, die von Ärztevereinigungen getragen werden, sowie in Heilpraktikerschulen.
Die Herstellung der Mittel ist reglementiert. Ausgewiesene Homöopathen schlagen häufig in ihrem Handbuch nach, wenn sie nicht wissen, welches Mittel sie einsetzen sollen.
Folgende Rezepte stehen, unter vielen anderen, heute noch in Lehrbüchern:

 

Mittel anzuwenden bei: Pulsatilla D6 - Ischias und Eifersucht bei Mädchen u.a.

Ambra D3 - Keuchhusten und Ehesorgen u.a.

Brechnuss - Verdauungsbeschwerden, Streitsucht, Hämorrhoiden, verklebte Augenlieder, Erkältung, Darmverschluss, Nierenkolik, Impotenz u.a.

Luesinum (wird aus syphillitischen Geschwüren gewonnen und potenziert) - degenerativen Prozessen im Gehirn, Alkoholismus, moralisches Abgleiten, mangelnde Logik bei Kindern u.a.

Kochsalz bei mehreren tausend Beschwerdebildern - vom Ausbleiben der Regel bis Transvestismus

 

Fazit:

Homöopathie ist eine Irrtumsmedizin, eine Glaubens- und Heilslehre.

 

 

Bach-Blütentherapie

 

Diese ist ebenfalls die Erfindung eines einzelnen Arztes, Edward Bach (1886-1938), der in früheren Jahren Homöopath war. Bach hat ein Institut in England gegründet, heute gibt es sie in vielen Ländern und darüber hinaus viele Epigonen. Behauptet wird, Krankheiten seien eigentlich Charakterschwächen und sie beruhten auf 38 Gemütszuständen. So wird, wer sich etwa weigert, die Wahrheit zu erkennen, kurzsichtig oder er entwickelt Sehstörungen.

Die Gegenmittel wurden von Bach aus 38 Blüten und Pflanzenteilen hergestellt. Zufällig aus jenen Pflanzen, die in der Region rund um den Wohnort Bachs wachsen. Sie sollen helfen, die "blockierten seelischen Energiepotenziale" zu befreien. Die Mittel werden heute wie damals rituell erzeugt: Um neun Uhr morgens und nur bei Sonnenschein werden die Pflanzenteile gepflückt und dann in zwei Schritten verdünnt, mikroskopisch lassen sich in den "Blütenmitteln" keine Wirkstoffe mehr nachweisen.

 

Es gibt keinen plausiblen Grund, warum ausgerechnet 38 Gemütszustände krank machen und ausgerechnet die angegebenen Pflanzen dagegen wirken sollen. Und es gibt keine seriösen Studien und Belege, dass die behaupteten Wirkungen tatsächlich eintreten würden.

 

Was aber macht den Reiz der Methode aus?

Es heisst: Die Blütenmittel mit ihren Schwingungen stärkten "das Höhere Selbst" und in ihrer Gegenwart "schmilzt Krankheit hinweg wie Schnee in der Sonne". Ein sympathisches Placebo!


Beispiele für die Anwendung von Bach-Blütenmitteln

 

Mittel anzuwenden bei:

 

Rotbuchenessenz - Arroganz

Stechpalme - Eifersucht, Neid

Geissblatt - Pessimismus

Sonnenröschen - Angst

Kirschpflaume - Bettnässen

Kastanie - mangelnder Einsicht in eigene Fehler

Rescue Remedy = Erste-Hilfe-Tropfen aus 5 Pflanzen - Schock, Unfall, Herzinfarkt, Schlaganfall, Kollaps, Verletzungen, Selbstmordgefahr.

 

Wie "sanft" diese Medizin ist, lässt sich in einem der unzähligen Bach-Blüten-Bücher (Ute York: "Bach-Blüten - Therapie für Körper und Seele") nachlesen: "Die Wirkung von Bach-Blüten Essenzen ist oft so subtil, dass es den Patienten gar nicht auffällt, wie viel besser sie sich fühlen."

Erlernen kann man diese Medizin bei Kursen und aus Laienbüchern. Eine Diagnosestellung ist laut Bach nicht nötig, es reiche die "Intuition", um den Zustand des Patienten richtig einzuschätzen.
Die Qualität der Arbeit wird nicht überprüft. Das bringt eine gewisse Gefahr mit sich, wenn eine bestehende Krankheit nicht erkannt oder falsch eingeschätzt wird. Ein Todesfall bei einer Laienheilerin, die eine Asthmaattacke mit den Notfallstropfen behandelt hatte, ist dokumentiert: Sie hatte die angebliche Heilkraft der Rescue- Tropfen allzu wörtlich genommen.

 

Man kann Bachblüten jedoch durchaus selbst anwenden, und sich anschliessend wohler fühlen als davor: Es ist eine Suggestivmethode, und die Mittel wirken nicht durch ihre Stoffe und auch nicht durch
"den Geist der Pflanze", sondern als Symbole für den eigenen Wunsch.

 

 

Traditionelle Chinesische Medizin TCM

 

Diese exotische, auf magischen Vorstellungen beruhende Medizin ist durch intensive Reklame inzwischen weithin bekannt. Wenige wissen aber, dass die Ideen darüber, wie Krankheiten entstehen, im alten China nicht einheitlich waren. Die Lehren sind nicht von den praktizierenden Ärzten, sondern von Philosophen festgehalten worden und enthalten vorwissenschaftliche Erklärungsversuche über das Funktionieren des Körpers.

Experten meinen, die Theorien wären nicht wirklich miteinander und mit der westlichen Medizin kompatibel. Die Chinesiche Medizin beruht u.a. auf der Vorstellung, dass das "Qi", eine dynamische universelle Kraft, die im Kosmos wirkt, auch den Körper durchfliesse. Durch Medizin oder Nadeln könne der Fluss reguliert werden.

 

Behandelt wird nach traditioneller Anwendung von Kräutergemischen. Es werden durchaus wirksame Pflanzenteile eingesetzt, doch die alten Rezepte sind auch stark magisch ausgerichtet.
Wie bei uns im Mittelalter wird gelegentlich aus der Form einer Pflanze, die einem Organ ähnlich ist, darauf geschlossen, dass sie bei den Krankheiten dieses Organ wirken könne. Zwar nicht bei uns, aber in China werden vielen Mitteln auch Tierprodukte beigemischt. Bei Rheuma wird zu pulverisierten Tigerknochen geraten, gegen Impotenz sollen Seehundpenis oder das Horn des Nashorns helfen. Manche Tierart, weltweit das Seepferdchen, der Tiger, das Nashorn, in China der Braunbär, ist inzwischen vom Aussterben bedroht, weil durch den aktuellen Trend zur chinesischen Medizin, vor allem von den Chinesen in der ganzen Welt, viele Mittel gebraucht werden.

 

In China wird überwiegend nach westlicher Medizin behandelt, in Versorgungseinrichtungen der TCM gehen nur etwa 20 Prozent der Kranken, hauptsächlich bei chronischen Erkrankungen. Akupunktur macht nur etwa ein Siebentel des gesamten TCM-Medizinsystems aus. Im Westen boomt derzeit neben Akupunktur auch die Kräutermedizin. Von Kräutermischungen, die nach Europa exportiert werden, ist, das hat das pharmazeutische Institut in München festgestellt, das mit der Klinik Kötzting zusammenarbeitet, jede vierte mit Schwermetallen kontaminiert, jede zehnte giftig.

 

International werden immer mehr Probleme gemeldet:
Es sind 100 Fälle von schweren Nieren- und Leberschäden durch Schlankheitsmittel, Kräutermischungen mit Aristolochia, dokumentiert. Viele Betroffene brauchen Dialysen, einige Nierentransplantationen waren nötig, in etlichen Fällen entstand Nierenkrebs, einige Betroffene verstarben. Aktuell gab es in den USA und Kanada Warnungen vor dem Prostata-Krebsmittel PC-SPES: Es besteht aus chinesischen Kräutern und bedenklichen Beimengungen.

 

Über Akupunktur erscheinen jährlich weltweit rund 3000 Forschungsarbeiten, ihre klinische Wirksamkeit ist jedoch nur in wenigen Bereichen nachgewiesen: Bei verschiedenen Schmerzzuständen.

Diese Wirkungen lassen sich mit dem Durchbrechen des Schmerzkreislaufes und der körpereigenen Produktion von Endorphinen erklären, wie sie allgemein durch Stich-Reize erklärt werden können. Was Patienten bei der Behandlung spüren, wird durch Ruhestellung, angeregte Durchblutung, psychische Effekte und anderes ausgelöst.

 

Für die angeblichen Akupunkturpunkte, es sollen je nach Schule 365 bis mehrere Tausend sein, gibt es keine nachweislichen anatomische Strukturen, das gilt auch für den "Energiefluss" des Qi. Diese "Kraft" ist bis heute auch nicht gemessen und nachgewiesen worden. Es handelt sich eben um eine philosophische, spirituelle Vorstellung, die im Westen als konkrete "Energie" vorgestellt wird.

 

Akupunkteure wenden ihre Kunst gegen alles und jedes an. Auch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) gibt 48 Krankheitsbilder dafür an. Risiken sind zwar bekannt, bei etwa 15 Prozent der Behandelten treten Nebenwirkungen auf, einige tödliche Zwischenfälle sind dokumentiert, z.B. lebensgefährlicher Stich in die Lunge, Niere, den Herzbeutel etc.; aber Kunden erfahren von diesen Risiken vor einer Behandlung üblicherweise nichts.

 

TCM und Akupunktur wird in Deutschland in 20 verschiedenen Gesellschaften für Ärzte und Heilpraktiker gelehrt, eine allgemeine Ausbildungsordnung gibt es nicht. Angeboten werden unterschiedliche Lehrgänge von mehreren Monaten, bis zu einem kurzen Wochenendworkshop oder gar nur Videofilm ohne jegliche praktische Übung! Ärzte haben sich auf eine Mindeststundenzahl von 140 geeinigt. In Deutschland gibt es geschätzte 50.000 Akupunkteure, von denen etwa 20.000 eine ausreichende Ausbildung haben. Zwei Krankenanstalten bieten chinesische kombiniert mit westlicher Medizin an.

 

 

Bioresonanztherapie

 

Entgegen der Erwartung gibt es auch einen grossen, ebenfalls magisch orientierten Apparatepark in der Alternativmedizin, denn der Zauberglaube verbindet sich sogar mit Technologie.
Ein typisches Beispiel ist die Bioresonanz (BRT).

 

In der Zeit der Energiekrise 1973 fand erstmals der Begriff "Bio-Energie" Eingang in die Alternativmedizin. Zu den bioenergetischen Verfahren, die sich vielfach auf das Konzept des chinesischen Qi beziehen, zählt auch die Bioresonanztherapie. Erfinder waren Franz Morell, ein Mitbegründer der Frankfurter Sektion von Scientology und sein Schwiegersohn Elektrotechniker Erich Rasche. Das Konzept beruht auf der älteren Entwicklung der "Elektroakupunktur nach Voll", die über Elektroden an bestimmten Körperstellen Organkrankheiten erkennen will. Doch die Bioresonanz geht nun weiter und besagt, dass durch das angewendete Gerät, angeblich krankmachende Schwingungen des Körpers aufgenommen werden, mittels "Invertierung" sollen sie zu "kurierenden" Schwingungen "umgepolt" und dann dem Körper wieder zugeführt werden. Wie das funktionieren soll, ist ein Firmengeheimnis. Bei den firmeneigenen Darstellungen der Wirkungsweise werden physikalische Begriffe verwechselt oder falsch verwendet. So ist statt "invertieren" möglicherweise "Interferenz" gemeint.

 

Die Rede ist überdies von: energetischer Medizin mit ultrafeinen Schwingungen, inneren Blockaden, sechsdimensionalen Hyperwellen, Supraleitung bei Körpertemperatur, Elektronen- Plasma-Strom, ultrafeiner Biokybernetik, Engrammen usw.

Der letztgenannte Begriff und viele weitere Formulieren erinnern an die Lehren von Ron Hubbard.

 

Kein Zufall:
Auch der wichtigste Gerätehersteller Brüggeman ist Mitglied von Scientology, hat viel Geld in diese Sektengemeinschaft eingezahlt und hat einen hohen OT-Grad erklommen. Mehrere deutsche Ärzte, die Bioresonanz anwenden, haben vor laufender Kamera zugegeben, Abgaben an Scientology zu zahlen, die Kultgemeinschaft, deren Motto ist: "Macht Geld, macht mehr Geld!"

Inzwischen beliefern mehr als ein Dutzend Gerätehersteller den Markt und es gibt eben so viele Varianten des Verfahrens.


Fantasienamen und Weiterentwicklungen sind wie folgt:
Bicom, Mora, VEGA-Select, Biophysikalische Informationstherapie BIT, Mora-Color, Multicom, Tricom, Audiocolor, Meridianbezogene Methode nach Hennecke, Verstärkte Allergieinformation nach Klein und Schweitzer, VEGA-Stroffwechseltest und- therapie nach Köhler, Diagnostische Resonanztherapie, sequentielle Frequenzdiagnostik, Lykotronik-Therapie, SomaDyne, Matrix- Regenerationstherapie usw.

 

Die Diagnose ist zugleich die Behandlung: Der Patient hält die beiden Elektroden des Gerätes in der Hand, das leichten Gleichstrom abgibt. Das Gerät selbst findet angeblich die "krankmachenden Schwingungen" des Körpers heraus, "löscht" diese und macht daraus "heilsame". Das ist ideal, wenn man von der Medizin nichts versteht, der Therapeut braucht sich um keine Diagnostik zu kümmern und gar nichts mehr zu tun, das Gerät erledigt alles selbst und so kann er die Kontrolle kostengünstig auch an eine Helferin delegieren.

Ausbildung gibt es keine, man wird durch den Beipacktext des Gerätes geschult. Meist wird eine Serie von 6-10 Sitzungen à 20 Minuten angeboten, eine Wiederholung der Serie wird empfohlen, das garantiert laufende Einnahmen.

Es gibt auch spezielle Mittel, die Bioresonanztropfen:

- "Schwingungen" von Homöopathika, die in geschlossene Fläschchen in den Stromkreislauf eingebracht werden, sollen durch Wellenmodulation auf die Patienten übertragen werden.

- "Partnertropfen": Wasser wird mit den Schwingungen des Partners "präpariert" und dem anderen tropfenweise ins Essen gemischt, wenn es zu Konflikten gekommen ist.

- beim MORA-Gerät werden "Schwingungen" von Farben, Metallen und Edelsteinen dazugegeben, dazu kommen angeblich ein Magnetfeld, Laser und Reizstrom.

 

Bioresonanz wird besonders bei Allergien, Asthma, Neurodermitis und vielen anderen Beschwerden empfohlen, bei denen es hohe psychische Betroffenheit gibt, häufig auch zur "Entgiftung" für jene, die Umweltbelastungen fürchten.

Inzwischen stehen solche Geräte auch bei vielen Psychotherapeuten und Heilpraktikern. In Österreich gibt es sogar einen Gewerbeschein für "Bioresonanz". Dieser kann gegen eine Anmeldung und einmalige Zahlung erworben werden. Ansprüche an medizinische Vorbildung oder Hygienevorschriften gibt es keine.

 

Physiker haben das Gerät untersucht, und meinen, das Verfahren sei Täuschung: Was die Vertreter dieser Methode behaupten, sei physikalisch nicht möglich. Kliniker haben die Wirksamkeit überprüft und festgestellt, dass die Diagnosen den Ergebnissen eines Würfelspiels gleichen und dass die Therapie nicht wirksamer als ein Placebo ist. Zwei Todesfälle sind bekannt geworden, weil Heiler den Angaben der Gerätehersteller gemäss annahmen, dass Bioresonanz Medikamente einsparen hilft: Sie hatten Eltern von Kindern mit Diabetes I geraten, das lebensnotwendige Insulin wegzulassen. Die Kinder sind elend gestorben.

 

Man sollte sich erinnern, dass nicht alle Zwischenfälle bekannt werden, die Dunkelziffer ist hoch, weil auch Patienten oft die Ursache eines Problems nicht in der alternativen Behandlung vermuten.
 

 

Welche Organisationsformen stehen hinter den Angeboten?


Meist organisieren sich die Vertreter einer bestimmten Methode in privaten Gesellschaften, die auch die Ausbildung übernehmen. Die Qualifizierung wird nicht von unabhängigen Institutionen überprüft. Die ausgestellten Zeugnisse, Urkunden oder Diplome bezeugen je nach Kursinhalt sehr unterschiedliche Qualität. Auch bei manchen ärztlichen Ausbildungen, die von Ärztekammern getragen werden, liegt der Unterricht in privaten Ärztegesellschaften. Allerdings werden hier eine bestimmte Mindeststundenanzahl und eine klinische Praxis vorgeschrieben, es gibt also Mindeststandards und Prüfungen zum Abschluss. Offenbar aber garantiert die wissenschaftliche medizinische Ausbildung der Ärzte nicht, dass sie sich nicht unbewiesenen Ideen verschreiben. Bei manchen Verfahren liegt die Ausbildung in der Hand der Gerätehersteller. Es gibt verschleiernde Begriffe wie "Institut" (Kinesiologie) oder "Internationale Akademien" (Aurikulomedizin). Diese Bezeichnungen spiegeln grosse Bedeutung vor. Es handelt sich aber oft um private Gesellschaften oder gar nur einzelne Anbieter.

Auffallend ist: Je obskurer das Konzept, desto sektenhafter agieren die Vereinigungen. Kritiker werden verleumdet oder wegen "Geschäftsstörung" vor Gericht gezerrt. An manchen Verfahren verdienen Sekten: Bioresonanz-Scientology.

 

Manche Anbieter geben sich das Image eines "von der Schulmedizin verfolgten Einzelkämpfers" etwa der Mediziner Gerd Hamer, dem vor langem schon die ärztliche Zulassung entzogen wurde und der trotzdem jahrelang weiterhin Patienten "beraten" hat. Die Kultgemeinschaften Universelles Leben, Fiat Lux und die "Vereine für natürliches Leben" und "natürliche Gesundheit" sowie eine Patientenvereinigungen haben ihm Kunden zugeliefert.

 

 

Fazit

 

Die verschiedenen Konzepte der Alternativmedizin-Angebote weichen stark voneinander ab, sie sind esoterisch orientiert, widersprechen Naturgesetzen oder sind reine Phantasieprodukte.

Keines der angewendeten Diagnostika hat Aussagekraft. Falschdiagnosen sind wahrscheinlich. Gesunde werden für krank, Kranke für gesund erklärt.

Es besteht das Risiko, dass Falschdiagnosen Angst auslösen, dass die notwendige Behandlung einer Krankheit verschleppt oder versäumt wird und dass unnötige Behandlungen vorgenommen werden.

Alles, was wirkt, hat auch Nebenwirkungen. Da die Methodenwirkungen selten seriös dokumentiert werden, werden Risiken kaum bekannt. Oft versäumen Anbieter auch, ihre Patienten von möglichen Nebenwirkungen zu informieren.

Viele Mittel sind nicht überprüft, das Risiko ist unbekannt. Behauptete Erfolge halten Überprüfungen häufig nicht stand.

 

 

Juristisches


Obwohl Ärzte verpflichtet sind, eine nachweislich wirksame Methode anzuwenden, bieten manche von ihnen Alternatives an.

Patienten sind vor Irrtümern oder Falschbehandlungen durch Alternativanbieter kaum geschützt. Der Arzt muss für Kunstfehler zwar Schadenersatz leisten, doch es ist schwierig ihm diesen nachzuweisen. Vor Gericht muss der ursächliche Zusammenhang nachgewiesen werden.

Erleidet man Schäden beim Heilpraktiker oder Laienheiler, gibt es kaum eine Chance, einen Schadenersatz zu bekommen. Die Kosten für Alternatives variieren. Sie können anwachsen, wenn ganze Behandlungsserien empfohlen werden oder ein Mittel "zur Vorbeugung" lebenslang eingenommen werden soll. Sie können aber auch horrend sein: 25.000,00 Euro wurden z. B. von einem Patienten für alternative Krebsmittel verlangt.

Viele Kunden zahlen gerne, nach dem Motto: "das gönne ich mir, es ist etwas Besonderes". Manche Anbieter regen ihre Kunden auch an, bei den Kassen um Kostenersatz anzusuchen und es gibt Rechtanwälte, die sich auf Sammelklagen am Sozialgericht spezialisiert haben: In vielen Fällen bezahlt die Solidargemeinschaft für unbewiesene Methoden.

 

Für Interessierte gilt: Sich genau über das angebotene Verfahren zu erkundigen und vor einer Entscheidung zwischen dem zu erwartenden Nutzen und den möglichen Risiken abzuwägen.

 

Voltaire hat das Geschäft vor 200 Jahren schon durchschaut:

 

"Die Kunst der Medizin besteht darin, den Patienten zu unterhalten, während die Natur seine Krankheit heilt."