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Das sechzehnte
Buch Hermetis Trismegisti an
Ammon
Von den Seelen

ie
Seele denn ist ein unleibliches Wesen, und indem sie im Leibe ist, geht sie
nicht aus ihrer eigenen
Wesenheit.
Denn nach ihrer Wesenheit ist sie unbeweglich, doch (in Ansehung des Verstandes)
von sich selbst beweglich, sie wird nicht in etwas noch zu etwas, noch eines
Dinges wegen bewegt, denn sie ist das erste in der Vermögenheit.
Welches nun das erste ist,
hat das letztere nicht nötig, das nun in etwas ist,
das ist der Ort, die Zeit, die Natur, was aber zu etwas oder zu einem Ende ist,
das ist die Zusammenstimmung, das äusserliche Ansehen und die Gestalt, was aber
um eines Dinges willen ist, ist der Leib, der Ort, die Zeit und die Natur.
Dieselben haben Gemeinschaft miteinander durch eine angeborene Verwandtschaft,
indem der Leib einen Ort vonnöten hat (denn es ist unmöglich, dass ein Leib
bestehe ohne Ort) und von Natur veränderlich ist.
Nun kann da keine Veränderung sein ohne Zeit und natürliche Bewegung, noch keine
Zusammensetzung des Leibes ohne Zusammensetzung, ist demnach der Ort des Leibes
willen: Denn indem er die Veränderung des Leibes in sich empfängt, so lässt er
nicht zu, dass das sollte zunichte gehen, welches verändert wird.
Was dann verändert wird, das geht von dem einen in das andere, und es wird wohl
beraubt der äusserlichen Gestalt, aber es hört nicht auf, ein Leib zu sein,
sondern in ein anderes verändert hat es die Gestalt desselben: Denn der Leib
bleibt Leib, aber nicht dieselbe Gestalt.
Daher wird der Leib verändert nach seiner Geschicklichkeit, und der Ort, die
Zeit, die natürliche Bewegung sind unleiblich: Ein jedes derselben aber hat
seine eigene Eigenschaft, die Eigenschaft des Ortes ist die Befassung der Zeit,
der Dauersamkeit, Begriff und Zahl der Natur, die Bewegung: die
Zusammenstimmung, die Freundschaft des Leibes die Veränderung: Die Eigenschaft
der Seele ist die wesentliche Erkenntnis. Was nun bewegt wird, wird bewegt nach
der Kraft der Bewegung, die dies All bewegt, denn die Natur von dem All gibt an
dasselbe seine Bewegung, an das eine nach ihrer Kraft, an das andere nach ihrer
Wirkung.
Und eines durchdringt die ganze Welt und begreift dieselbe inwendig, das andere
durchdringt und begreift sie auswendig, und sie gehen zusammen durch alles.
Und die Natur aller Dinge (aussprossend, das da wird) gibt den Ursprung an
alles, was da aussprosst, diese sät wohl ihre Samen, welche die Geburt in sich
hat durch die bewegliche Materie, aber die Materie, bewegt, wird warm und wird
zum Feuer und Wasser.
Das eine ist stark und mächtig, das andere leidend, doch das Feuer, dem Wasser
entgegengesetzt, hat von dem Wasser etwas ausgetrocknet, und die Erde war
treibend auf dem Wasser. Aber da es rundum trocken ward, so ist aus diesen
dreien ein Dampf aufgegangen, und also ist aus Wasser, Erde und Feuer die Luft
geworden, so sind denn Hitze, Kälte, Trockenheit und Feuchte zusammengekommen.
Und aus der Zusammenmischung oder Dünstung ist geboren der Geist und der Samen,
welcher mit dem umfangenden Geist eine Gleichheit hat, der Geist aber, in die
Mutter fallend, bleibt nicht müssig in dem Samen,
indem er nun unmüssig ist,
verändert er den Samen, welcher, verändert, sein Wachstum und Grösse bekommt.
In die Grösse zieht er zu sich das Bildnis der äusserlichen Gestalt und wird
gebildet über die äusserliche Gestalt, durch welche ein jedes Ding ein eigenes
innerliches Wesen empfängt. Angesehen denn, dass der Geist in der Mutter nicht
hat eine lebendig machende, sondern viel zu heftige Bewegung, so hat die
Zusammenstimmung dieselbe so gestaltet, dass sie das verständige Leben könnte
empfangen, welches unteilbar und unveränderlich ist, das niemals ausserhalb der
Unveränderlichkeit tritt.
Weiters was in der Mutter ist, wird nach der Zahl ernährt, geboren und an die
äussere Luft gebracht, und alsdann wird ihm eine Seele zugeeignet, nicht nach
der angeborenen Eigenschaft, sondern nach dem Fato, denn sie hat keine Lust, bei
dem Leibe zu sein.
Darum wird durch das Fatum die verständliche Bewegung und das vernünftige Wesen
des Lebens selbst an dasjenige, was geboren wird, gegeben, denn sie schleicht
mit dem Geiste ein und macht eine lebendige Bewegung.
AN
DENSELBEN AMMON
Die Seele denn ist ein unleibliches Wesen: Denn im Fall sie einen Leib hat, so
unterhält sie sich selbst nicht mehr: Denn ein jeder Leib hat etwas anders
vonnöten, dass er sei, er hat auch ein Leben vonnöten, welches in der Ordnung
besteht.
Alles, was geboren wird, das ist auch veränderlich, denn alles, was geboren
wird, wird in der Grossheit geboren und, geboren, hat es seine Anwachsung.
Alles, was nun Anwachsung hat, das nimmt auch ab, und nach der Abnehmung folgt
die Verderbung.
Weiters des Lebens teilhaftig geworden, lebt dasselbe und teilt sein Wesen mit
durch seine Seele, was nun Ursache ist, dass da etwas anders ist, das muss
selbst erst sein.
Durch das Sein verstehe ich hier, mit Vernunft begabt oder des verständigen
Lebens teilhaftig sein: Die Seele aber gibt das vernünftige Leben und wird ein
Tier genannt wegen des Lebens, vernünftig wegen des Verstandes, sterblich wegen
des Leibes.
Die Seele denn ist unleiblich, habend eine unveränderliche Kraft, denn wie
kann's ein Tier genannt werden, da kein lebendiges Wesen ist: Es kann auch nicht
vernünftig gesagt werden, es sei denn, dass ein verständiges Leben da sei.
Es erreicht aber die verständliche Natur (wegen der Zusammensetzung des Leibes)
nicht in allen die Zusammenstimmung oder Einteilung.
Denn indem die Wärme in der Zusammensetzung überwindet, so wird der Leib leicht
und hitzig, indem die Kälte überwindet, so wird er schwer und trag, denn die
Natur bildet die Gestalt des Leibes nach der Zusammenstimmung.
Diese ist dreierlei, die Wärme, die Kälte und das Mittelbare: Die Natur aber
bildet die Gestalt des Leibes nach dem herrschenden Stern, wie sie sind in ihrer
Stellung.
Die Seele, nun den Leib annehmend, gleichwie es durch das Schicksal bestimmt
ist, macht denselben lebendig durch das Werk der Natur.
Die Natur aber macht die Zusammenstimmung mit der Stellung der Sterne eins und
vermengt die vielfältigen vermengenden Teile nach der Zusammenstimmung der
Sterne, so dass sie miteinander eine Übereinstimmung und Schicksal haben. Denn
das Ende der Zusammenstimmung der Sterne ist, eine Freundschaft nach ihrem
Schicksal zu gebären: Daher, o Ammon, ist die Seele ein Wesen, welches in sich
selbst vollkommen ist, und erwählt im Anfang ein Leben nach Ordnung des
Schicksals und zieht zu sich selbst eine Vernunft der Materie gleich, begabt mit
Zorn und Begierlichkeit. Der Zorn ist in der Materie, dieser, wenn er sich
einwärts wendet zu dem Verstand der Seele, so wird er Tapferkeit und wird durch
die Furcht nicht verrückt, aber die Begierlichkeit wird verrückt.
Diese aber, indem sie sich gewendet zu der Vernunft der Seele, wird die
Mässigkeit und wird nicht bewegt von der Wollust, denn die Vernunft erfüllt, was
der Begierlichkeit mangelt. Wenn aber diese beiden miteinander vereinigt und zu
gleichen Einteilung gekommen sind, sich haltend an dem Verstand der Seele,
alsdann wird die Gerechtigkeit daraus, denn die Gleichheit derselben nimmt weg
den Überfluss der zornigen Kraft und vergleicht den Mangel der Begierlichkeit.
Der Anfang hiervon ist das verständige Wesen, so vor sich selbst besteht, und
die im Gemüt wohl überlegende Vernunft, die gibt die Stärke und die Herrschaft.
Es herrscht und regiert aber dasselbe Wesen als ein Fürst, die Vernunft aber ist
dessen im Gemüt steter überlegender Rat.
Die Vernunft denn des Wesens ist eine Erkennung der Schlüsse, die uns als im
Bilde und vernunftsmässig von den unvernünftigen Wesen vorgelegt werden, und
diese Vernunftsschlüsse sind in den Bildern zwar finster, sie sind aber
vernünftig gegen das Unvernünftige zu rechte, gleich als der Widerschall mit der
Stimme und des Mondes Schein mit der Sonne.
Der Zorn und die Begierde werden auch zu dem Vernunftsschluss bequem gemacht,
indem sie sich untereinander umtreiben und als im Circul die Gemütsüberlegung in
sich selbst an sich ziehen.
Eine jede Seele ist allezeit beweglich,
denn wir haben in den allgemeinen Reden
gesagt, dass etliche Bewegungen entstehen von den wirkenden Kräften, die anderen
von den Leibern. Nun sagen wir, dass die Seele nicht aus der Materie geboren
sei, sondern aus einem unleiblichen Wesen, weil sie selbst ohne Leib ist.
Denn alles,
was geboren wird, muss aus etwas geboren weiden, auf alle Dinge denn, auf deren
Geburt die Zerbrechung folgt, müssen notwendig zwei Bewegungen folgen, nämlich
die Bewegungen der Seelen, dadurch sie bewegt werden, und der Leiber, dadurch
sie zu- und abnehmen und in ihre Entbindung entbunden werden.
Also
beschreibe ich die Bewegung der sterblichen Leiber, die Seele aber wird allezeit
bewegt, weil sie sich selbst bewegt und Ursache ist, dass andere Dinge bewegt
werden.
Folgend
diesem Satze sind alle Seelen unsterblich und werden immer bewegt, und die
Bewegung ist ihre eigene Wirkung, die Bilder der Seelen aber sind göttlich,
menschlich und unvernünftig.
Das
Göttliche ist das Bild des göttlichen Lebens, in welchem ihre Wirkung ist, denn
darin wird sie bewegt und bewegt dasselbe: Denn wenn sie von den sterblichen
Geschöpfen erlöst ist, wird sie (abgesondert von den unvernünftigen Teilen und
in den göttlichen Leib eingehend) in sich selbst gleichfalls allezeit beweglich,
bewegt und mit dem All umgetrieben.
Die
menschliche hat wohl etwas Göttliches, aber die unvernünftigen Dinge (nämlich
die Begierlichkeit und der Zorn) sind auch mit ihr verknüpft, und diese sind
auch unsterblich, insoweit sie wirkende Kräfte sind, sie sind aber Wirkungen der
sterblichen Leiber, deshalb sind sie von dem göttlichen Teil der Seelen, weiches
sein Wesen in dem göttlichen Leib hat, weitab geschieden.
Wenn nun
selbiger Teil in einen sterblichen Leib geht, so kommen sie hinzu, und durch
ihre Hinzukunft wird allezeit die menschliche Seele.
Die Seele
der unvernünftigen Tiere besteht aus zorniger Kraft und Begierlichkeit, darum
sie auch unvernünftig genannt werden, weil sie der Vernunft der Seele beraubt
sind.
Zum vierten
bedenke das Bild der seelenlosen Dinge, welche ausser dem Leibe sind, dieselben
werden bewegt durch ihre Bewirkung. Diese, wenn sie in einem göttlichen Leibe
wäre und allda sich bewegte, würde auch dieselben Leiber als vorbeigehend
bewegen.
Die Seele
ist demnach ein ewig verständig Wesen, die einen Begriff ihrer eigenen Vernunft
hat, indem sie nun versteht, so zieht sie auch die Vernunftsschlüsse der
Zusammenstimmung an sich, wenn sie aber von dem natürlichen Leibe entbunden ist,
so bleibt sie in sich selbst, ihrer selbst in der verständlichen Welt und
herrscht über ihre eigene Vernunft, indem sie in ihrem Gemüt in ihr selbst eine
gleiche Bewegung hervorbringt, die man Leben nennt, gleich der Bewegung dessen,
das in das
Leben kommt.
Denn
was der Seele eigen ist, ist dies, an andere ihresgleichen
Eigenschaften
zu geben, darum sind da zwei Leben und zwei Bewegungen, das eine kommt überein
mit ihrem Wesen, das andere mit der Natur des Leibes, das eine in allem, das
andere nur in gewissen Stücken.
Die, welche
mit dem Wesen übereinkommt, ist freiwillig, die andere gezwungen, denn alles,
was bewegt wird, ist dem Zwange des Bewegers unterworfen, es wird aber die
bewegende Bewegung zugeeignet der Liebe des verständigen Wesens.
Denn die
Seele ist ohne Leib und des Wesens des natürlichen Leibes nicht teilhaftig, denn
wenn sie einen Leib hätte, so hätte sie weder Vernunft noch Verstand, denn alle
Leiber sind unverständig, aber indem sie das Wesen empfangen, bekommen sie, dass
sie lebendige Tiere sind, und der Geist ist in
dem Leibe.
Die
Vernunft aber ist eine Betrachterin des Wesens der Schönheit, aber der sinnliche
Geist ist ein Urteiler des Sinnlichen und wird verteilt in die Werkzeuge der
Sinne. Ein Teil desselben ist der Geist des Gesichtes, ein Geist des Gehörs, des
Geruches,
des Geschmackes, des Gefühls.
Dieser Geist
ist, wenn er (sozusagen) zu der Vollkommenheit der Vernunft wird geführt, so
urteilt er das Sinnliche, wenn aber
nicht, so
phantasiert er nur allein, denn er ist des Leibes und
kann alles
empfangen, die Vernunft des Wesens aber ist das,
welches
versteht.
Die
Erkenntnis der vernünftigen Dinge steht mit der Vernunft in gleicher
Übereinstimmung, die Meinung aber mit dem
Geiste, denn
jene hat die Wirkung von der umfassenden Welt,
diese von
sich selbst.
So
sind denn da
Wesen, Vernunft, Begriff und Vernunftsschliessung,
die Meinung
und die Sinne gehören oder gehen zu
der
Vernunftschliessung,
die Vernunft gehört oder geht zu
dem Wesen,
aber der Verstand geht
durch dieselbe und wird
mit der
Vernunftsschliessung eingewickelt.
Wenn
sie nun
durcheinander sind gegangen, so werden sie ein
Bild
der Seelen:
weiters strecken sich die Meinung und die
Sinne
zu der
Vernunftsschliessung der Seelen: Die bleiben aber
nicht in
demselben Stand, sondern vermehren, vermindern und
unterschieden voneinander: Minder sind sie, wenn sie von
dem
Gebrauch des
Vernunftsschlusses sind abgerissen, aber wenn sie derselben folgen und gehorsam
sind, so haben sie Gemeinschaft mit der verständlichen Vernunft durch die
Wissenschaften oder Unterweisung.
Wir haben
die Wahl, denn die Wahl des Besten ist in unserer Macht, aber die Wahl des
Schlechtesten ist gegen den Willen, denn die Wahl, die dem Bösen anhängt,
vereinigt sich mit der leiblichen Natur und herrscht über den Wähler das
Schicksal.
Gleichwie
das verständliche Wesen, das in uns ist, freiwillig ist, so ist auch die
vorsichtige Vernunft freiwillig, diese stellt sich allezeit in derselben auf
gleiche Weise, darum geht sie das Schicksal nicht an.
Aber die
erste verständliche Vernunft der obersten Regenten und die ganze Vernunft
(welche die Natur den Dingen, die geboren werden, hat vorgesetzt) geht, sich
zusammenfügend, für sich und wenn die Seele derselben teilhaftig ist, so ist
sie auch derselben Notschickung teilhaftig, aber nicht der Natur der geborenen
Dinge.
Das
notwendigste ist nicht unterschieden von dem Naturzwang oder Schicksal in
Ansehung der zusammengehefteten Einflechtung der Teile.


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