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Das neunte Buch
Hermetis
Trismegisti Rede
Dass von den wesentlichen Dingen nichts untergeht

ieber
Sohn, wir müssen nun von der Seele und von dem Leibe sprechen: Wie nämlich die
Seele unsterblich ist und wie gross die Wirkung ist der Zusammenfügung und
Entbindung des Leibes.
Denn in keinem von
diesen wesenden Dingen wird der Tod gefunden, aber der Tod ist nur ein Wort,
damit man sich den Tod einbildet, oder ein Name ohne Werke, ohne Wesen, welcher
vielleicht darum Thanathos (das ist der Tod) genannt ist, weil man die ersten
Buchstaben von Anathanathos (das ist unsterblich) ausgelassen.
Denn der Tod weist
an einen Untergang, es geht aber von den Dingen in der Welt nichts unter, denn
nachdem die Welt der zweite GOTT und ein unsterbliches Tier ist, so ist es
unmöglich, dass von diesem unsterblichen Tier ein Teil kann untergehen.
Alle Dinge aber,
die in der Welt sind, sind Glieder der Welt, am allermeisten aber der Mensch ist
das vernünftige Tier oder Geschöpf.
Denn der Erste von
allen, welcher ewig ungeboren und ein Werkmeister ist von allen Dingen, ist
GOTT.
Aber das zweite
oder andere, welches nach seinem Ebenbild ist, ist die Welt, welche von ihm
zusammengefügt, unterhalten und mit Unsterblichkeit ist begabt worden, als
welche von dem einzigen Vater allezeit lebend und allezeit unsterblich ist.
Allezeit lebend
und allezeit unsterblich ist sie, denn das allezeit Lebende wird vom Ewigen
nicht unterschieden.
Denn das Ewige ist
nicht von einem anderen geworden, doch im Fall es geworden ist, so ist es zu
einemmal von sich selbst geworden und nicht von einem anderen, aber es wird
allezeit, denn das Ewige, insoweit es ewig ist, ist alles.
Er, der Vater, ist
ewig von sich selbst, die Welt aber ist von dem Vater (allezeit Lebenden und
Unsterblichen) geworden.
Derselbe, soviel
er von der Materie von sich weggelegt hatte, hat alles miteinander in einen Leib
getrieben und dasselbe kugelig gemacht und mit einer Eigenschaft, die
gleichfalls unsterblich ist und einer ewigen Leiblichkeit umfangen.
Aber der Vater,
voll von Gestalten, hat die Eigenschaften in die Kugel eingesetzt und dieselben
darin, gleich als in einem Circel, von all den Eigenschaften umringt, womit er
hat wollen abbilden die Eigenschaft, die in ihm war.
Den ganzen Leib
hat er demnach mit Unsterblichkeit
umringt, auf dass die Materie (im Fall sie wollte von der
Zusammenfügung derselben abweichen) nicht könne in ihre Unordnung wieder
aufgelöst werden, denn da die Materie, lieber Sohn! ohne Leib war, da war
diesselbe ungeordnet.
Dieselbe hat auch
allhier wohl eine Unordnung bei Abwechslung anderer kleiner Eigenschaften,
welche Unordnung ist das Zu- und Abnehmen, welches die Menschen einen Tod
nennen.
Doch diese
Unordnung geschieht alleine an den irdischen Tieren, denn die Leiber von den
himmlischen behalten nur eine Ordnung, welche sie von Anfang von dem Vater
empfangen haben.
Diese ihre Ordnung
bleibt allezeit und vermag von keiner Herstellung eines Dinges aufgelöst werden,
denn die Herstellung ist die Zusammenfügung der irdischen Leiber, aber die
Bindung wird hergestellt in unauflösliche (das ist unsterbliche) Leiber, und
also geschieht da eine Entbindung der Zusammenfügung, ist aber nicht der Leiber
Untergang.
Das dritte Tier,
der Mensch, der nach dem Ebenbild der Welt ist geworden und nach dem Willen des
Vaters über alle irdischen Tiere das Gemüt hat, der hat nicht allein mit dem
zweiten Gott eine Übereinstimmung, sondern auch die Gemüts-Kraft des Ersten,
denn jenen begreift er mit dem seinen als einen Leib, aber diesen versteht er
mit der Erkenntnis gleich als ein unleibliches Wesen und das Gemüt des Guten.
Vergeht dieses
Tier denn nicht?
Gedenke auf was
Besseres, lieber Sohn! und verstehe doch, was GOTT sei, was die Welt sei, was
ein unsterbliches Tier sei, und verstehe, wie die Welt von GOTT und in GOTT ist,
aber der Mensch von der Welt und in der Welt, aber der Anfang, der Begriff und
die Zusammenstellung aller Dinge ist GOTT.


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