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Das fünfzehnte Buch
Hermetis Trismegisti an Asclepium
Recht weise zu sein

ieweil,
mein Sohn, Tatius in deinem Abwesen die Natur der wesenden Dinge hat wollen
lernen und nicht zugelassen, dass ich es nicht aufschöbe (als der noch frisch
zur Erkenntnis der Dinge ist gekommen), so bin ich dadurch bewegt worden,
weitläufig zu reden, auf dass er dadurch desto leichter und fertiger zu der
Beschauung möchte kommen.
Für dich aber habe ich die vornehmsten Hauptstücke dieser Rede ausgelesen und in
einem kurzen Begriff verfasst, solche dir zuzuschicken, solche auf eine noch
verborgene Weise erklärend als für einen, welcher schon bei Jahren ist und die
Natur wohl versteht.
Alle Dinge, die offenbar sind, dieselben sind und werden noch geboren, was
dennoch geboren ist, das wird nicht von selbst geboren, sondern von einem
andern.
Es sind aber viele Dinge (oder vielmehr alle sichtbaren Dinge) geboren, welche
doch alle voneinander unterschieden und nicht gleich sind.
Was demnach wird, das wird von einem andern, so ist da nun jemand, der solches
macht, und derselbe ist ungeboren und älter als die geborenen Dinge, denn ich
sage, dass die geborenen Dinge von einem andern werden.
Nachdem denn alle wesenden Dinge geboren sind, so ist unmöglich, dass da etwas
anders unter ihnen kann sein als einzig und allein dasjenige, welches ungeboren
ist. Das ist derjenige, welcher soviel mächtiger ist, der Eine und der allein
wahrhaftig alles weiss, als für welchen nichts älter ist, denn er herrscht über
die Vielheit und über die Grösse und über den Unterschied der Dinge, die
geworden sind, und über den Bund des gemachten Wesens und über die Wirkung.
Zudem sind die Dinge, welche geboren werden, sichtbar, aber er ist unsichtbar,
denn darum macht er dieselben, auf dass er sichtbar sei, darum macht er
dieselben allezeit.
Also ist es billig, dass man ihn erkennt, in der Erkenntnis bewundert und in der
Bewunderung sich selbst selig schätzt, dass man den rechten Vater hat erkannt:
denn was ist liebreicher als der rechte Vater?
Wer ist nun dieser, und wie sollen wir ihn erkennen? Ist's recht, dass wir ihm
alleine den Namen GOTT geben oder den Namen Schöpfer oder den Namen
Vater: oder auch mit all
den drei Namen.
Nämlich GOTT wegen der Kraft, den Schöpfer wegen der Wirkung, den Vater wegen
der Güte: Denn es ist die Kraft unterschieden von den Dingen, die geworden sind,
und der Wirkung, weil alles von ihm wird.
Darum müssen wir (die eitlen und überflüssigen Reden zurücksetzend) diese beiden
verstehen, das Geschaffene und den Schöpfer: Denn es ist kein Mittelding oder
drittes zwischen diesen beiden.
Wenn du alle Dinge verstehst, so gedenke an diese zwei und halte es dafür, dass
dieselben alles sind, und ziehe nichts in Zweifel von den Dingen, die da oben,
noch von den Dingen, welche unten sind, noch von denen, die verwandelt werden,
noch von denen, die im Verborgenen sind. Denn die zwei sind alles, der Macher
und das Gemachte, und das eine kann von dem andern nicht geschieden sein, denn
es ist unmöglich, dass der Schöpfer ohne das Geschöpf könne sein. Denn beide
sind eben dasselbe, darum wie eben dasselbe von sich selbst nicht abgesondert
werden kann, also kann auch hier eines vom andern nicht geschieden werden. Denn
wenn der Schöpfer nichts anders ist als ein Schöpfer und dieser allein, einzeln
und ohne alle Zusammensetzung, so folgt notwendig, dass sein Schöpfen oder
Machen einerlei sei mit ihm selbst, was er ist, aber die Geburt, die kommt von
dem Schöpfer, und alles, was da worden ist, ist auch daher. Denn alles, was
gemacht ist, ist notwendig von jemand anders gemacht.
Ohne Schöpfer wird nichts geboren, was geboren wird, ja es ist nichts ohne ihn:
Denn das eine ohne das andere verliert seine eigene Natur, wenn es von dem
andern sollte beraubt sein.
Obwohl nun das Gemachte und das, was da macht, unleugbar zwei sind, so sind sie
dennoch eine Durchvereinigung, das erste ist vorgehend und das zweite
nachfolgend, das Vorgehende ist der Schöpfer GOTT, das Nachfolgende ist das
Geschaffene, welcherlei dasselbe auch sei.
Und du
musst dich nicht fürchten, als da etwa der Unterschied der Dinge, die gemacht
sind, sollte gedeihen zur Verkleinerung und Unehre GOTTes: Denn das ist seine
eigene Ehre, dass er alles macht, und die Machung ist gleichsam GOTTes Leib.
Man muss
aber nicht meinen, dass von dem Macher etwas Übles oder Schändliches geordnet
sei, denn das sind Leidenschaften, welche der Geburt folgen wie der Rosten dem
Eisen und die Hässlichkeit dem Leib.
Denn der
Schmid hat den Rost nicht gemacht, noch der Macher die Hässlichkeit, noch GOTT
das Böse, sondern die Umwechslung der Geburt hat es gleichsam ausgespritzt, und
um der Ursache willen hat GOTT die Veränderung gemacht als eine Säuberung der
Geburt.
Überdies
kann ein und derselbe Maler den Himmel, Planeten, Erde, Meer, Menschen,
unvernünftige Tiere, Geschöpfe ohne Seele und Bäume machen, sollte es GOTT dann
unmöglich sein, diese Dinge zu machen?
O welche
Unvernunft und Unerkenntnis in göttlichen Dingen? Denn solchen widerfährt das
allertadelhaftigste.
Denn wenn
sie sagen, dass sie GOTT loben, weil sie ihm die Schöpfung aller Dinge nicht
zueignen, so erkennen sie ihn nicht: Und überdies, dass sie ihn nicht kennen, so
sind sie auch zum höchsten gottlos gegen ihn, indem sie ihm Leidenschaften
zueignen, es sei Hoffart oder Unvermögen oder Unwissenheit oder Abgunst.
Denn wenn
er nicht alles macht, so ist er entweder hoffärtig oder ohnmächtig oder
unwissend oder abgünstig, welches ungöttlich ist.
Denn GOTT
hat nur eine einzige Leidenschaft, nämlich das Gute, wer aber gut ist, der ist
weder hoffärtig noch ohnmächtig, noch etwas anders dergleichen, denn dies ist
GOTT, denn das Gute ist die ganze Macht und Gewalt, alle Dinge zu machen.
Alles, was
geboren ist, dasselbe ist von GOTT geboren, das ist von dem Guten und das da
mächtig ist, alle Dinge zu machen.
Siehe nun,
wie er macht und wie das Gemachte gemacht wird, und im Fall
du willst lernen, so kannst du dessen ein sehr schönes und gleiches Ebenbild und
Gleichnis sehen.
Betrachte
den Ackermann, der in die Erde sät, wie er an diesem Platz Korn, an jenem
Gerste, an einem andern Platz eine andere Saat sät, betrachte ihn, wie er
Weingärten pflanzt, wie er Äpfel-, Feigen- und andere Bäume einsetzt. Eben also
sät GOTT in dem Himmel die Unsterblichkeit, auf Erden die Verwandlung und in das
ganze Wesen Leben und Bewegung.
Es sind
aber der Dinge nicht viel, sondern wenig und leicht zu zählen, denn alle Dinge
sind Vier, und GOTT und die Geburt, in welchen alle Dinge begriffen sind.


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