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Das achte Buch
Hermetis Trismegisti
Hermetis
Trismegisti Rede an seinen Sohn Tatium
Dass der unoffenbarte Gott am alleroffenbarlichsten sei

ati!
Ich will auch diese Rede zu dir führen,
auf dass du in die
Erkenntnis des
heiligen Namen
GOTTes eingeweiht werdest.
Siehe mit dem
Gemüt, wie dasjenige, welches vor vielen unoffenbar scheint zu sein,
dir am alleroffenbarsten gemacht wird, denn wäre es
unoffenbar, so wäre es ja nicht.
Denn alles, was
offenbar wird, dasselbe ist geboren, weil es offenbar ist geworden.
Aber was verborgen
oder unoffenbar ist, das ist allezeit und hat nicht nötig, offenbar zu werden,
denn es ist allezeit und macht alle anderen Dinge offenbar, es selbst bleibt
ungeoffenbart, weil es allzeit ist.
Der da offenbart, wird selbst
nicht geoffenbart, und der nicht ist geboren
worden, ist nichts anderes als die Gebärung.
Derselbe eine
aber (Ungeborene) kann nicht gebildet werden und ist unoffenbar, aber er
selbst, alles bildend, wird durch alles und in allem offenbar und allermeist in
denen, welchen er sich hat wollen offenbaren.
Deshalb, o Sohn
Tati! bitte vorerst den HERRN und Vater und Einzigen und Einen, von welchem der
Eine (ist), dass er dir wolle gnädig sein, dass du also denselben so grossen
GOTT mögest verstehen, obschon Er nur mit einem von seinen Strahlen in dein
Gemüt wolle leuchten.
Denn allein der
Verstand sieht das Unoffenbarte, weil er selbst auch unoffenbar ist, wenn du
es mit den Augen des Gemütes, o Tati! vermagst, so wird Er offenbar werden.
Denn der HERR, der
da frei ist von aller Abgunst, ist durch die ganze Welt offenbar, du kannst die Gemüts-Wirkung sehen und selbst mit den Händen betasten und das Bildnis
GOTTes anschauen.
Weil demnach das,
was in dir ist, dir unoffenbar ist, wie sollte derselbe in dir durch die Augen
offenbar werden.
Im Fall du
denselben willst sehen, so betrachte die Sonne, betrachte den Lauf des Mondes,
betrachte die Ordnung der Sterne, wer ist es, der ihre Ordnung unterhält, denn alle Ordnung wird in seiner gewissen Zahl und Ort beschlossen.
Die Sonne, die grösste unter den Göttern, die unter dem Himmel sind, welcher alle
himmlischen Götter weichen, gleich als ihrem König und Fürsten, und welche so
gross ist, auch grösser als die Erde und das Meer, und über sich keine Sterne
duldet und umlaufen lässt, was für einen ehrt sie, oder welchen fürchtet sie?
So hat auch ein
jeder Stern nicht einerlei oder gleichen Lauf am Himmel, wer ist es denn, der
einem jeden die Weise und die Masse seines Laufes setzt?
Siehe den
Nordstern, der rundum wird gedreht und mit sich die ganze Welt rundum führt, wer
ist es, der solches Werkzeug hat bereitet?
Wer ist es, der
dem Meer sein Ufer hat gesetzt?
Wer ist es, der
die Erde hat befestigt? Gewisslich, o Tati! ist da ein Werkmeister und ein HERR
aller dieser Dinge.
Denn es ist
unmöglich, dass ein Platz, Zahl oder Mass kann gehalten werden ohne den
Werkmeister, denn alles, was ohne Ordnung, ohne Platz und ohne Masse ist, ist
ohne Werkmeister, aber nicht ohne HERR.
Denn was
ungeordnet ist, das ist gebrechlich, und ist nötig, dass solches in die Weise
der Ordnung gesetzt werde und es ist noch unter dem HERRN, der ihm die Ordnung
noch nicht hat geordnet.
Wollte GOTT, dass
es dir möglich wäre, Flügel anzunehmen und dich in die Luft zu erheben, dass du
zwischen Himmel und Erde gestellt wärst, könntest sehen der Erde Festigkeit, die
Stürzung des Meeres, das Fliessen der Ströme, die Ausspannung der Luft, die
Zartheit des Feuers, den Lauf der Sterne und die um diese Dinge umlaufende
Geschwindigkeit des Himmels.
O Sohn, es würde
sein das allerseligste Gesicht, alles dieses in einem Augenblick zu sehen, wie
der Unbewegliche beweglich und der Unoffenbarte offenbar ist.
Im Fall du auch
den Werkmeister durch die sterblichen Dinge (welche auf Erden und in der Tiefe
sind) zu sehen begehrst, so betrachte, Sohn, wie der Mensch im Mutter-Leibe
gewirkt ist, und überwäge mit Fleiss die Kunst des Werkmeisters und lerne, wer
doch der Werkmeister sei, der dieses herrliche und göttliche Menschen-Bild hat
gemacht? Wer Nase und Ohren hat durchbohrt?
Wer den Mund hat
aufgetan? Wer die Sehnen hat ausgespannt und aneinander gebunden? Wer
die Blut-Adern zu Röhren hat gebildet?
Wer die Gebeine
hat hart gemacht? Wer das Fleisch mit einer Haut hat überzogen? Wer die Finger
und Glieder hat unterschieden? Wer das Fundament der Füsse hat breit gemacht?
Wer die Schweiss-Löcher hat durchgegraben? Wer die Milz hat ausgestreckt?
Wer das Herz als
eine Pyramide hat gestellt? Wer die Leber hat ausgebreitet? Wer die Lunge hat
durchlöchert? Wer den Bauch hat weit gemacht? Wer die ehrlichen Glieder in das
Offenbare hat hervorgesetzt und die unehrlichen verborgen?
Siehe, wie viel
Kunst-Stücke sind da allein in einer Materie und wie viel Werke allein in einer
und derselben Abzeichnung? Und alles über die Massen herrlich, und alles
wohlproportioniert und dennoch alles in einer ungleichen Gestalt.
Wer hat dies alles
gemacht, was für eine Mutter, was für ein Vater? Denn allein der unoffenbare
GOTT, der durch seinen Willen alles wirkt.
Es sieht ja
niemand, dass ein Bild oder Schild ohne einen Bildhauer oder Schilderer sei
geworden. Sollte denn dieses Werk ohne einen Werkmeister geworden sein? O
grosse Blindheit! O grosse Gottlosigkeit! O grosse Unwissenheit!
Du musst ganz
nicht, o Tati! zu keiner Zeit die Werke ihres Werkmeisters berauben, ja denke
lieber, so gross als GOTT ist nach seinem Namen, so gross ist ER, ein Vater von
allem.
Denn er ist
derselbe allein, und sein Werk ist dies, Vater zu sein, und wenn du mich
nötigst, etwas freier zu sprechen, so ist das sein Wesen, alle Dinge zu gebären
und zu machen.
Und gleichwie es
unmöglich ist, dass ohne einen Werkmeister irgend etwas werden kann, also ist es
auch unmöglich, dass GOTT nicht allezeit sollte sein und nicht alles machen im
Himmel, in der Luft, auf Erden, in der Tiefe, in der ganzen Welt, in allen
Teilen derselben, welche da sind und welche da noch nicht sind.
Denn da ist nichts
in der ganzen Welt, welches Er nicht selbst sei. Er ist beides, die wesenden und
die nicht wesenden Dinge, die wesenden hat er geoffenbart, aber die noch nicht
wesenden hat Er in sich selbst.
Dieser GOTT ist
viel vortrefflicher, als dass er mag genannt werden, dieser ist unoffenbar,
dieser ist aller offenbar, der durch das Gemüt beschaut wird, dieser ist vor
den Augen sichtbar.
Dieser ist
unleiblich: Vielleiblich oder vielmehr, es ist keines von allen den Leibern, das
Er nicht sei, denn Er ist einzig dies alles.
Und darum hat
derselbe alle Namen, weil er allein der Vater ist und auch keinen Namen an ihm
selbst hat, weil er Vater ist von allem.
Wer sollte dich
denn nach Würden können loben? Wohin sollte ich sehen mit meinem Lobe,
aufwärts oder niederwärts, inwärts oder auswärts? Nachdem weder weise noch Platz rund um dich ist, noch auch etwas anders von den wesenden Dingen,
sondern alles ist in dir, du gibst alles und empfängst nichts, denn du hast
alles, und da ist nichts, welches du nicht hast.
Aber wann sollte
ich doch loben, Vater? Denn es ist unmöglich, deine Stunde und Zeit zu
begreifen.
Wessentwegen sollte
ich dich loben? Wegen der Dinge, die du gemacht hast, oder wegen der Dinge, die
du noch nicht hast gemacht? Wegen der, welche du geoffenbart hast, oder wegen
derjenigen, die du hast verborgen?
Aber warum sollte
ich dich auch loben als der ich für mich selbst bin, als der da etwas Eigenes
hat, als ein anderer, der da ausser dir ist.
Denn du bist
alles, was ich bin, du bist doch alles, was ich mache, du bist alles, was ich
spreche, und da ist nichts, was du nicht bist.
Du bist alles, das
geworden ist, und alles, was noch nicht geworden ist, das verständige Gemüt, der
schöpfende Vater, der wirkende GOTT und das Gut, das alles macht.
Denn das zarteste
Teil der Materie ist die Luft, der zarteste Teil von der Luft die Seele, das
zarteste Teil der Seele das Gemüt, der zarteste Teil des Gemütes GOTT.


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