Rosslyn Chapel

Teil 1

 

"Wenn der Frater und die Soror eine schmucke Reise tun,

dann können se` was erleben"

Altes deutsches Volkslied

 

 

uwel der holden Mysterien, glänzende Gralsburg des Nordens, dunkles Vermächtnis der Freimaurerei, gelobte Rettungsinsel der Tempeleisen in stürmischer Nacht!

 

Ja..., so klang es unaufhörlich, gleichsam einem magischen Mantra in meinen Ohren, als ich im Sommer 2003 im Gefolge der wunderschönen Soror Scarabella unter dem bedrohlichen, von grellen Blitzen erhellten stürmisch-düsteren Himmel gen Rosslyn Chapel fuhr, diese mysteriöse Kirche, die sich in knapp zwölf Kilometer südlich von Edinburgh in einer öden, unheimlichen Landschaft erhebt.

Was mir an diesem Wetter besonders zu schaffen machte, waren die schrecklichen Temperaturunterschiede. Hier in Schottland waren es meist nur 12 Grad, in Grönland wahrscheinlich viel weniger. Ich durfte gar nicht daran denken!

 

"Mensch, Sublimer Meister des Feuers", schreckte mich Soror Scarabella aus meinen mystischen Träumen, während sintflutartiger Regen wütend gegen die Fensterscheiben hämmerte. "Hörst du mir überhaupt zu, Ritter der königlichen Axt? Ich habe dich gefragt, ob du dich noch an die Nummer des Busses erinnerst, der uns in Edinburgh vom Flughafen zum Hotel kutschiert hatte. Halloooo…, Erde an Captain Kirk…, dreimal die Sechs…!

 

Und so hob ich langsam meinen Kopf, öffnete meine Augen und blickte Soror Scarabella in ihre strahlenden, sanften Augen.

 

Edinburgh, ja Edinburgh!

Ein Synonym für gnadenlose Kälte, eine körperzehrende Krankheit, ein kleines Zimmerchen in einem versifften Hotel, das in einem gewöhnlichen Hotel gerade noch als Wandschrank durchgegangen wäre und Gepäck, das nach einem Umweg über Togo erst nach drei Tagen bei uns eintraf. Ok.., als ausgleichende, sprich karmische Gerechtigkeit regnete es nur einmal, … aber dafür volle drei Tage lang!

 

Stadtansicht im Regen Die Royal Mile, die zum Schlosse zu Edinburgh führt Royal Mile - Treffpunkt aller "Ghosttours" in Edinburgh

Regen...,

Regen..,

Regen...

The Real Mary King's Close The Real Mary King's Close Edinburgh-Dungeon, grrrrr...

Unser lichtdurchflutetes, romantisches Hotel-

 zimmerchen...,

gediegene und saubere Aufenthaltsräume...,

angenehme Zimmernachbarn. Tja, was will man noch mehr?

Hier über genau diese Mauer des Greyfriar Friedhofs stiegen immer William Burke und William Hare, die berühmtesten Leichenflederer Edinburgs, um Leichen ausgraben. Diese verkauften sie anschliessend der medizinischen Fakultät. Wenn mal gerade keine frischen Leichen vorhanden waren, brachten sie auch gleich mal Obdachlose und Streuner um, vermutlich so zwischen 16 - 30 Menschen.  Hergestellt aus der Menschenhaut von William Burke. Die sagenumwogene "Poltergeist-Ghosttour" im Greyfriar Friedhof, wo es laut Veranstalter bereits zu den unterschiedlichsten unerklärlichen Phänomenen gekommen ist.

Was gab es in Edinburgh so zu sehen? Lauschige Friedhöfe...,

ne` Visitenkartenbox aus Menschenhaut...,

behagliche Katakomben und Mausoleen...

 

"Hallooooo…, Sublimer Prinz des königlichen Geheimnisses, die "dreimal die Sechs, bitte!"

 

Hell`s Bell`s

Fährt on the highway to hell...

Jajaa…, Sublimste Wächterin des heiligen Berges, ... also, wie du ja selbst am Besten weisst, finden wir den Ursprung der Zahl 666 in der Apokalypse der frühchristlichen Johannesoffenbarung, wo es da heisst:

 

Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl und seine Zahl ist sechshundert-sechsundsechzig.

Off.13,18

 

… Wobei hier aber gleich mal bescheiden anzumerken ist, dass in einer alternativen Version der Johannesoffenbarung, dem Codex Ephraemi Rescriptus aus dem 5. Jahrhundert, nicht von der 666, sondern von 616 die Rede ist, ätsch...! Möglicherweise aber auch nur ein Schreibfehler.

 

Ehrlich gesagt enttäuscht es mich aber schon ein wenig, edle Trägerin der himmlischen Flamme, dass der Antichrist mit einem öffentlichen Verkehrsmittel in der Weltgeschichte herumkutschiert. Etwas mehr hätte ich von dem alten Tunichtgut schon erwartet. Aber vielleicht ist dies aber auch sein Beitrag zum Klimaschutz!

Hing an einem esoterischen Krimskramsladen

Da wo die bösen, bösen, bösen Hexen

wohnen, boooh...

Wie auch immer, 666 wird analog dieser biblischen Interpretation logischerweise gut und gerne als Zahl des Antichristen und als Zahl des Tieres bezeichnet und besitzt vor allem in der Zahlenmystik, der Kabbala und dem Okkultismus eine mehr oder weniger gewichtige Rolle. Schon All-Läster Crowley, das berühmte magische "Enfant Terrible" des frühen 20. Jahrhundert, titulierte sich grossspurig als "das grosse Tier" 666. Schreck lass nach...!

 

"Einfach cool..., was es alles so gibt, Weiser des goldenen Zweiges von Eleusis!"

 

Wohlauf, grosse Auserwählte des Aeons, bekanntlich ist vor allem esoterischen Schwarmgeistern, bachblütenbenässten Schmalspur-Channelern und rechtsgerichteten christlichen Verschwörungstheoretikern diese Zahl besonders an ihr Herz gewachsen, denn mit dieser Zahl lässt sich bequemerweise nun mal wahllos alles bezeichnen, was sie in ihrer Schwarz-Weissmalerei als "DAS Böse" definieren. Dass dies natürlich nur möglich ist, indem sie alle möglichen Buchstabencodes und Alphabete tüchtig vergewaltigen, sei hier nur mal am Rande erwähnt.

 

Also, was darf es denn sein?

Im Angebot hätten wir heute unter anderem

- Kaiser Nero

- "VICARIVS FILII DEI" (Statthalter des Sohnes Gottes), einen angeblichen Titel des Papstes

- der Strichcode, der heutzutage jedes Produkt auszeichnet

- das World Wide Web (www = Vav, Vav, Vav = 6,6,6)

- Adolf Hitler

- das Wort "Computer"

- Bill Gates III

und selbstverständlich, wie erwähnt,   Aleister Crowley, der alte Satansbraten.

Natürlich hiess Aleister Crowley in Wirklichkeit Edward Alexander Crowley und wie es scheint, waren es eben wohl auch nummerologische Gründe, die ihn veranlassten, seinen Vornamen zu ändern. Edward Alexander Crowley addiert sich halt nun mal nur zu einem weitläufigen Cousin des Tieres der Apokalypse, aber leider nun mal nicht als "Beast himself".

 

Aber auch Sorath, der Geist (Dämon?) der Sonne und   Ommo Satan, die "böse Triade" von Satan-Typhon, Apophis und Besz seien hier erwähnt.

Ok, dies alles kennst man ja schon bis zum Abwinken, aber wer weiss schon, dass im alten und neuen Testament einige Wörter und Sätze stehen, die sich sowohl ergänzend, bisweilen ketzerisch, ja ich würde sogar sagen geradezu blasphemisch, heheheee..., ebenfalls, der kabalistischen Gematria gemäss, zu 666 summieren?

 

Die 666 im Schöpfungsmythos, zum Ersten...

 

Jeremias 10,12

Er ist es, der die Erde gemacht hat durch seine Kraft, der den Erdkreis gegründet durch seine Weisheit und die Himmel ausgespannt durch seine Einsicht,

  Asah Aretz "Er ist es, der die Erde gemacht hat"

 

Jesaja 42,5

So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schuf und sie ausspannte, der die Erde ausbreitete und was ihr entsprosst, der dem Volk auf ihr den Atem gab und den Lebenshauch denen, die auf ihr gehen:

      HaEl YHVH Borah HaShamayim "Gott, der HERR, der die Himmel schuf"

  Raqa HaAretz "der die Erde ausbreitete"

 

1. Moses 1,14

Und Gott sprach: Es sollen Lichter werden an der Wölbung des Himmels, um zu scheiden zwischen Tag und Nacht, und sie sollen dienen als Zeichen und zur Bestimmung von Zeiten und Tagen und Jahren;

  Yahi Moroth "Es sollen Lichter werden"

 

Die 666 im Lustgärtchen Eden, zum Zweiten...

 

1. Moses 3,5

Sondern Gott weiss, dass an dem Tag, da ihr davon esst, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses.

K'Elohim "wie Gott"

 

1. Moses 3,24

Und er trieb den Menschen aus und liess östlich vom Garten Eden die Cherubim sich lagern und die Flamme des zuckenden Schwertes, den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen.

    V'et Lahat HaCherev "und die Flamme des zuckenden Schwertes"

 

Die 666 und allerlei biblischer Tand, inklusive die Wohnadresse Gottes, wohin du deine Reklamation bezüglich verpfuschter Schöpfung hinterlegen kannst, zum Dritten...

 

2. Chronik 35,3

Und er sagte zu den Leviten, die ganz Israel unterwiesen und dem HERRN geheiligt waren: Setzt die heilige Lade in das Haus, das Salomo, der Sohn Davids, der König von Israel, gebaut hat! Ihr braucht sie nicht mehr auf [eurer] Schulter zu tragen. Dient jetzt dem HERRN, eurem Gott, und seinem Volk Israel!

  Arun HaQadosh "die heilige Lade" - Bundeslade

 

3. Moses 8,9

und er setzte den Kopfbund auf sein Haupt und setzte an den Kopfbund, an seine Vorderseite, das blumenförmige Stirnblatt aus Gold, die heilige Krone: ganz wie der HERR dem Mose geboten hatte.

  Nezar HaQadosh "die heilige Krone"

 

Psalmen 18,12

Er machte Finsternis zu seinem Versteck (geheimer Ort) rings um sich her, zu seiner Laube Wasserdunkel, dichtes Gewölk.

Sitrov "geheimer Ort"

 

Hier noch einige sympathische Hinweise, Sublime Meisterin des grossen Werkes,  um fundamentalistische Christen gründlichst davon zu überzeugen, dass ihr christlicher Gott und sein Sohn, die wahren Antichristen sind!

 

Elohikam "dein Gott"

  Shemesh Jehova "Sonne von (ist) Jehova"

  Shem Jeheshuah "der Name Jesu"

 

"Hmmm..., wie war das nochmals, hocherleuchteter und sublimer Herrscher des Tempel des Ostens? Gott lässt sich selbst in seinem Sohnemann hinrichten, um sich selbst mittels dieses Blutopfers mit der verderbten Menschheit zu versöhnen und spricht zu sich selbst am Kreuze: "Oh Herr, warum hat du mich verlassen?" Irgendwie merkwürdig, diese christliche Mär, oder?"

 

Aaaameeen..., Auserwählte Meisterin der Neun!

Natürlich darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass sich selbstverständlich auch mein gutbürgerlicher Vor- und Nachname nach der "Beatus von Liebana-Gematria" ebenfalls zur Zahl 666 summiert.

Doch halt, bevor du mich nun mit deinem toilettenbürstenähnlichen Weihwasserwedel bespritztst, auf dass der Teufel aus mir ausfahre, … ich glaub wir sind schon da!

 

Rosslyn Chapel!

 

Das kleine Pfarrhäuschen am Eingang der

mysteriösen Kapelle. Was uns wohl erwarten

mag?

 

"Einfach der echte Wahnsinn..., wohin du mich mal wieder ausgeführt hast, Subtil-Auserwählter Prinz!" meinte Soror Scarabella ergriffen, während der Hund von dem kleinen Pfarrhäuschen neben uns hertrottete. In diesem Moment liess der Hund einen fliegen. In den verzückten Ohren von Soror Scarabella tönte die Flatulenz wie die Trompete des Erzengels Gabriel.

 

Dieses Gemäuer ist nun also Rosslyn Chapel, das offiziell und weltlich-profan auch als "Collegiate Chapel of St. Matthew" bezeichnet wird.

 

Rosslyn..., altjüngferlich nun mit "Baugerüst" Der gefällige Haupteingang... Rosslyn Chapel anno sowieso...

 

"Cool…, Gross-Auserwählter Kadosh-Ritter! Rosslyn, hmmm…, was dieser Namen wohl bedeuten mag?"

 

Der schmucke Westeingang...

Nun, Kommandeurin des Tempels, vom Namen "Rosslyn" gibt es gleichwohl verschiedene Übersetzungen. Angeblich wird Rosslyn aus dem Gälischen abgeleitet und soll "uraltes Wissen" bedeuten. Eine andere Deutung besagt, dass der Name keltische Wurzeln aufweist und "vom Himmel gefallener Stein" bedeutet.

Tja…, so wird es jedenfalls immer wieder in diversen Grals-und Freimaurerschmonzetten erklärt. Dass aber "Cassel`s Dictionary of Scottish Names" Rosslyn mit "Morast am Tümpel" übersetzt, DIES wird natürlich logischerweise nicht so gerne verkündet und klammheimlich unter den maurerischen Tempelteppich gekehrt.

 

Also, Rosslyn Chapel wurde 1446 von Sir William St.Clair, Baron von Roslin (1410-1484) erdacht und erbaut. Die Bauzeit betrug übrigens biblische 40 Jahre und der Grundriss entspricht dem herodianischen Tempel in Jerusalem. Obwohl die ursprünglichen Pläne seit längerem verschollen sind, vermuten Architekturhistoriker, dass das Gebäude um ein vielfaches grösser werden sollte.

 

Rosslyn ist berühmt-berüchtigt dafür, dass sie eine unglaubliche Fülle von Steinmetzarbeiten und Reliefs besitzt, die, so wird behauptet, nicht nur christliche Motive, sondern auch Elemente aus vorchristlichen Kulten und der Freimaurerei zeigen soll.

 

"Jack in the green" zum Ersten...

So wird uns sogleich am Eingang schon "Jack in the Green", der "Grüne Mann" wohlwollend begrüssen.

 

Tja, viele mag es erstaunen, Ritterin der ehernen Schlange, dass eine Figur heidnischen Ursprungs in Kirchen abgebildet wird. Aber so aussergewöhnlich, wie es immer wieder behauptet wird, ist dies aber keineswegs, denn ähnliche Figuren finden sich sehr oft an verschiedensten Kirchenwänden und Decken, doch das Besondere an Rosslyn Chapel ist die Fülle der dargestellten Figuren, so etwa um die 130 Stück!

 

Nun, der grüne Mann wird bisweilen als Wächter des Waldes gezeichnet und erinnert womöglich an den ewigen Zyklus von Werden und Vergehen, wie er in der Natur zu beobachten ist. Möglicherweise entspringt übrigens auch der Mythos von Robin Hood dem Mythos von "Jack in the Green".

 

"Cool..., Prinz des Lichtes! Erinnerst du dich übrigens noch an die alte "Robin Hood" TV-Serie mit dem Titellied von Clannad?

Hey, hast du mir nicht mal nach einigen Pint of Guinness erzählt, dass dich diese TV-Serie dahingehend beeinflusst, bewogen und inspiriert hat, dich dem Heidentum zuzuwenden und ebenfalls in einer anerkannten heidnischen Gemeinschaft ein Priester des Herne zu werden?"

 

Psssst…, Gross-Hohepriesterin der Thebaner, solch profane Wahrheiten über meine heidnische Laufbahn müssen doch nicht gleich alle wissen! Schweig Weib!

 

"Jean in dö Wald dö grün" zum Zweiten... "Hänschen im Grünen" zum Dritten... "Jack im grünen Wäldchen" zum Vierten...

 

 

und hier geht's weiter...