|
|
Das dritte Buch
Die Sermon oder Rede
Dass
das grösste Übel in dem Menschen die Unerkenntnis Gottes sei

o
laufet ihr doch hin, ihr trunkenen Leute? Ihr, die ihr vom Wein der Unerkenntnis
habt getrunken, welchen ihr doch nicht könnt vertragen, im Fall ihr selber nicht
ausspeit.
Seid doch nüchtern und seht mit
den Augen des Herzens, und wenn ihr alle zusammen solches nicht könnt, so tut es
doch allein, ihr, die ihr es könnt, denn das Böse der Unerkenntnis überschwemmt
den ganzen Erdboden und verdirbt dazu die im Leibe verschlossene Seele, weil sie
derselben nicht zulässt, dass sie in den Hafen des Heils gelange.
Deshalb werdet nicht weggeführt
mit der gemeinen Flut, sondern kehrt wieder um, die ihr könnt, um zu ergreifen
den Hafen des Heils, an denselben haltet euch.
Sucht euch einen Handleiter, der
euch auf den Weg führt zu der Türe des Erkenntnisses, allwo das hellleuchtende
Licht ist, das Reine der Finsternis, da niemand trunken ist, sondern allzusammen
nüchtern sind, sehend mit dem Herzen auf den, der da will gesehen sein: Denn
derselbe kann weder gehört, weder mit Augen gesehen, weder ausgesprochen werden,
sondern alleine mit dem Gemüt und Herzen.
Aber ihr müsst erstlich dies
Kleid, welches ihr tragt, zerreissen, nämlich das Kleid der Unerkenntnis, den
Grund der Bosheit, das Band der Zerbrechlichkeit, den dunklen Umfang des
lebendigen Todes, das empfindliche Aas des Grabes, das wir umtragen, den
Hausdieb, der in der Liebe Hass und in dem Hass Abgunst hat.
Ein solcher ist der feindliche
Rock, den ihr anhabt, hierunter nach sich so ziehend, dass ihr nicht vermögt, in
die Höhe zu sehen, anzuschauen die Herrlichkeit der Wahrheit und das darin
eingewickelte Gut, und dass ihr dessen Bosheit nicht vermögt zu hassen.
Verstehend die Fallstricke, die
dieselbe euch legt, indem Sie die Werkzeuge der Sinne unempfindlich macht,
dieselbe mit viel Materien verstopfend und mit verdammter Wollust erfüllend,
dass ihr nicht könnt hören, dass ihr hören sollt, nach Vermögen zu sehen, was
ihr sehen sollt.


|
|