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Das erste Buch
Hermetis Trismegisti Poimandres
Der gute
Hirte
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So ein Bild hängt vermutlich
auch im Schlafzimmer deiner Grossmutter,
oder?... |

ermes
Einmal, da ich die wesentlichen Dinge betrachtete und mein Gemüt sich erhob, da
verschlummerten die Sinne meines Leibes ganz und gar, gleich wie einer, der von
Speise überladen oder von Arbeit müde mit dem Schlafe überfallen worden.
Und es kam mir vor, als ob ich
jemand sah, der sehr gross und von einer unendlichen Länge, nannte meinen Namen
und zu mir sprach:
Poimandres
Was willst du hören und sehen und was ist, das du in deinem Gemüte gedenkest zu
lernen und zu erkennen.
Hermes
Ich sprach, wer bist du?
Poimandres
Er sprach, ich bin Poimandres, das Gemüt des von sich selbst bestehenden Wesens,
ich weiss, was du begehrest und bin überall mit dir.
Hermes
Ich sprach, ich begehre die wesentlichen Dinge zu lernen, derselben Natur zu
verstehen und zu erkennen.
Poimandres
Wie?
Hermes
Ich sprach, ich will's hören.
Darauf sprach er, halte mich
wiederum in deinem Gemüte, so will ich dich lehren dasjenige, das du untersuchen
willst.
Hermes
Nachdem er solches hatte gesagt, verwandelte er seine Gestalt und von Grund an
wurde mir alles in einem Augenblick eröffnet und ich sah ein unendliches
Gesicht. Es wurde alles zu einem Licht, welches sehr lieblich und erfreuend war
und ich erfreute mich in dem Anschauen.
Kurz darauf entstand in einem
Teile eine Finsternis, die sich davon niederwärts abschied, sie war
erschrecklich und traurig, welche sich in einer Krümme schloss, dabei mir deuchte
in dem Anschauen, dass dieselbe Finsternis würde verändert in eine feuchte und
unaussprechlich verwirrte Natur, welche einen Rauch als vom Feuer und ein
unaussprechlich betrübt Geläut von sich gab.
Darnach brach aus derselben
feuchten Natur hervor eine undeutliche Stimme, die ich hielt für die Stimme des
Lichtes.
Aus dem Lichte stieg noch ein
heiliges Wort auf die Natur: Und das reine Licht erhob sich aus der feuchten
Natur in die Höhe, dasselbe war leicht, durchdringend und mächtig.
Die Luft, die auch leicht war,
folgte dem Geiste und fuhr auf von der Erden und dem Wasser bis an das Feuer,
so
dass es war, als ob sie über dasselbe hingehe.
Die Erde und das Wasser blieben
untereinander vermengt, so dass die Erde wegen des Wassers nicht gesehen wurde
und sie wurden bewegt durch das geistige Wort, welches oben über schwebte.
Poimandres
Das sagte Poimandres zu mir, hast du das Gesicht verstanden, was dasselbe
bedeute?
Hermes
Ich sprach, ich will darüber nachdenken.
Poimandres
Das Licht, sprach er, bin Ich, das Gemüt, Dein GOTT, welcher aus der feuchten
Natur ist, welche aus der Finsternis erschien.
Das aus dem Gemüte leuchtende
Wort, der Sohn GOTTES.
Hermes
Ich sprach, was will das sagen?
Poimandres
Verstehe dasselbe also: Dasjenige, was in dir sieht und hört, ist das Wort des
HERRN, das Gemüt aber ist GOTT der Vater, sie sind aber voneinander nicht
unterschieden, denn derselben beiden Vereinigung ist das Leben.
Hermes
Ich sprach, ich danke dir.
Poimandres
Aber fasse mit dem Gemüte das Licht und erkenne dasselbe.
Hermes
Nachdem er dieses hatte gesagt, haben wir einander eine lange Zeit angesehen,
also dass ich zitterte vor seiner Gestalt.
Aber indem er mich wiederum ansah,
sah ich in meinem Gemüte ein Licht von unzählbaren Kräften und eine in der
Wahrheit unendliche Welt und dass das Feuer mit grosser Kraft geschlossen und
zusammen getrieben und also in Ordnung gebracht würde.
Dieses erkannte ich, da ich das
Wort des Poimandres gesehen, worüber da ich bestürzt war, sprach er wieder zu
mir.
Poimandres
Hast du nun im Gemüte gesehen die ursprüngliche Gestalt, welche vor dem Anfang
von einem unendlichen Anfang ist: Dieses sprach Poimandres zu mir.
Hermes
Ich sprach, woraus sind die Elemente der Natur zusammengesetzt?
Darauf antwortet er, der Rat
GOTTES, der das Wort empfangen und die schöne Welt angesehen hat, hat dieselbe
nachgeahmt und also durch sein eigenes Element und die Ausfliessung der Seelen
die Welt geschaffen.
Aber das Gemüt (GOTT), welches
Mann und Weib, Leben und Licht ist, hat durchs Wort eine andere wirkende Natur
geboren, welche (sind des Feuers und des Geistes GOTT) sieben Regenten gemacht
hat, so die empfindliche Welt in Circulen umfassen, deren Regierung Fatum oder
Schicksal genannt wird.
Von Stund an ist aus denselben
heruntergesunkenen Elementen GOTTES das Wort GOTTES zu einem reinen Werk der
Natur hervorgekommen, welches mit dem wirkenden Gemüte ist vereinigt worden,
dieweil er mit demselben eines Wesens war.
Und die heruntergesunkenen
Elemente der Natur wurden ohne Vernunft gelassen, auf dass sie alleine die
Materie wurden.
Aber das wirkende Gemüt samt dem
Wort, welches die Circule umfasst und mächtig treibt, hat sein Wirken drehend
gemacht und bestimmt, dass solcher von dem Anfang ohne Anfang bis an das Ende
ohne Ende umgetrieben werde, denn sie fangen alle allezeit an, allwo sie sich
endigen.
Die Drehung der Werke hat nach dem
Willen der Gemüter aus den heruntergesunkenen Elementen die unvernünftigen Tiere
gezeugt, denn sie selbst hatten keine Vernunft.
Die Luft hat das Fliegende
hervorgebracht und das Wasser das Schwimmende, und das Wasser und die Erde sind
voneinander geschieden, so wie es das Gemüt gewollt hat! Da dann die Erde die
Tiere, die sie gehabt, von sich gegeben hat, nämlich vierfüssige, kriechende,
wilde und zahme.
Aber der Vater aller Dinge (das
Gemüt sind Leben und Licht) hat den Menschen sich gleich geboren und ihn geliebt
als sein eigen Geburt, denn er war sehr herrlich und trug des Vaters Ebenbild,
gewisslich GOTT hat seine eigene Gestalt geliebt und alle seine Werke an
denselben übergeben.
Aber als dieser die Schöpfung des
Werkmeisters in dem ganzen Wesen sich hatte zu Gemüte geführt, da wollte er auch
selbst Werkmeister sein: Darum wurde er von dem Vater abgesondert und den
wirkenden Kreisen einverlassen.
Und indem er alle Gewalt hatte,
merkte er die Werke der sieben Regenten an, welche ihn dann geliebt und ein
jeder seiner Ordnung teilhaftig gemacht hat.
Nachdem er ihr Wesen hatte erlernt
und ihrer Natur teilhaftig geworden war, so wollte er den Umlauf der Circulen
durchgründen und die Gewalt desjenigen, der über das Feuer ist, mit dem Gemüte
begreifen.
Und nachdem er über die
sterblichen und unvernünftigen Tiere der Welt alle Gewalt hatte, durch die
Erforschung der Einstimmung der Dinge wollte er auch die Kraft der Circulen
durchbrechen, da sah er ganz tief durch die Zusammenstimmung und bewies, dass die heruntergesunkene Natur sei ein schönes Bild GOTTES.
Als er dieselbe gesehen, welche in
ihr selbst unersättliche Schönheit, alle Wirkung der Regenten und das Bild
GOTTES hatte und aus Liebe lachte, indem sie das Bildnis von der
allerherrlichsten Gestalt (nämlich der Menschen) in dem Wasser sah und dessen
Schatten in der Erden.
Und indem er sah seine
gleichförmige Gestalt in ihm selbst im Wasser, gewann er sie lieb und begehrte
ihr beizuwohnen, da denn von Stund an der Wille durch das Werk geschehen und hat
ein unvernünftiges Bild geboren.
Die Natur hat ihren Geliebten
umfangen und sich ganz und gar in ihn geflochten und sind beide miteinander
vermengt worden, dieweil sie einer den andern hatten lieb gewonnen.
Und darum ist der Mensch über alle
anderen Geschöpfe auf Erden zweifältig, nämlich sterblich dem Leibe nach und
unsterblich nach dem wesentlichen Menschen.
Denn ob er schon unsterblich ist
und die Gewalt aller Dinge hat, noch dennoch leidet er die sterblichen Dinge,
welche dem Schicksal unterworfen sind, und obwohl er vornehmer ist als die
Zusammenstimmung, so ist er doch ein Knecht von derselben geworden, aber Mann
und Weib aus dem Vater, der Mann und Weib ist, und herrschet ohne Schlaf von
dem, der ohne Schlaf ist.
Darnach sprach mein Gemüt, ich
liebe diese Rede.
Aber Poimandres sagte: Das ist bis
auf diesen Tag ein verborgenes Geheimnis, denn als die Natur sich hatte mit dem
Menschen vermengt, hat sie ein Wunder über alle Wunder zum Vorschein gebracht.
Denn als der Mensch die Natur der
Zusammenstimmung der sieben Regenten von demselben, welchen ich genannt habe
(nämlich von dem Feuer und von dem Geist), hatte, so blieb sie nicht stille,
sondern gebar von Stund an sieben Menschen nach der Natur der sieben Regenten,
die Mann und Weib und hoch erhöht waren.
Hierauf sagte ich, o Poimandres!
ich habe grosse Begierde, und mich verlangt dasselbe zu hören, mache doch keinen
Umschweif.
Aber Poimandres sprach: Schweig,
denn ich habe die erste Rede noch nicht ausgeführt.
Ich sprach: Siehe, ich schweige.
Die Geburt demnach von den sieben,
gleich wie ich gesagt habe, ist auf eine solche Weise geschehen: Die weibliche
Luft und das schwebende Wasser hat aus dem Feuer die Reifung und aus der
allerreinsten Luft den Geist genommen, und die Natur hat zu dem Bilde des
Menschen den Leib hervorgebracht.
Aber der Mensch ist aus dem Leben
und dem Lichte zur Seele und zum Gemüt geworden, aus dem Leben zu einer Seele
und aus dem Lichte zu einem Gemüte, und wurde also über alle Glieder der
empfindlichen Welt bis an das Ende des Umkreises herrschend und gebärend.
Nun höre auf die Rede, die du
gerne hören willst, nachdem der Umkreis war angefüllt, wurde nach dem Rat GOTTES
von allen Dingen der Bund aufgelöst, denn alle Tiere, die Mann und Weib sind,
wurden zugleich mit dem Menschen aufgelöst und das eine Teil wurde männlichen
und das andere Teil aber weiblichen Geschlechtes.
Und GOTT sprach durch sein
heiliges Wort von nun an: Wachset in Wachstum und vermehret euch in der
Vermehrung, alle ihr Geschöpfe und Werke, und der das Gemüt in sich hat oder
verständig ist, der erkenne sich selbst, dass er unsterblich sei und wisse,
dass
die Liebe zu dem Leibe die Ursache des Todes sei, und erkenne alle
Eigenschaften.
Und als GOTT dieses hatte
gesprochen, hat die Vorsehung durch das Schicksal und die Zusammenstimmung die
Vermengung eingeführt und die Gebärung eingesetzt, und alle Dinge sind in ihrem
Geschlechte vermehrt worden, und der sich selbst hat erkannt, der ist in das
Gute (welches über alles Gute ist) gekommen, aber der aus Verleitung der Liebe
den Leib hat geliebt, der bleibt in der Finsternis irrend und leidet
empfindlicherweise das, was des Todes ist.
Ich
sprach, was haben die Unwissenden so hart verschuldet, dass sie der
Unsterblichkeit beraubt werden?
O du! Es scheint, dass du dasjenige
nicht hast verstanden, was du gehört.
Ich habe dir zwar nicht gesagt,
dass ich's verstehe, ich verstehe es aber dennoch und erinnere mich desselben.
Wohl dir, wenn du es verstanden
hast.
Ei, lieber sage mir, warum sind
diese des Todes würdig, die in dem Tode sind, ist's darum, weil vor dem Leibe
eine traurige Finsternis vorhergeht, aus welcher die feuchte Natur und aus
derselben der Leib in der empfindlichen Welt gemacht ist, woraus der Tod
entsteht?
Dieses hast du nun recht
verstanden: Aber wie kommt der zu GOTT, der sich selbst erkennt, wovon das Wort
GOTTES spricht?
Ich sagte: Weil der Vater aller
Dinge, aus welchem der Mensch gemacht ist, aus Licht und Leben besteht.
Wie sprichst du so? GOTT und der
Vater, aus welchem der Mensch geboren, ist Licht und Leben: Wenn du deshalb
wirst lernen, wie du aus Licht und Leben bestehst, so wirst du wieder in das
Leben eingehen, also sprach Poimandres.
Aber sage mir dennoch, sprach ich,
wie soll ich in das Leben eingehen? O mein Gemüt! Denn GOTT sprach: Der Mensch,
der das Gemüt hat, erkenne sich selbst haben denn nicht alle Menschen das
Gemüt?
Wie sprichst du so! Denn ich, das
Gemüt, komme allein zu den Heiligen, Guten, Reinen, Barmherzigen und die
gottesfürchtig leben, und meine Gegenwart ist ihre Hilfe, also dass sie von Stund
an alles erkennen und in Liebe den Vater bitten und ihm Dank, Lob und Preis
sagen und ihre Liebe zu ihm alleine richten, und ehe sie den Leib an ihren Tod
über geben, die Sinne hassen, weil derselben Werke ihnen wohlbekannt sind.
Ja, ich, das Gemüt, lass es nicht
zu, dass solche verfallene Wirkungen des Leibes zum Ende gebracht werden: Ich
schliesse gleich einem Türwächter den Eingang vor den bösen Lüsten zu und
schneide ab die Gedanken der schändlichen Werke.
Aber von den Unverständigen,
Bösen, Untugendhaften, Neidischen, Geizigen, Totschlägern und Gottlosen bin ich
weit entfernt, ich übergebe dieselben dem Straf-Geiste, der sie, die Schärfe des
Feuers brauchend, empfindlicherweise verletzt und zu Unordnungen noch mehr
waffnet, wodurch sie grössere Strafe empfangen und hören nicht auf, aus
unersättlichen Lüsten und Begierden im Finstern zu tappen solchergestalt
verdirbt und peinigt er sie mit mehr und mehr Überhäufung des Feuers über sie.
O Gemüt! Du hast mich alles, so
als ich wollte, gelehrt: Sage mir doch noch von der Wiederkunft, welche nach
diesem geschieht.
Poimandres sprach: Erstlich wird
in der Auflösung des stofflichen Leibes der Leib selbst der Veränderung
übergeben, und die Gestalt, die er gehabt hat, wird unsichtbar, und die
werk-losen Sitten werden dem Genio übergeben, und die Sinne des Leibes kommen
wiederum in ihren Ursprung, und wenn sie zu Teilen gemacht sind, so werden sie
wiederum in ihre Wirkung gesetzt.
Der Zorn und die Begehrlichkeit
gehen in die unvernünftige Natur, und also fährt er endlich in die Höhe durch
die Zusammenstimmung und gibt an den ersten Kreis die zu- und abnehmende Kraft,
an den zweiten, die Ausübung des Bösen und den werk-bösen Betrug.
An den dritten, ebenfalls die werk-böse begierliche Kraft.
An den vierten, die regier-böse Lust zu regieren.
An den fünften, die unheilige Kühnheit und ruchlose Verwegenheit.
An den sechsten, die böse Anreizung zu werk-bösem Reichtum.
An den siebenten Kreis, die niederliegenden Lügen.
Und alsdann, wenn er von der
Wirkung der Zusammenstimmung entblösst ist, kommt er zu der achten Natur und hat
seine eigene Kraft und lobet den Vater mit denjenigen, die allda sind und sich
auch mit ihm über seine Ankunft erfreuen.
Und wenn er denselben ist
gleichgeworden, so hört er auch die Kräfte, die über der achten Natur sind, mit
ihren eigenen Stimmen GOTT loben.
Und dann steigen sie in der
Ordnung weiter zu dem Vater und begeben sich selbst unter die Kräfte, und wenn
sie Kräfte geworden sind, kommen sie in GOTT. Und das ist das gute Ende von
denjenigen, die Erkenntnis haben, nämlich, dass sie vergöttert werden.
Nachdem Poimandres solches hatte
gesagt, vermengte er sich unter die Kräfte, ich aber dankte und lobte den Vater
aller Dinge, durch welchen ich war kräftig geworden aufzustehen und gelehrt
worden aller Dinge Art oder Natur und auch das grosse Gesicht zu erkennen, und
fing an, die Herrlichkeit der Gottseligkeit und der Erkenntnis mit erhobener
Stimme dem Menschen zu verkünden.
O! Ihr Völker, ihr irdischen
Menschen, ihr, die ihr euch selbst zu der Trunkenheit, zu dem Schlaf und zu der
Unerkenntnis Gottes begeben habt! Seid nüchtern und hört von dem Prassen doch
einmal auf, und lasst euch den unvernünftigen Schlaf nicht so sehr gefallen.
Da sie solches hörten, kamen sie
einträchtig zu mir, und ich sprach weiter: O ihr Irdische, warum habt ihr euch
selbst in den Tod gegeben! Da ihr doch Macht habt, der Unsterblichkeit
teilhaftig zu werden.
Bekehrt euch doch, ihr, die ihr
mit dem Irrsal seid umgeben und mit der Unwissenheit verfinstert worden! Weicht
vor dem dunklen Licht, werdet der Unsterblichkeit teilhaftig, verlasst die
Verderblichkeit.
Doch etliche von ihnen gingen
spottend weg und begaben sich auf den Weg des Todes.
Die andern baten mich, dass ich sie
möchte lehren und fielen mir zu Fuss, aber ich befahl ihnen aufzustehen und wurde
ein Führer des menschlichen Geschlechtes.
Ich lehrte sie Mittel und Wege,
wie und auf welche Weise sie möchten behalten werden, ich pflanzte in sie Worte
der Weisheit und tränkte sie mit Himmelswasser.
Aber wie es Abend wurde und der
Sonnenschein anfing ganz unterzugehen, befahl ich ihnen, GOTT zu danken, und
nach vollbrachter Danksagung kehrte ein jeder wiederum nach seinem eigenen Ort.
Ich aber schrieb Poimandres
Gütigkeit in mich, und als ich damit nach meinem Begehren erfüllt war, so hatte
ich über die Massen grosse Freude, denn des Leibes Schlaf wurde die Nüchternheit
der Seelen, das Zutun der Augen, das wahrhaftige Anschauen, mein Stillschweigen,
die Schwängerung des Guten, die Ausbrechung der Rede.
Dieses ist mir widerfahren, wie
ich solches empfangen habe von meinem Gemüt, das ist, gleich wie ich vom
Poimandres (dem Worte des von sich selbst bestehenden Wesens) göttlich bin
angeblasen und der Wahrheit teilhaftig geworden, darum lobe ich GOTT den Vater
von Herzen und allen Kräften.
Heilig ist GOTT, der Vater alles
Wesens, heilig ist GOTT, wessen Rat von seinen eigenen Kräften vollbracht wird.
Heilig ist GOTT, der da will erkannt sein und von den Seinen erkannt wird.
Heilig bist du, der du durch das
Wort alles hast zusammengesetzt. Heilig bist du, dessen Bildnis die ganze Natur
ist geworden, heilig bist du, der du von der Natur angebildet bist heilig bist
du, der du stärker bist als alle Kräfte. Heilig bist du, der du grösser bist als
alles, heilig bist du, der alles Lob übertrifft.
Nimm auf das vernünftige und reine
Opfer von meiner Seele und von meinem Herzen, die zu mir gerichtet sind, du, der
du unsäglich, unaussprechlich und allein in der Stille genannt wirst, wir bitten
dich, dass wir von der Erkenntnis nicht abgeführt werden.
Neige dich zu mir, stärke mich und
erleuchte doch auch mit dieser Gnade diejenigen, die noch in Unwissenheit sind,
nämlich die von meinem Geschlechte, Brüder und deine Söhne.
Darum glaube ich dir und bezeuge
es und gehe in das Leben und Licht. Hochgebenedeit bist du, Vater, dein Mensch
begehret zugleich mit dir geheiligt zu werden, gleich wie du ihm alle Macht
gegeben hast.


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