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Das andere Buch Hermetis
Das Gemüt an Hermes

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Gemüt
Sei stille, du allergrösster Mercuri und erinnere dich dessen, was da gesprochen
ist, was mir ist eingefallen, will ich dir ohne Verzug offenbaren.
Hermes
Wiewohl vielerhand so viele und so unterschiedliche Sachen von diesem ganzen
Wesen und von GOTT auf die Bahn gebracht, dennoch habe ich die Wahrheit davon
nicht vermocht zu lernen, erklärt mir doch solches, mein Herr, denn die allein
will ich in Erklärung dieser Dinge glauben.
Das Gemüt
Darauf sprach das Gemüt: Höre mir zu, mein Sohn, wie sich GOTT und all das Wesen
verhält, GOTT, die Ewigkeit, die Welt, die Zeit, die Geburt.
GOTT macht die Ewigkeit, die
Ewigkeit macht die Welt, die Welt macht die Zeit, die Zeit macht die Geburt.
Das Gute, das Herrlichste, die
Seligkeit, die Weisheit ist das Wesen GOTTes, das Wesen der Ewigkeit ist die Dauersamkeit, das Wesen der Welt ist die Ordnung, das Wesen der Zeit ist die
Verwandlung, und das Wesen der Geburt ist Leben und Tod.
Die Wirkung GOTTes ist das Gemüt
und die Seele, die Wirkung der Ewigkeit ist das allezeit Dauern und
Unsterblichkeit, die Wirkung der Welt ist das Aufrichten oder Machen und das
Zerstören oder Brechen, die Wirkung der Zeit ist das Ab- und Zunehmen, die
Wirkung der Geburt ist die Eigenschaft.
Darum so ist in GOTT die Ewigkeit,
in der Ewigkeit die Welt, in der Welt die Zeit, in der Zeit die Geburt.
Und die Ewigkeit steht rundum um
GOTT die Welt wird in der Ewigkeit bewegt, die Zeit in der Welt beschlossen,
und die Geburt ist in der Zeit.
Der Ursprung aller Dinge ist GOTT,
das Wesen desselben die Ewigkeit, und von dieser ist die Materie der Welt.
Die Kraft GOTTes ist die Ewigkeit,
und das Werk der Ewigkeit ist die Welt, welche nicht etwa einmal gewesen,
sondern noch allezeit von der Ewigkeit ist, darum sie auch nimmermehr vergeben
wird, denn die Ewigkeit ist unvergänglich, gleichwie auch nichts von den Dingen,
die in der Welt sind, vergehen wird, dieweil die Ewigkeit die Welt in sich
begreift.
Hermes
Aber was ist GOTTes Weisheit?
Das Gemüt
Das Gute und das Herrliche, Heilige und die Seligkeit und alle Tugenden und die
Ewigkeit.
So gibt demnach die Ewigkeit der
Materie die Unsterblichkeit, und das allezeit beständig, denn derselben Gebühr
besteht von der Ewigkeit, wie die Ewigkeit von GOTT besteht.
Denn die Geburt und Zeit in dem
Himmel und auf Erden sind zweierlei Naturen, in dem Himmel sind sie
unveränderlich und unvergänglich, aber auf Erden veränderlich und vergänglich.
Und GOTT ist die Seele der
Ewigkeit, die Ewigkeit die Seele der Welt, der Himmel die Seele der Erde.
Und GOTT ist in dem Gemüt, das
Gemüt in der Seele, die Seele in der Materie, und dies alles durch die Ewigkeit.
Und dieser ganze Leib, in welchem
alle Leiber sind, ist voll von Seelen, die Seele ist voll der Gemüter und voll
GOTTes.
Inwendig erfüllt sie den Leib,
auswendig umfasst sie denselben und macht das ganze Wesen lebendig, nämlich von
aussen dieses vollkommene Geschöpf oder Tier, die Welt: und inwendig alle
anderen Geschöpfe oder Tiere, und über das bleibt sie in dem Himmel in ihrer
Selbstheit, und unten auf Erden verwandelt sie die Geburt.
Dieses alles begreift die
Ewigkeit, es sei nun (wie jemand meinen möchte) durch eine Notwendigkeit oder
durch eine Vorsehung oder durch eine Natur oder durch etwas anderes, so ist es
doch alles der wirkende GOTT.
Es ist aber die Wirkung GOTTes
eine über alle Massen grosse Kraft, welcher nichts Menschliches noch Göttliches
kann verglichen werden.
Darum, lieber Hermes, musst du gar
nicht meinen, dass irgend etwas von den Dingen, die hiernieden, oder etwas von
denen, die da oben sind, GOTT gleich sei, sonst würdest du von der Wahrheit
abweichen, denn demselben, welcher keinen gleichen hat und allein einzeln und
einer ist, ist nichts gleich.
So musst du auch nicht meinen,
dass er einem andern in der Kraft weiche, denn wer ist ihm gleich, es sei im
Leben, in der Unsterblichkeit, Veränderung und Eigenschaft?
Denn was sollte er sonst machen?
GOTT ist nicht ledig oder müssig, denn sonst sollten alle Dinge ledig oder
müssig sein, indem alle Dinge voll in GOTT sind.
In der Welt ist auch nirgends eine
Ledigkeit oder Unwirklichkeit, denn Ledigkeit ist ein Name, welcher leer oder
ledig ist von jemand, der da macht, und von etwas, das gemacht wird.
Es müssen demnach durchgehend alle
Dinge gemacht werden, allezeit und nach der Natur eines jeden Ortes.
Denn der Schöpfer wohnt in allen
Dingen und nicht in einem einzigen allein, macht auch nicht allein ein einziges,
sondern alle Dinge.
Denn nachdem er eine wirkende
Kraft ist, so ist er genügsam oder bestandt, alle Dinge zu machen, und die
gemacht werden, sind unter ihm.
Siehe durch mich diese Welt an,
die deinem Gesicht ist vorgestellt, und betrachte gründlich ihre Herrlichkeit,
es ist durchgehend ein unverwelklicher Leib, von welchem nichts eher oder älter
ist, allezeit jung und blühend.
Siehe auch die oben gesetzten oder
gepflanzten sieben Welten an, welche mit ewiger Ordnung geziert sind und mit
unterschiedlichen Läufen die Ewigkeit anfüllen, welches alles voll Licht, doch
nirgends ein Feuer ist.
Denn die Freundschaft und die
Vermischung von streitigen und ungleichen Dingen ist ein Licht geworden, welches
erleuchtet wird von der Wirkung GOTTes, dem Gebärer alles Guten und dem Haupte
aller Ordnung und dem Fürsten der sieben Welten.
Siehe den Mund, den Vorläufer
aller dieser Welten, an, das Werkzeug der Natur und der die Materien hier unten
verwandelt.
Siehe die Erde an, welche in der
Mitte des ganzen Wesens ist und zu einem Grund der herrlichen Welt ist befestigt
worden, eine Ernährerin und Säug-Amme der Dinge, welche auf Erden sind.
Siehe die Vielheit der
unsterblichen wie auch der sterblichen Geschöpfe oder Tiere, wie gross dieselbe
ist und wie der Mond in der Mitte zwischen beiden, den Sterblichen und
Unsterblichen, rundum läuft.
Wie alle Dinge voll sind von
Seelen und alle Dinge nach ihrer eigenen Art bewegt werden, nämlich jene um den
Himmel und diese um die Erde, und die zur rechten Seite, nicht zur linken, noch
die zur linken zu der rechten, noch die obere zu der unteren, noch die untere zu
der oberen.
Dass nun alle diese Dinge geboren
sind, allerliebster Hermes, solches hast du nicht nötig, ferner von mir zu
lernen, denn es sind ja Leiber, haben eine Seele und werden bewegt.
Aber dass dieselben ineinander
können zusammengehen, ohne jemand, der dieselben also zusammen versammelt, ist
ganz unmöglich, so muss denn da jemand sein, der solches tut und dieser muss
ein einziger sein.
Denn nachdem sehr unterschiedene
und viele Bewegungen, wie auch die Leiber einander nicht gleich sind, und aber
in allem nur eine einzige Geschwindigkeit ist ordinieret, so ist es unmöglich,
dass zwei oder mehr Macher oder Werkmeister können sein.
Denn eine einzige Ordnung allein
wird bei vielen (verstehe Werkmeistern) nicht in acht genommen oder gehalten,
sondern wenn derselben viele wären, so würde bei den Schwächsten ein Eifer
entstehen gegen denjenigen, welcher vortrefflicher würde sein, woraus Zwist und
Zwietracht erfolgen würden.
Und wenn ein anderer der Schöpfer
wäre der veränderlichen und unsterblichen Geschöpfe oder Tiere, so würde
derselbe auch die unsterblichen wollen schaffen, gleich wie der Schöpfer der
Unsterblichen würde begehren die Sterblichen zu schaffen.
Gesetzt, dass ihrer auch zwei
wären (da doch nur eine Materie ist), bei welchem von ihnen sollte das Amt der
Schöpfung sein? Im Fall es vielleicht bei allen beiden sollte sein, bei welchem
sollte denn das grösste Teil sein?
Doch führe dir zu Gemüte, dass
dieser ganze lebendige Leib seine Zusammenknüpfung habe aus der Materie und der
Seelen, sowohl als das Sterbliche und das Unsterbliche oder das Vernünftige.
Denn alle lebendigen Leiber sind
beseelt, aber die nicht leben, die sind an sich selbst eine blosse Materie,
gleicher Gestalt als die Seele, an ihr selbst dem Schöpfer beigefügt, die
Ursache des Lebens ist und auch einigermassen der Urheber von dem Unsterblichen.
Wie sind denn die sterblichen
Tiere voneinander unterschieden? Und wie sollte dasjenige, welches unsterblich
ist und Unsterblichkeit macht, auch nicht die Tiere machen.
Dass demnach jemand sei, der dies
macht, das ist klar, und dass es nur ein einziger sei, solches ist das
Offenbarste, denn es ist nur eine Seele, nur ein Leben, nur eine Materie.
Hermes
Aber wer ist dieser?
Das Gemüt
Wer sollte es anders sein, als nur der einzige GOTT, denn wo ist jemand anders,
welcher sollte können beseelte Tiere machen denn GOTT alleine,
deshalb ist
daraus nur ein einziger GOTT.
Dies ist das allerlächerlichste,
du bekennst, dass da sei nur eine Welt, nur eine Sonne, nur ein Mond, nur eine
Gottheit, willst du denn, dass mehr denn ein GOTT sei? Er macht doch ja alles
selbst einzig und allein in vielen.
Wie sollte es doch GOTT schwer
fallen, das Leben, die Seele, die Unsterblichkeit und die Veränderung zu machen,
nachdem du selbst so viel Dinge machst.
Denn du siehst, du sprichst, du
hörst, du riechst, du schmeckst, du fühlst, du wandelst, du verstehst, du
atmest, und es ist dennoch kein anderer, der da sieht, kein anderer, der da
hört, kein anderer, der da spricht, kein anderer, der da fühlt, kein anderer,
der da riecht, kein anderer, der da geht, kein anderer, der da versteht, kein
anderer, der da Atem holt, sondern nur ein einziger ist alles dasselbe.
Auch ist es unmöglich, dass einige
Dinge ohne GOTT könnten sein: Denn gleich wie du, wenn du von diesen Dingen
entledigt bist, nicht mehr ein Tier bist, also auch, wenn GOTT von diesen Dingen
entblösst stünde (welches doch zu sagen unerlaubt ist), so wäre er nicht mehr
GOTT.
Denn wenn bewiesen würde, dass er
nichts vermöchte, so würde auch bewiesen sein, dass er kein GOTT wäre.
Denn im Fall, da etwas wäre, das
er nicht machte, so wäre er (das auch unbillig ist zu sagen) unvollkommen: Weil
er aber gar nicht leer, sondern vollkommen ist, darum so macht er alle Dinge.
Lieber Hermes! Ergib dich mir eine
kleine Zeit, so wirst du leicht verstehen, dass dieses das nötige Werk GOTTes
sei, dass alle Dinge werden, die da werden, welche entweder schon geworden sind
oder noch künftig werden sollen.
Mein Allerliebster! Dies ist das
Leben, dies ist das Herrlichste, dies ist das Gute, dies ist in GOTT.
Wenn du dieses auch in der Tat
willst verstehen, so besiehe das, was dir begegnet, wenn du zeugen willst:
Obwohl dieses jenem nicht gleich ist, denn er wird von Wollust nicht gerührt und
hat auch zu seinem Werke keine andere Hilfe.
Denn nachdem er Werkmeister ist,
so ist er allezeit wirkend und ist selbst dasjenige, was er macht: Denn im Fall
er von demselben würde abgesondert, so müsste notwendig alles einfallen, alles
sollte müssen sterben, aus Ursache, weil dabei kein Leben wäre.
Aber weil alles lebt und dennoch
nur ein einziges Leben ist. so ist denn auch nur ein einziger GOTT, und wiederum
nachdem alles lebt, beides, was in dem Himmel und auf Erden ist (und dennoch nur
in allem nur ein einziges Leben ist), so wird dasselbe von GOTT sein, ja es ist
selbst GOTT: Darum wird alles von GOTT.
Das Leben ist eine Vereinigung des
Gemütes und der Seelen: Es ist aber der Tod nicht eine Verderbung von den
zusammengesetzten Dingen, sondern eine Auflösung von der Vereinigung.
Darum ist die Ewigkeit das Bild
GOTTes und die Welt das Bild der Ewigkeit, die Sonne das Bild der Welt, der
Mensch das Bild der Sonne.
Das gemeine Volk nennt allein die
Veränderung einen Tod. weil das Leben wird aufgelöst und das Leben in das
Verborgene eintritt.
Mein allerliebster Hermes! Ich
sage demnach, gleichwie du hörst, dass die Welt wohl wird verändert, weil
täglich ein Teil derselben in das Verborgene geht, aber nicht so, dass dieselbe
wird aufgelöst.
Und das sind die Passionen oder
Leidenschaften der Welt, nämlich die Umläufe und die Verbergungen, das Umlaufen
ist die Veränderung, und die Verbergung ist die Erneuerung.
Die Welt ist allbildlich, nicht
dass sie die Gestalt ausser sich hat, sondern weil sie dieselbe in sich selbst
verwandelt.
Nachdem nun die Welt allbildlich
ist, was soll dann der Schöpfer sein? Bildlos kann er gleichwohl nicht sein, ist
er denn auch allbildlich, so muss er der Welt gleich sein, hat er denn nur eine
Gestalt, so ist er in diesem Stücke weniger als
Was sagen wir dann, dass er sei?
Auf dass wir die Rede nicht zweifelhaft stellen, denn dass man von GOTT
versteht, ist nicht zweifelhaft.
Überdies hat er nur eine Gestalt,
welche ihm eigen ist, welche ihm gleich, doch als unleiblich mit den Augen nicht
gesehen wird, aber durch die Leiber alle Gestalten an den Tag legt.
Und verwundere dich nicht, dass da
eine unleibliche Gestalt sei, denn sie ist gleich als die Gestalt der Rede und
die Ränder oder Züge der Schriften, welche wohl scheinen, als ob sie
hervorragten, aber von Natur gleich und glatt sind.
Doch überlege, welches noch freier
(dennoch sehr wahrhaftig) gesagt wird: Gleichwie der Mensch ohne das Leben nicht
leben kann, also sollte GOTT auch nicht können leben, wenn er nichts Gutes
machte: Denn dies ist gleichsam das Leben und die Bewegung GOTTes, dass er alles
bewegt und lebendig macht.
Doch etliche Dinge, von welchen
wir reden, haben ihren eigenen Verstand, darum begreife dasselbe also, wie ich
dir's sage.
Alle Dinge sind in GOTT: Nicht als
in einem Orte beiseite gelegt: Denn ein Ort ist ein Leib und unbeweglich,
dasjenige, was in demselben ist, hat auch keine Bewegung, denn es liegt anders
in dem Unleiblichen, anders in der Einbildung.
Betrachte denjenigen, der alle
Dinge begreift, und überlege, wie dass da nichts sei, welches mehr begreife oder
umfasse, nichts geschwinder, nichts mächtiger sei denn das Unleibliche, so dass
es das meistbegreifende, das allergeschwindeste, das allermächtigste unter allen
Dingen ist.
Und gedenke also von dir selbst
und befehle deiner Seele, dass sie nach Indien reise, allwo sie eher, als du
befohlen, sein wird.
Befehle ihr über den Ozean zu
fahren, sie wird alsbald geschwinde da sein, nicht als aus dem einen in den
andern Ort sich versetzende, sondern alsbald als da selbst seiende.
Befehle ihr in den Himmel
aufzufliegen, sie wird keine Flügel nötig haben, ihr wird auch nichts im Wege
sein, weder das Feuer der Sonne noch die Luft, weder die Umwälzungen, weder die
Leiber von den ändern Gestirnen, sondern sie wird alles durchdringen und bis an
den letzten Leib auffliegen.
Im Fall du auch dieses ganze Wesen
willst durchbrechen und das, was ausserhalb der Welt ist (wenn etwas ausser ihr
ist), anschauen, so ist dir solches zugelassen.
Deshalb siehe, wie grosse Macht,
wie grosse Geschwindigkeit du hast, kannst du dies alles zusammen tun, und GOTT
sollte dasselbe nicht tun können?
Darum betrachte GOTT auf eine
solche Weise, wie er alle verständigen Geschöpfe in sich hat, nämlich die ganze
Welt selbst.
Im Fall du dich selbst also GOTT
nicht kannst gleichmachen, so kannst du GOTT nicht verstehen, denn gleich wird
verstanden von seinesgleichen.
Du musst dich zu einer
unermesslichen Grösse machen und von allen Leibern ausspringen, dich über alle
Zeit erheben und die Ewigkeit werden, so wirst du GOTT verstehen.
Du musst in dir nichts Unmögliches
glauben zu sein, dich auch selbst unsterblich achten und dass du mächtig seiest,
zu verstehen alle Kunst, alle Wissenschaft und Eigenschaft von allen Geschöpfen.
Du musst höher werden als alle
Höhen und niedriger als alle Tiefen.
Fasse in dir zusammen alle Sinne
der gemachten Dinge, des Feuers, des Wassers, der Trockenheit, der Feuchte, und
dass du überall zugleich seiest auf Erden, im Meer, im Himmel, dass du noch
ungeboren, dass du noch im Mutterleibe seiest, dass du noch jung, dass du alt,
dass du tot seiest und das, was nach dem Tode folgt, so wirst du dies alles
zugleich verstehen, die Zeiten, den Raum, die Werke, die Eigenschaft und die
Grösse: Solltest du denn GOTT nicht verstehen?
Aber wirst du deine Seele im Leibe
verschliessen, dieselbe verkleinern, und wollest sagen, ich verstehe nichts, ich
kann nichts, ich fürchte das Meer, in den Himmel kann ich nicht steigen, ich
weiss nicht, wer ich bin, weiss auch nicht, wer ich werde sein: Was geht dich
dann GOTT an?
Du kannst doch von den herrlichen
und guten Dingen nichts verstehen, weil du den Leib liebst und böse bist: Denn
GOTT nicht zu kennen, ist eine dreifache Bosheit.
Aber zu kennen und zu wollen
bekennen und hoffen, solches ist der rechte und göttliche Weg, der zum Guten
leitet, der dir überall, wohin du gehst, eben und leicht wird begegnen und vor
dir überall wird gesehen werden, auch wenn du nicht darauf gedenkst, es sei, du
wachst oder schläfst, du reist zu Wasser oder zu Lande, es sei bei Tage oder bei
Nacht, du sprichst oder schweigst, denn es ist nichts, welches nicht ein Bildnis
der Gottheit sei.
Weiter, so sagst du, GOTT ist
unsichtbar, wie sprichst du so? Denn wer ist mehr offenbar als Er. Er hat
deswegen alle Dinge gemacht, dass du Ihn durch alles sollst sehen.
Das ist das Gute GOTTes, das ist
seine Tugend, dass er sich durch alles offenbart.
Denn es ist nichts unsichtbar, so
gar nichts von den Dingen, welche unleiblich sind: Das Gemüt wird in dem
Verstehen gesehen und GOTT im Schöpfen.
Dies ist dir, Tris Megiste, soweit
offenbar gemacht worden, aber das andere allzusammen verstehe gleicher Gestalt
durch dich selbst, so wirst du nicht irren.


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