| |
Confessio Fraternitatis

Vorrede
An den Weisheit begierigen Leser
der Confessio!
Hier hast Du,
günstiger Leser, siebenunddreissig Ursachen unseres Vorhabens und unserer
Intention der Confessio einverleibet, die du nach Belieben heraussuchen, und
miteinander vergleichen kannst, und auch bedenken magst, ob sie wichtig genug
sind, dich zu bewegen und auf unsere Seite zu bringen. Zwar bedarf es nicht
wenig Mühe, dasjenige zu bestätigen, was man auch nicht sieht, wenn es aber
dermaleins zu Tage tritt, zweifelt uns gar nicht, dass man sich werde solcher
Vermutungen und Conjecturen billig schämen. Gleich wie wir aber jetzt ganz
sicher, frei und ohne einige Gefahr den Papst zu Rom den Antichrist nennen, was
hiervor für eine Todsünde gehalten wurde, und an allen Orten, als
Kapitalverbrechen mit dem Leben verbüsst werden musste. Also wissen wir gewiss,
es werde noch einmal die Zeit kommen, dass dasjenige, was jetzt noch geheim
gehalten wird, frei, öffentlich, mit heller Stimme ausgerufen und vor jedermann
bekannt wird, was denn der günstige Leser mit uns, dass es aufs allerbäldeste
geschehen möge, von Herzen wünschen wolle.
Confessio Fraternitatis
oder:
Bekenntnis der löblichen Bruderschaft des hochgeehrten Rosenkreuzes
an die Gelehrten Europas geschrieben. (1615)
1. Was uns von unserer Fraterniti
oder Bruderschaft aus der hiervor angefertigten Fama "menniglich" zu Ohren
gekommen und offenbar gemacht worden ist, das soll niemand für leichtfertig oder
erdichtet halten und erachten, viel weniger aber noch aufnehmen, als aus unserem
eigenen Gutdünken hergeflossen und entstanden. Der Herr Jehovah ist es, welcher,
- sehend, dass die Welt nunmehr fast den Feierabend erreicht, und nach
vollendeter Periode oder Umlauf wieder zum Anfang eilet, - den Lauf der Natur
umwendet, und, was hiervor mit grosser Mühe und unablässiger Arbeit gesucht
wurde, jetzt denen, die es nicht beachten oder wohl nicht einmal daran denken,
eröffnet, andern aber, die es begehren, freiwillig anbietet und denen, die es
nicht begehren, gleichsam aufzwinget, auf dass den Frommen all diese menschliche
Lebensmühseligkeit gelindert, und des unbeständigen Glückes Ungestüm aufgehoben
wird, den Bösen aber ihre Bosheit und die darauf gehörigen Strafen vermehrt und
gehäuft werden.
Obwohl wir nun keiner Ketzerei
oder eines bösen Beginnens und Vornehmens wider das weltliche Regime bei jemand
verdächtig sein können, die wir doch sowohl des Orients als des Okzidents -
verstehe: des Mohameds und des Papstes Lästerung wider unseren Herrn Jesus
Christus verdammen, und dennoch dem obersten Haupt des römischen Reiches unser
Gebet, Geheimnis und grosse Goldschätze gutwillig präsentieren und anbieten, so
haben wir es doch für ratsam und gut angesehen, um der Gelehrten willen noch
etwas weiteres hinzu zu tun und besser auszuführen, ob irgend etwas in der Fama
zu tief verborgen und zu dunkel gesetzt oder aus gewissen Ursachen gar
ausgelassen worden wäre, hoffend, hiermit die Gelehrten uns desto geneigter und
unserem Vorhaben noch bequemer und williger zu machen.
2. Von Veränderung nun und der
Verbesserung der Philosophie haben wir jetzt und soviel, wie nötig, genugsam
erklärt, dass nämlich dieselbe ganz krank und mangelhaft sei, ja, es ist gar
kein Zweifel bei uns, dass sie, obwohl die Mehrzahl fälschlicherweise vorgibt,
dass sie, - ich weiss nicht wie, - gesund und stark sei, sie dennoch fast in
letzten Zügen liege und auf der Hinfahrt sei.
Gleichwie aber gemeinhin an eben
demselben Ort, da etwa eine neue, ungewöhnliche Krankheit entstanden ist, die
Natur auch eine Arznei für dieselbe entdecket, so erzeigen sich auch bei so
mancherlei Krankheiten der Philosophie die rechten und unserem Verstand genugsam
verträglichen Mittel, wodurch sie wiederum gesund werden und gleichsam ganz neu
der Welt, die jetzt soll erneuert werden, vorkomme und erscheine.
Wir haben aber keine andere
Philosophie als die, welche ist Haupt und Summe, Fundament und Inhalt aller
Fakultäten, Wissenschaften und Künste, welche, wenn wir auf unser Jahrhundert
sehen wollen, viel von der Theologie und Medizin, wenig aber von juristischer
Weisheit (Jurisprudenz) begreift, und die zugleich Himmel und Erde fleissig
durchsucht, oder - kurz gesagt - den Menschen (Mikrokosmos) genugsam erkundet
und abbildet, von dem dann alle Gelehrten, die sich auf unser brüderliches
Anmahnen (Einladen) berufen und sich bei uns angeben und einstellen werden, mehr
wunderbare Geheimnisse bei uns finden werden, als sie bisher erfahren haben,
erkundigen, glauben und aussprechen können.
3. Deshalb, damit wir unsere
Meinung hiervon kurz aufzeigen, müssen wir uns mit allem Fleiss dahin bemühen,
dass man sich nicht allein über unsere Einladung und unser Anmahnen verwundere,
sondern ein jeder auch wisse, dass wir zwar solche Arkana und Geheimnisse nicht
gering achten, es aber doch nicht Unrecht sei, dass die Kunde und Wissenschaft
derselben vielen zugänglich gemacht werde. Denn es ist ja wohl zu bedenken und
zu glauben, dass dieses unser unverhofftes, gutwilliges Anbieten viele und
mancherlei Gedanken bei den Leuten erwecken wird, welchen die Wunder der
sechsten Zeit noch nicht bekannt geworden sind oder welche wegen des Laufes der
Welt die künftigen Dinge den gegenwärtigen gleich achten und durch allerhand
Ungelegenheiten dieser ihrer Zeit verhindert werden, sodass sie nicht anders in
der Welt leben und wandeln, als wie Blinde, welche auch mitten am hellen Tage
nichts ausser allein durch Fühlen und Angreifen zu unterscheiden und zu erkennen
wissen.
4. Was nun das erste Stück (die
Fama) anbelangt, so meinen wir von demselben, dass die Meditationen,
Erkundigungen und Erforschungen unseres geliebten christlichen Vaters überall
dasjenige, was von Anfang der Welt an vom menschlichen Verstand entweder durch
göttliche Erweckung und Offenbarung oder durch der Engel und Geister Dienst,
oder durch die Scharfsinnigkeit des Verstandes, oder durch langwierige
Beobachtung, Übung und Erfahrung, erfunden, hervorgebracht, verbessert und bis
hierher propagiert oder fortgepflanzt worden ist, so vortrefflich, herrlich und
gross sei, dass, wenn auch alle Bücher sollten umkommen, und, durch des
allmächtigen Gottes Verhängnis, aller Schriften und aller Literatur Untergang
bestimmt sein sollte, die Nachwelt dennoch aus denselben allein ein neues
Fundament legen und ein neues Schloss, eine neue Feste der Wahrheit wieder
aufbauen könnte. Weswegen es dann vielleicht auch nicht so schwer sein möchte,
das alte, so unförmliche Gebäude zu zerstören und zu verlassen, und bald den
Vorhof zu erweitern, bald den Tag in die Gemächer zu bringen, die Türen, Treppen
und anderes zu verändern, wie unsere Intention solches mit sich bringt.
Wem sollte nun aber dieses nicht
angenehm sein? Wenn es doch nur reichlich kund werden möchte und nicht nur als
eine besondere Zierde für die bestimmte künftige Zeit gehalten und gespart
würde!
Warum wollen wir nicht in der
einigen Wahrheit, welche die Menschen durch so viele Irrwege und auf krummen
Strassen suchen, herzlich gerne ruhen und bleiben, wenn es Gott gefallen hätte,
das sechste Kandelabrium (Leuchter) nur für uns alleine anzuzünden? Wäre es
nicht gut, dass man sich weder um Hunger noch Armut, weder um Krankheiten noch
Alter zu sorgen und zu kümmern hätte? Wäre es nicht ein köstlich Ding, dass du
könntest alle Stunde also leben, als wenn du von Anfang der Welt an bis hierher
gelebt hättest und noch ferner bis ans Ende derselben leben solltest? Wäre es
nicht herrlich, dass du an einem Ort also wohnen könntest, dass weder die
Völker, die über dem Fluss Ganges in Indien wohnen, ihre Sachen vor dir
verbergen, noch die, die in Peru wohnen, ihre Ratschläge dir vorenthalten
könnten? Wäre es nicht ein köstlich Ding, dass du so lesen könntest in einem
(einzigen) Buch, in dem zugleich alles, was in allen Büchern, die jemals
gewesen, immer noch sind oder noch kommen und herausgegeben werden, zu finden
war, immer noch gefunden wird und jemals mag gefunden werden, lesen, verstehen
und es behalten möchtest? Wie lieblich wäre es, wenn du also singen könntest,
dass du, anstatt der Steinfelsen, eitel Perlen und Edelsteine an dich brächtest,
anstatt der wilden Tiere, die Geister zu dir locktest und anstatt des höllischen
Plutonis, die Fürsten der Welt beeindrucktest und erregtest? Oh, ihr Menschen!
Gottes Rat ist ganz anders, der beschlossen hat, die Zahl unserer Fraternität in
jetziger Zeit zu vermehren und grösser zu machen, welches wir denn auch mit der
gleichen Freude auf uns genommen haben, mit der wir selbst zu diesen grossen
Schätzen ohne unsern Verdienst, ja, ohne dass uns daran einige Hoffnung und
Gedanken hier bevor auch gekommen sind. Und mit solcher Treue gedenken wir dies
ins Werk zu setzen, dass uns auch das Mitleiden und Erbarmen für unsere eigenen
Kinder, die etliche von uns in der Fraternität haben, davon nicht abwenden
sollen, weil wir wissen, dass diese unverhofften Güter weder ererbt, noch von
ungefähr erlangt werden.
5. Wenn nun jemand sein möchte,
der andererseits über unsere Diskretion klagen wollte, dass wir unsere Schätze
so freigiebig und ohne einen Unterschied jedermann anbieten, und nicht vielmehr
nur den Frommen, Gelehrten, Weisen, oder gar hohen fürstlichen Personen, sondern
auch den gemeinen Mann hierin wahrnehmen, so sind wir dem nicht zuwider,
sintemal solches nicht eine schlechte und geringe Sache ist. Aber wir sagen
gleichwohl soviel, dass unsere Arcana und Geheimnisse keineswegs allgemein und
bekannt gemacht werden, obwohl die Fama in fünf Sprachen herausgegangen ist und
jedermann "menniglich" kundgetan wurde, weil wir zum Teil wohl wissen, dass die
groben, unverständigen und stupiden Naturen sich derer nicht annehmen oder sehr
davon bekümmert werden, und wir auch die Würdigkeit derer, so in unserer
Fraternität sollen aufgenommen werden, nicht aus menschlicher Sorgfältigkeit,
sondern nach der Regel unserer Erweckungen und Offenbarungen schätzen und
erkennen. Deshalb, obschon die Unwürdigen tausendmal schreien und rufen, sich
auch tausendmal uns offerieren und anbieten, so hat doch Gott unseren Ohren
geboten, dass sie keinen derselben hören sollen, ja, es hat uns Gott auch mit
seinen Wolken umgeben, dass uns, seinen Knechten, keine Gewalt angetan und
zugefügt werden kann, daher wir dann auch von niemand, er habe denn des Adlers
Augen, können gesehen und erkannt werden.
Zwar musste die Fama in eines
jeden Muttersprache angefertigt werden, damit diejenigen nicht ausgeschlossen
und dieser Wissenschaft beraubt würden, die, - obwohl sie nicht gelehrt sind -
Gott dennoch nicht ausgeschlossen hat von der Glückseligkeit dieser
Bruderschaft, so soll doch in gewisse Grade unterschieden und abgeteilt werden,
geradeso wie diejenigen, die in der Stadt Damcar in Arabia wohnen, eine ganz
andere politische Ordnung haben als die anderen Araber, weil nur weise und
verständige Leute darin herrschen, welchen es vom König zugelassen ist,
besondere Gesetze daselbst zu machen. Nach diesem Beispiel, - wie wir davon eine
von unserem christlichen Vater erstellte Beschreibung haben - soll auch das
Regiment (Regime) in Europa von uns aufgestellt werden, wenn dasjenige wird
verrichtet und geschehen sein, das vorhergehen soll, und nun unsere Posaune mit
hellem Schalle und grossem Geschrei öffentlich erschallen wird, dann nämlich,
wenn dasjenige, so jetzt von wenigen angedeutet und als zukünftig in Figuren und
Bildnissen heimlich vorgetragen wird, den ganzen Erdboden erfüllen und frei
öffentlich ausgerufen werden wird. Gleichermassen, wie hierbevor viele
gottselige Leute des Papstes Tyrannei heimlich und ganz verzagt "angestochen"
(geärgert) hat, ist er selbst hernach aus Deutschland mit grossem Ernst und
besonderem Eifer vom Stuhl abgestossen und genugsam mit Füssen getreten worden.
Sein endgültiger Untergang wird bis auf unsere Zeit aufgespart, auf dass er
alsdann auch gleichsam mit den Nägeln zerkratzet und seinem Eselgeschrei durch
eine neue Stimme ein Ende gemacht werden soll. Wir wissen, dass es vielen
Gelehrten in Deutschland schon Ziemlichehrmassen offenbar und bekannt wurde, in
dem Masse (nämlich), wie ihre Schriften und heimlichen Gratulationen und
Glückwünsche solches genugsam bezeugen.
6. Wir könnten allhier wohl
einführen und die ganze Zeit betrachten, die seit Anno 1378, in welchem Jahr
unser christlicher Vater geboren, bisher verflossen ist, da wir dann wohl
erzählen möchten, was er die hundert und sechs Jahre seines Lebens über für
Veränderungen in der Welt gesehen und unsern Brüdern, wie auch uns selbst nach
seinem glückseligen Abschied zu erfahren überlassen habe. Aber die Kürze, derer
wir uns hier befleissigen müssen, leidet es auf diesmal nicht, kann vielleicht
ein andermal füglicher geschehen und ausgeführt werden. Für jetzt ist es genug
für die, die unsere Erinnerung nicht verachten, dass wir in Kürze dasjenige
berührt haben, wodurch ihnen zu naher Verwandtschaft mit uns der Weg bereitet
werden kann. Doch, welchem es zugelassen, dass er die grossen Buchstaben und
Zeichen, so Gott der Herr dem Gebäude Himmels und der Erden eingeschrieben, und
durch die Veränderung der Regimente (Regime) für und für erneuert hat, anschauen
und zu seinem Unterricht gebrauchen kann, derselbe ist schon allbereit für uns,
obwohl ihm selbst noch unbewusst, und wie wir wissen, dass er unsere Berufung
nicht verachten wird, darum soll er keinen Betrug befürchten, denn wir
verheissen und sagen öffentlich, dass keinen seine Aufrichtigkeit und Hoffnung
betrügen soll, der unter dem Siegel der Verschwiegenheit sich bei uns melden und
unsere Gemeinschaft begehren wird. Den falschen Heuchlern aber und denen, die
etwas anderes als Weisheit suchen, denen sagen und bezeugen wir hiermit
öffentlich, dass wir nicht können offenbar gemacht und verraten werden, viel
weniger noch zu unserem Verderben gebracht werden, ohne den Willen Gottes. Sie
aber werden der Strafe, die unsere Fama vermeldet, gewiss teilhaftig werden,
sodass also ihre gottlosen Anschläge sie selbst treffen, uns aber unsere Schätze
unberührt gelassen werden, bis dass der Löwe komme - (der Löwe von Juda) - und
dieselben für sich fordern, einnehmen, empfangen und zu seines Reiches
Bestätigung anwenden wird.
7. Wir müssen demnach dieses hier
wohl anmerken und jedermann zu verstehen geben, dass Gott gewiss und eigentlich
beschlossen hat, der Welt vor ihrem Untergang, welcher bald hernach erfolgen
wird, noch rechtzeitig eine solche Wahrheit, Licht, Leben und Herrlichkeit
widerfahren zu lassen und zu geben, da doch der erste Mensch, nämlich Adam, das
Paradies verloren und verscherzt hat, und hernach seine Nachkommen mit ihm ins
Elend verstossen und vertrieben wurden. Wird also alle Dienstbarkeit
(Knechtschaft), Falschheit, Lügen und Finsternis weichen und aufhören müssen,
welche sich allgemach mit den Umwälzungen der Weltkugel in allen Künsten, Werken
und Regierungen der Menschen eingeschlichen und dies Leben zum grössten Teil
verdunkelt haben. Denn dadurch ist so eine unzählige Menge falscher Meinungen
und Ketzereien entstanden, welche auch den allerweisesten Leuten die
Entscheidung und Wahl schwer gemacht haben, sodass nicht leicht unterschieden
werden konnte, weil sie auf der einen Seite durch das Ansehen der Philosophen
und gelehrter Leute, auf der anderen Seite aber durch die Wahrheit des
Experimentes und der Erfahrung aufgehalten und irre gemacht wurden, welches
alles, wenn es dermaleins aufgehoben werden wird, und wir dann erkennen werden,
dass statt dessen eine richtige und gewisse Regel eingeführt wurde. So wird zwar
denen, die sich darum bemühten, die Danksagung gebühren, das ganze Werk aber als
solches, wird der Glückseligkeit unseres Jahrhunderts zugeschrieben werden
müssen.
Geradeso, wie wir nun gerne
bekennen, dass viele vortreffliche Leute der zukünftigen Reformation mit
Schriften nicht geringen Vorschub leisten, also begehren wir doch gar nicht, uns
selbst diese Ehre zuzuschreiben, als wenn ein solches Werk uns alleine befohlen
und auferlegt worden wäre, sondern wir bekennen und bezeugen öffentlich mit dem
Herrn Christo, es werde eher geschehen, dass die Steine sich aufwerfen und ihren
Dienst anbieten, als dass es an Executoren und Vollstreckern des göttlichen Rats
mangeln werde.
8. Es hat zwar Gott schon etliche
Botschaften vorhergesandt, die seinen Willen bezeugten, wie z.B. etliche neue
Sterne, die am Himmel in Serpentario und Cygno entstanden sind, (Sternbild der
Schlange und des Schwans), welche als hohe und wichtige Sache durch kräftige
Zeichen reichlich bezeugen und zu erkennen geben, wie allen Dingen, die von
Menschen erfunden werden, die heimlich-verborgenen Schriften und Strukturen dazu
dienlich sind, und dass, obwohl das grosse Buch der Natur allen Menschen offen
steht, dennoch nur sehr wenige vorhanden sind, die dasselbe lesen und verstehen
können.
Denn, gleich wie den Menschen zum
Gehör zwei Organe, desgleichen auch zum Sehen zwei und zum Riechen zwei, aber
nur eins zum Reden gegeben worden ist, und man die Sprache von den Ohren, die
Unterscheidung aber der Stimmen und der Töne vergeblich von den Augen erwartet,
also sind Epochen oder Zeiten gewesen, die gesehen haben. Es gab auch Zeiten,
die gehört, gerochen und geschmeckt haben. Nun bleibt noch übrig, dass, mit
Abkürzung der Zeit, der Zunge auch ihre Ehre gegeben wird, damit durch dieselbe
das, was man vorzeiten gesehen, gehört und gerochen hat, nun endlich einmal
ausgesprochen werde, dann nämlich, wenn die Welt von ihrem schweren Schlaf
aufwachen und der neu aufgehenden Sonne mit geöffnetem Herzen, entblösstem Haupt
und nackten Füssen fröhlich und freudig entgegen gehen wird.
9. Solche Characteres (Zeichen)
und Buchstaben, wie Gott sie hin und wieder der heiligen Bibel einverleibet, hat
er geradeso auch dem wunderbaren Geschöpf Himmels und der Erden, ja, allen
Tieren ganz deutlich eingedruckt, sodass eben auf solche Weise, geradeso wie ein
Mathematiker und Sternseher die zukünftigen Finsternisse lange zuvor sehen kann,
Gleicherweise auch wir die Merkwürdigkeiten und Verdunkelungen der Kirchenhändel
und wie lange sie währen sollen und wann sie endlich abnehmen, erkennen können.
Und auch, von welchen Buchstaben wir eigentlich unsere magischen Schriften
entlehnet, und uns eine neue Sprache erfunden und zuwege gebracht haben, sodass
es daher kein Wunder ist, dass wir in andern Sprachen nicht so zierlich sind,
von denen wir wissen, dass sie sich keineswegs mit unseres Vaters Adam und
Henochs Sprache vergleichen lassen, vielmehr durch die babylonische Verwirrung
ganz verdeckt (verunreinigt) wurden.
10. Dieses müssen wir aber nicht
unterlassen, denn da alldieweil noch etliche Adlerfedern unserem Vorhaben im
Wege stehen und hinderlich sind, so ermahnen wir eindringlich zu fleissiger und
immerwährender Lesung der heiligen Bibel, denn wer an derselbigen all sein
Gefallen hat, der soll wissen, dass er sich einen stattlichen Weg gemacht hat,
um zu unserer Fraternität zu kommen. Denn so, wie dies die ganze Summe und der
Inhalt unserer Regel ist, dass kein Buchstabe in der Welt sein soll, welcher
nicht wohl gefasst und in acht genommen werde, geradeso sind diejenigen Menschen
uns fast gleich und nahe verwandt, die das einzige Buch, die heilige Bibel, zur
Regel ihres Lebens und allen Studierens Ziel und Zweck, ja der ganzen Welt
Compendium (Abriss) und Inhalt werden lassen, sodass sie derselbigen Sinn auf
alle Zeiten und Alter der Welt anzuwenden und auszurichten wissen. Denn auch
unser Brauch ist es nicht, die heilige Schrift zu prostituieren und gemein zu
machen, da eine unzählige Menge von Auslegern gefunden wird, welche dieselbe auf
ihre eigene Meinung ziehen, etliche aber, die dieselbe verspotten und
Boshafterweise einer wächsernen Nase vergleichen, die sowohl den Theologen,
Philosophen, Medizinern und Mathematikern dienen könne. Im Gegensatz zu all
diesem bezeugen und bekennen wir öffentlich, dass von Anfang der Welt an kein
vortrefflicheres, besseres, wunderbareres und heilsameres Buch den Menschen
gegeben wurde als eben die heilige Bibel. Selig ist, der dieselbe hat, noch
seliger ist, der sie fleissig liest, am allerseligsten ist der, der sie studiert
und der sie recht versteht, der ist Gott am aller gleichsten und ähnlichsten.
11. Was aber in der Fama von den
Betrügern gegen die Verwandlung der Metalle und die höchste Medizin in der Welt
gesagt wurde, das wollen wir so verstanden haben, dass diese so vortreffliche
Gabe Gottes keineswegs von uns vernichtet oder verkleinert werde, sondern, da
sie nicht allezeit die Erkenntnis der Natur mit sich bringt, diese aber sowohl
die Medizin, als auch sonst unzählig viele andere Heimlichkeiten (Geheimnisse)
und Wunder eröffnet, es nur billig ist, dass man sich am allermeisten
befleissige, den Verstand und die Wissenschaft der Philosophie zu erlangen. So
sollen vortreffliche "Ingenia" (intelligente Menschen) nicht eher zur Tinktur
der Metalle angeführt werden, bis sie sich zuvor in der Erkenntnis der Natur
wohl geübt haben. Der muss ja wohl ein unersättlicher Geizhals sein, der so weit
gekommen ist, dass ihn keine Armut, Ungemach oder Krankheit rühren kann, ja,
welcher höher als alle Menschen, erhaben über dasjenige herrscht, von dem andere
Leute gequält, geängstigt und gepeinigt werden und sich zuerst wieder zu
nichtigen Dingen zuwenden, Häuser bauen, Krieg führen oder sonst stolzieren
will, weil ja von Gold und Silber eine unerschöpfliche Quelle vorhanden ist.
Gott hat es viel anders gefallen, denn derselbe erhöhet die Niedrigen, aber die
Hoffartigen kränkt er mit Verachtung, und denen, die still und von wenig Worten
sind, schickt er die heiligen Engel zu, dass sie mit ihnen Sprach halten, aber
die unnützen Schwätzer verstösst er in die Wüste und Einöde, welches denn der
rechte Lohn ist für den römischen Verführer, welcher seine Gotteslästerung aus
vollem Halse gegen Christus ausgespieen und das auch noch bei hellem Licht, als
in Deutschland all seine Greuel und abscheulichen Höllen entdeckt worden sind,
er dennoch von seinen Lügen nicht absteht, damit er das Mass seiner Sünden ja
wohl erfülle und rechtzeitig zur Strafe komme. Derohalben wird einmal die Zeit
kommen, da diese Otter schweigt und das dreifache Horn (Tiara) zunichte gemacht
werden wird, wie hiervon bei unserer Zusammenkunft eingehender und eigentlicher
verhandelt werden soll.
12. Zum Beschluss unserer
Confession müssen wir noch an dieses mit Fleiss erinnern, dass man weg tun soll,
wenn auch nicht alle, so doch die meisten Bücher der falschen Alchimisten, die
es für einen Scherz und eine Kurzweil halten, wenn sie entweder die heilige,
hochgelobte Dreifaltigkeit zu unnützen Dingen missbrauchen oder mit
wunder-seltsamen Figuren und dunklen, verborgenen Reden die Leute betrügen und
die Einfältigen um ihr Geld bringen, wie denn viele solcher Bücher in jetziger
Zeit herausgekommen und an den Tag gekommen sind, die der Feind menschlicher
Wohlfahrt zu dem Zweck unter die guten Sachen vermischet, dass man desto
schwerlicher der Wahrheit glaube, weil dieselbe schlicht, einfältig und bloss,
die Lüge aber prächtig, stattlich, ansehnlich und mit einem besonderen Schein
göttlicher und menschlicher Weisheit geschmückt ist. Meidet und fliehet solche
Bücher, die ihr gewitzt seid, und wendet euch zu uns, die wir nicht euer Geld
suchen, sondern unsere grossen Schätze euch gutwillig anbieten. Wir stellen
euren Gütern nicht nach mit erdichteten, lügenhaften Tinkturen, sondern wir
begehren, euch unserer Güter teilhaftig werden zu lassen. Wir reden nicht mit
euch durch Sprichwörter, sondern wollen euch gerne zur schlichten und ganz
verständlichen Auslegung, Erklärung und Wissenschaft aller Geheimnisse führen.
Wir begehren nicht von euch, auf- und angenommen zu werden, sondern wir laden
euch zu unseren mehr als königlichen Häusern und Palästen, und das alles zwar
nicht aus einem Gutdünken, sondern - dass ihr es eben wisset - aus Antrieb des
Geistes Gottes, von Gott ermahnt und durch die Beschaffenheit der gegenwärtigen
Zeit gezwungen.
13. Was meinet ihr nun, liebe
Leute, und wie ist euch zumute, nachdem ihr nun versteht und wisst, dass wir uns
zu Christo rein und lauter bekennen, den Papst verdammen, der wahren Philosophie
zugetan sind, ein christlich Leben führen und zu unserer Gesellschaft noch viele
andere, denen eben dieses Licht von Gott auch erschienen, täglich berufen,
einladen und anbieten? Gedenkt ihr nicht, wie ihr nicht allein in Erwägung der
Gaben, die in euch sind, und der Erfahrung, die ihr in Gottes Wort habt, neben
fleissiger Betrachtung der Unvollkommenheit aller Künste und vieler ungereimter
Sachen in denselben, wie ihr endlich mit uns anfangen möget, nach der
Verbesserung zu trachten, Gott stille zu halten (sich Gottes Werken zu ergeben)
und euch in die Zeit, in der ihr lebt, recht zu schicken? Fürwahr, wenn ihr das
tun werdet, wird euch euer Nutzen daraus erwachsen, sodass alle Güter, die die
Natur an allen Orten der Welt wunderbarlich ausgestreut, euch zugleich
miteinander verliehen und mitgeteilt werden; wie ihr denn auch alles, was den
menschlichen Verstand verdunkelt und dessen Wirkung verhindert, gar leichtlich
werdet ablegen und wie alle "Eccentricos und Epicyclos" (alles Überholte) aus
der Welt abschaffen können.
14. Die aber vorwitzig sind und
entweder von dem Glanz des Goldes verblendet, oder - eigentlicher davon zu reden
- die jetzt zwar fromm sind, aber durch den unverhofften Zuwachs so vieler Güter
leicht möchten verderbt werden und dazu bewegt, sich in Müssiggang zu begeben
und ein üppiges, übermütiges Leben anzutreten, dieselben sollen gebeten sein,
dass sie mit ihrem unzeitigen Geschrei uns nicht unruhig machen, sondern
bedenken, obschon eine Arznei möchte vorhanden sein, die zugleich alle
Krankheiten heilt, dass dennoch diejenigen, welche Gott beschlossen hat, mit
Krankheit zu plagen und hier unter den Ruten zu halten, zu derselben Arznei
nimmermehr kommen und gelangen mögen. Ebenso also auch wir, obwohl wir die ganze
Welt reich und gelehrt machen und von unzähligem Jammer befreien können, wir
doch nimmermehr keinem Menschen ohne Gottes besondere Schickung offenbar und
bekannt werden mögen. Ja, es geht so weit, dass niemand uns ohne oder wider den
Willen Gottes finden und unserer Guttaten teilhaftig werden kann, dass er auch
eher das Leben im Suchen und Nachforschen verlieren wird, als dass er uns finde
und so gelange und komme zur gewünschten Glückseligkeit der Fraternität des
Rosenkreuzes.

.bmp)
|
|