Der heilige Kreis der Jahreszeiten

 

 

Alle guten Dinge sind acht...

 

 

rgend jemand sagte mal: "Das Leben ist wie ein Kreis, sich immer drehend, sich immer verändernd, immer vorwärts drängend."

 

Durch all die Zeiten haben die Menschen immer wieder den Jahreslauf, das Leben und den Fluss der Zeit, als Zyklen oder Kreise beschrieben.

Aus diesem Grunde wurde wohl der aztekische Kalender als runder Stein dargestellt und Stonehenge als Ansammlung von im Kreise stehenden Megalithen. Desgleichen beschrieben die alten Ägypter vermutlich ihren Tierkreis wohl als kreisenden Fluss.

 

 

 

In der Gründerzeit der Wicca-Bewegung wurden ursprünglich übrigens nur die vier klassisch-heidnischen Feste gefeiert, Imbolc/Lichtmess, Beltane/Walpurgisnacht, Lughnasadh/Erntefest und Samhain/Totenfest. Zudem wurden auch die Zeiten der Durchführung der Rituale, im Gegensatz zur heutigen Zeit, noch sehr flexibel gehandhabt.

 

So meinte Gerald Gardner dazu:

 

"Die Feste an den traditionellen Daten zu feiern, könnt ihr tun, wenn ihr wollt, es würde aber nicht mit unserem Klima übereinstimmen. Ihr müsst verstehen, dass das wichtigste Fest im Hexenjahr das Frühlingsfruchtbarkeitsfest war, während welchem junge Paare sich im Freien in den Feldern liebten, um das Wachstum der Feldfrüchte anzuregen. Das kann man aber erst tun, wenn die Nächte warm genug geworden sind, um im Freien zu schlafen.

 

  Ja, da könnte man/frau depressiv

  werden, wenn man erfährt, dass der

  achtfache Jahreskreis erst fünfzig

  Jahre alt ist!... - "Königin Guinevere"

  James Archer

Im östlichen Mittelmehr und in Palästina war das kurz nach der Frühlingstagundnachtgleiche. Deshalb findet das jüdische Passah, das nach Moses die Frühlingsorgie ersetzte, immer am ersten Sabbat nach dem ersten Vollmond nach der Frühlingstagundnachtgleiche statt.

 

In Süd-England, Holland, Belgien, und Deutschland wird es erst Anfang Mai (nach dem julianischen Kalender, also eher Mitte Mai nach dem gregorianischen) warm genug zum draussen schlafen.

 

In Skandinavien  wird es erst zur Sommermitte warm genug, um sich draussen zu lieben, weshalb noch bis heute Norweger, Schweden und Finnen den 21.Juni mit Lagerfeuern feiern, um welche junge Leute bis zum Morgenrot tanzen und viele Paare in die Büsche verschwinden.

 

Während der Frühlings-Fruchtbarkeitsfeiern wurden viele junge Frauen - und namentlich die Mai-Königin - geschwängert und deren Kinder wurden dann neun Monate später geboren. Das war nun die rechte Zeit, um die Geburt des neuen Sonnenjahres zu feiern: kurz nach der Winter-Sonnenwende im östlichen Mittelmeer und Palästina, aber erst zu Lichtmess Anfang Februar in Süd-England, Belgien, Holland und Deutschland.

 

Das Erntefest wurde Ende Juli oder Anfang August in Getreidebaugebieten, aber erst Ende September zur Herbst-Tagundnachtgleiche in Weinbaugebieten gefeiert und das Totenfest, wenn die welken Blätter von den Bäumen herunterfielen und das Dorf die Tiere schlachten musste, für die es nicht genug Futter für den ganzen Winter gab."

 

Mit diesen Worten wollte Gerald Gardner wohl andeuten, dass es der Zweck der heidnischen Jahreszeitfeiern war, sich mit dem Jahreszyklus und der uns umgebenden Natur anzunähern, sowie sich geistig mit den bäuerlich-heidnischen Vorfahren zu verbinden. Eine zu starre Fixierung auf die klassisch-heidnischen Festdaten empfand er als zu einengend und würde den natürlichen Kreislauf der Natur, das Klima und das Wetter, nicht berücksichtigen.

 

Da die Mitglieder nun in der Gründerzeit der Wicca-Bewegung auch berühmt und berüchtigt dafür waren, gut und gerne muntere Feste zu feiern, erschien es ihnen in der damaligen Zeit schon ein wenig dürftig, nur vier Feste durchzuführen. Aus diesem Grunde wurde wohl im Frühling 1958 von Gerald Gardner und seinem Coven beschlossen, dass nun zusätzlich zu den herkömmlichen vier Jahreskreisfesten auch noch die Sonnenwenden und die Tagundnachtgleichen gefeiert werden können. Inspiriert wurde diese Entscheidung übrigens von Ross Nichols, einem Druidenfreund Gerald Gardners und Chief des Ordens der Barden, Ovaten und Druiden, der 1975 verstorben ist. Ross Nichols spendierte seine Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden, übernahm dafür im Gegenzug von der Wicca-Bewegung grosszügig die vier klassischen Hexenfeste, die die Druiden bis anhin in ihren Orden übrigens nie zelebriert hatten.

 

Im Laufe der Zeit entstand so der Gedanke, dass diese acht Feiern den acht Speichen eines keltischen Jahreskreises entsprechen sollte. Ein interessanter und vor allem sehr kreativer Gedanke! Doch die Kelten kannten einen Jahreskreis, der aus diesen acht Festen bestehen sollte, ganz bestimmt nicht. (Zur Erinnerung: Die vorchristlichen Kelten feierten nur die vier klassischen Feuerfeste, die Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden wurden NICHT von ihnen gefeiert). Sogar Doreen Valiente, die Hohepriesterin von Gerald Gardner, verbreitete diese Erklärung in ihren Büchern, obwohl sie es bestimmt besser wissen musste.

 

Wie auch immer, diese acht Feste gehören heutzutage jedenfalls zum Allgemeingut der modernen heidnischen Bewegung und besitzen einen hohen rituellen Stellenwert im Leben vieler Heiden. Sie markieren bestimmte Punkte auf dem Rad des Lebens und repräsentieren, so könnte man sagen, symbolisch die "Grundstimmung" der Jahreszeit, die sie verkörpern und werden, wenn möglich, immer draussen in der Natur, mit der Natur, rituell gefeiert.

 

Wenn es dir jedoch nicht möglich sein sollte, all die acht Jahreszeitfeste in der Natur zu feiern, so benütze einfach alle Möglichkeiten die sich dir bieten, um die Natur, wie z.B. Blumen, Pflanzen und Früchte, in den Tempel zu bringen.

Es besteht übrigens keinen Unterschied, ob du ein Jahreszeitenfest feierst, oder ob du eine so genannte magische Zeremonie durchführst.

Alles schmückend Beiwerk und alle Gegenstände im Tempel sind nur ein netter Fokus, um unser Bewusstsein auf ein bestimmtes Gefühl zu fokussieren und öffnen unser Herz, um mit der Jahreszeit, die gefeiert wird, im Einklang zu sein.

Möge also deiner Kreativität bei der Ausgestaltung des Tempels keinerlei Grenzen gesetzt sein!

 

 

 

Einige Gruppen starten den Jahreskreis mit Jul, der Geburt des Sonnengottes, der Zeit des Beginns und feiern durch bis Samhain, dem Fest des Todes, um somit den Kreis zu vollenden.

Andere eröffnen den Jahreskreis mit dem Frühlingsanfang, der Rückkehr der Göttin aus der Unterwelt, wieder andere Gruppierungen und Coven beginnen ihren Kreis mit Samhain, oder dem Tag nach Samhain, welcher in alten Zeiten der Tag der neuen Verträge war und alte Verträge erneuert wurden.

 

Es ist im Grunde genommen völlig gleichgültig, wann du mit dem Jahreskreis beginnst und an welchem Datum du dein Ritual abhalten möchtest, sofern du selbst oder die Gruppe mit der Wahl einverstanden ist.

 

Das Wichtigste ist sowieso, dass die Jahreszeiten überhaupt gefeiert werden.

Also, egal wo du starten möchtest und wann du feierst, bringe dich selbst in die Feste mit ein, reise durch den Kreis der Jahreszeiten, sei unzähmbar, wild und frei!