Herbsttagundnachtgleiche

 

Die Ernte ist eingebracht

 

 

Vom Winde verweht...

 

 

Name: Alban Elued (Licht über dem Wasser)

Moderne Entsprechung: Erntedankfest

Datum: cirka der 21. September

Keltische Gottheiten: Bran und Branwen

Zuordnung: Sonnenfest, die männlichen und die weiblichen Kräfte sind im Gleichgewicht

Bräuche: Erntefest, reife Feldfrüchte pflücken, späte Getreideernte und Garbenbinden, Traubenernte, Keltern

Symbole: Weintraube, Weinstock, Getreidegarben, Füllhorn, Flaschenkürbis

Geweihte Speisen: Rotwein, wildlebende, jagdbare Tiere (Wildbret, Fisch, Fasan, Wachteln usw.), Kürbisse, Melonen, Gemüsebrote und –kuchen, Eintopfgerichte und dicke Gemüsesuppen

 

 

 

as Herbsttagundnachtgleiche findet jedes Jahr zwischen dem 20. und dem 23. September statt. Die Abweichung entsteht infolge des Unterschieds zwischen dem aktuellen astronomischen Ereignis und unserem Kalender.

 

In dieser Zeit sind Tag und Nacht einmal mehr gleich lang. Von diesem Zeitpunkt an, wird die kalte Nacht mehr und mehr über den Tag dominieren und das Sonnenlicht schwindet.

Die Ernte, welche von Mutter Erde gespendet worden ist, wurde gerade eingebracht. Sie diente als Vorrat für die kalte Winterszeit und war für die Menschen damals überlebenswichtig.

Für unsere Ahnen und auch heute noch für ländliche Völker, war die Zeit zwischen Lughnasadh und Alban Elued eine intensive Arbeitszeit.

Waren die Früchte und das Getreide einmal reif, so mussten sie geerntet werden oder sie wären für immer verloren gewesen. Verlorenes Getreide hätte wahrscheinlich für einige Menschen den Tod zur Folge gehabt. Es war wichtig, dass an jenen Tagen hart gearbeitet wurde, um das Getreide und die Früchte noch vor Einbruch des Winters in Sicherheit zu bringen.

 

Wenn die harte Arbeit getan und die Ernte in die Vorratskammern geschafft worden war, dann waren die Menschen bereit, die Herbsttagundnachtgleiche zu feiern. Es war eine Zeit, in der die Menschen dankbar waren und froh, dass sie ihre Ziele erreicht hatten. Die Herbsttagundnachtgleiche war eine Möglichkeit für einmal inne zu halten, sich zu entspannen und glücklich zu sein – und diese Freude mit der Familie und Freunden zu teilen.

 

Heute ist es immer noch so, dass man während dieser Zeit zur Ruhe kommen kann und einfach glücklich ist. Selbstverständlich haben wir seit Lughnasadh nicht von früh morgens bis spät abends auf den Feldern gearbeitet, jedoch verrichten viele von uns in ihren Berufen anspruchsvolle Arbeiten – und das nicht nur fünf Tage die Woche.

An der Herbsttagundnachtgleiche sollten wir innehalten und unsere eigene Ernte begutachten, welche wir diese Saison eingebracht haben.

 

Für uns, wie auch für unsere Ahnen, ist es eine Zeit, dankbar zu sein für den Erfolg, welchen wir uns erarbeitet haben. Es ist die Zeit, sich auszuruhen und die Freude über das Erreichte mit unseren Familien und unseren Freunden zu teilen.

 

 

 

Vorbereitung

 

Es ist Herbst. Der Tempel ist ausgestattet mit Blättern, welche nun rot-golden gefärbt sind. Früchte und andere Dinge, welche typisch für den Herbst sind gehören auch dazu.

Eine Rolle haben der Druide, die Druidin, eine Clangefährtin und ein Clangefährte.

Der Altar ist wie immer mit den Elementen gedeckt. Am nördlichen Rand wird eine Kornähre in ein Gefäss mit Erde gesteckt. Die angezündete Sonnenkerze befindet sich ausserhalb des Kreises im Nordosten.

Die Feuerkerze auf dem Altar und die Altarkerzen sind noch nicht entzündet.

Es wird vorab etwas passenden Weihrauch auf die brennende Kohle gelegt.

 

 

Ritual

 

Passende Musik kann beim Einzug in den Hain gespielt werden.

Die Priesterin läutet die Altarglocke, um alle Clanmitglieder in den Hain zu rufen. Dort wird mit geweihten Öl, jedem Clanmitglied ein keltisches Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Im Anschluss wird jedes Clanmitglied von der Priesterin und dem Priester begrüsst.

Alle halten sich anschliessend an den Händen.

 

Alle

In vollkommener Liebe und in vollkommenem Vertrauen feiern wir heute den Herbstbeginn.

 

Wenn sich alle an ihrem Platz befinden, entzündet die Priesterin das zentrale Altarlicht.

 

Priesterin

Dies ist die Zeit der Ernte, des Danksagens und der Freude, des Abschiednehmens und der Trauer. Tag und Nacht sind nun gleich, im vollkommenen Gleichgewicht. Wir besinne uns nun auf das Gleichgewicht und den Lauf unseres eigenen Lebens. Der Sonnenkönig wurde zum Herrn der Schatten und segelt gegen Westen: wir folgen ihm in die Finsternis.  Das Leben neigt sich nun dem Ende zu. Die Zeit der Unfruchtbarkeit ist über uns gekommen, doch wir sagen Dank für die eingebrachte Ernte. Wir kommen zusammen und drehen das Rad und weben den Faden des Lebens, der uns durch die Finsternis leiten wird.

 

Alle meditieren nun über den Sinn dieses Rituals, während sie in Stille das Altarlicht betrachten.

 

(Die Priesterin nimmt nun die brennende Sonnenkerze im Nordosten und schreitet zum Priester.)

Priester

Seht die Trägerin des abnehmenden Lichtes und des Lebens, das sich zu Ende neigt.

 

Priesterin

Ich bin die Trägerin des Zeichens des schwindenden Sonnenkönigs.

Ich bringe Dir das Feuer des Lebens, welches Licht und Liebe in den vergangenen Monaten der Mutter Erde gebracht hat, auf dass diese fruchtbar wurde und diese Fruchtbarkeit mit uns geteilt sein kann.

Diese heilige Flamme gehört nun dir und du sollst Dich um sie kümmern, bis das Rad des Lebens eine neue Drehung vollzogen hat.

So möge es sein!

 

Der Priester benützt nun die Sonnenkerze um die Feuerkerze und dann anschliessend die Altarkerzen zu entzünden. Zuerst die rechte, dann die linke.

 

Der Kreis wird gereinigt und geweiht, die Elemente eingeladen und die Gottheiten invoziert.

 

Priester

Edle Clangefährten und Clangefährtinnen. Wir sind hier zusammengekommen, um den Herbst und die Erntezeit zu feiern! Das Licht und das Leben des Sonnenkönigs haben der Mutter Erde Fruchtbarkeit verliehen und wir sind dankbar für das. Aber dieses Geben hat einen Preis – und der Preis ist der Tod! Von diesem Zeitpunkt an wird das Licht und die Wärme des Sonnenkönigs geringer, bis die Dunkelheit die Oberhand haben wird und das Land erkaltet. Wir denken darüber nach, was hinter uns liegt. Doch jetzt feiern wir und danken für das, was wir erreicht haben!

So möge es sein!

 

Priesterin

Wir sind hier zusammengekommen, um den Herbst und die Erntezeit zu feiern! Die grosszügigen Gaben der Göttin sind überall um uns herum. Viele Gaben sind schon eingesammelt worden, aber einiges muss noch eingeholt werden, in der kurzen Zeit, die noch vor uns liegt. Auch wenn wir ihre Liebes- und Lebensgeschenke annehmen, erkennen wir doch, dass ihr Geben auch einen Preis hat. Der Preis, wie der des Sonnenkönigs, ist der Tod! Mit jeder geernteten Frucht sehen wir, wie die Pflanzen verwelken und braun werden. Wenn der Weizen geschnitten ist, liegt das Feld karg da. Wir wissen, was kommen wird – jetzt aber feiern wir und danken für das, was ist!

So möge es sein!

 

Priester

Wir ehren diese Zeit und drehen gemeinsam das Rad des Lebens, tanzend, wild und frei.

 

Ritueller Tanz!

 

Priesterin

Wir haben nun das Rad des Lebens gedreht und so den Herbst willkommen geheissen.

 

Clangefährte (Schreitet vom Süden aus vorwärts)

Lange und hart haben wir gearbeitet! Es ist nun leicht, eine gute Ernte einzubringen. Im Frühling musste die harte und kalte Erde gelockert und gepflügt werden, auf dass bei der Bepflanzung der Erde die Überreste des Winters uns nicht im Wege stehen. An Beltane arbeiteten wir hart bis in die Nacht hinein, um die Samen für den Herbst zu pflanzen. Während der Sommerzeit entfernten wir das Unkraut, welches das Leben der Pflanzen beenden hätte. Durch das Jahr hindurch haben wir acht gegeben, dass die Pflanzen alles erhalten werden, was sie benötigen, so dass diese Ernte ertragsreich ausfallen würde. Nun zur Erntezeit arbeiten wir sogar noch härter, auf dass die Ernte eingebracht sein wird, bevor die kalte Zeit kommt.

(Der Clangefährte geht zum Korn in den Norden und erntet die Kornähre.) 

Seht die Ernte, wir haben es vollbracht! (Er hält die Kornähre in die Höhe) Seht, was ohne unsere aufrichtige Arbeit nicht exisistieren würde!

 

Priester (Schreitet zum Clangefährten hinüber und nimmt den Weizen von ihm) 

Seht ihr nun, was ohne eure Arbeit nicht sein würde? (Enthülst den Weizen) Wahrlich, welchen Preis hast du für dieses goldene Nahrungsmittel bezahlt? Irgendwann? Ein bisschen Schweiss? Einige benötigte Erfahrungen? Schau in den Himmel und sieh den Preis der täglich für das bezahlt wird, was du alles deins nennst! Der Sonnenkönig hat jeden Tag seine Lebensenergie geschenkt, um die Mutter Erde zu erwärmen, um die Pflanzen wachsen zu lassen, um die Früchte reifen zu lassen – um diese Ernte zur Vollendung zu bringen! Den Preis, den er bezahlt wird nun sichtbar, da ihn die Dunkelheit übermannt. Seine Lebensenergie wird schwach. (Der Priester hält den Weizen in die Höhe) Sieh, was ohne seine Lebensenergie nicht wäre!

 

Priesterin (Schreitet zum Priester hinüber und nimmt den Weizen von ihm)

Was würde ohne seine Energie nicht sein!? Wahrlich, wenn du es wissen möchtest, dann schau auf  Mutter Erde, woher diese  Ähre kam! Schau jetzt um dich! Hier sind die Früchte der Ernte! Die grosszügige Mutter Erde gebar die Pflanzen, welche diese Ernte ermöglichten. Sie gab von sich selbst, so dass dieses Leben heranwachsen konnte. Und was ist nun von ihr übrig geblieben? Ihre Felder sind geschnitten und öd! Ihre Bäume sind gepflückt und karg! Ihre Reben sind sauber geerntet! Du erntest und nimmst und sprichst grossartig von deiner Arbeit, aber kaum von ihren Opfern. Wenn du wirklich ihr Kind wärst, würdest du auf diese Weise für sie sorgen (Die Priesterin nimmt die Kornähre und bricht sie in die Hälfte) – diese ist für deinen Tisch (Die Priesterin gibt die Hälfte dem Clangefährten) und diese wird ihr als Dank zurückgegeben! (Die Priesterin legt die andere Hälfte auf den Altar)

 

Clangefährtin: (Schreitet vorwärts und nimmt das Stück Weizen vom Clangefährten)

Bruder, hier darf noch viel gelernt werden! Ohne die Fruchtbarkeit unserer geliebten Mutter Erde kann kein Leben entstehen, keine Ernte könnte eingebracht werden. Ohne den Sonnenkönig und seine erwärmende Lebensenergie würde die grosse Mutter Erde kalt und karg sein und ohne unsere Sorgfalt und Feinfühligkeit würde die Ernte allerhöchstens mehr als karg ausfallen! Alle sind notwendig! Alleine sind wir nur Fragmente – Stücke in einem nicht zusammengeschlossenen Puzzle. Gemeinsam mit Liebe, kreieren und manifestieren wir diese wundervolle Ernte und teilen sie!

 

Priester

Die hier eingesammelte Ernte ist fast vollständig! Das Leben, welches durch die Wärme des Sonnenkönigs entstanden ist, scheint in jeder Frucht dieser Ernte weiter. Wahrlich, es scheint weiter in Freude und Glück in jedem von uns, wenn wir diese grossartige Spende erkennen mögen!

 

Priesterin

Ja! Die Ernte ist mit uns! Die Göttin hat uns gezeigt, wie grosszügig schenkend sie sein kann.

 

Clangefährte 

Wie können wir ihr nun unsere Dankbarkeit zeigen?

 

Clangefährtin

Durch Verehrung, Musik, Gesang und Tanz können wir ihr nun unsere Dankbarkeit zeigen! 

(Sie legt die Kornähre auf  das Gefäss mit Nahrung)

 

Der Wein und das Brot wird gesegnet. Anschliessend Tanz und wenn möglich Gesang. Nach dem Tanz holt sich alle ein Stück Brot vom Altar.

 

Priester

Die Ernte, welche ihr in euren Händen haltet wurde euch durch die Liebe des Sonnenkönigs und der Mutter Erde überreicht!

 

Priesterin

Können wir, ihre Kinder weniger tun? Teilt nun die Gabe der Ernte mit der Person zu eurer linken!

 

(Die Clangefährten und Clangefährtinnen teilen miteinander die Nahrung. Wenn sie fertig sind, nimmt die Priesterin den Wein und gibt ihn im Kreis herum.

Nun folgt der gesellige Teil der Zusammenkunft.)

 

Priester

Diese Zeit bezeichnet die Balance zwischen Licht und Dunkelheit – wenn Tag und Nacht sich gleich sind! Aber von nun an werden die Nächte dunkler und länger als die Tage sein. Die Ebbe und Flut des Himmels ist ein niemals endender Kreislauf und innerhalb dieses Kreislaufes, sogar in der dunkelsten Zeit, ist immer das Versprechen, dass das Licht und das Leben erneuert wird! Wir wissen, dass ohne den Verfall und den Tod des Sonnenkönigs keine Wiedergeburt stattfinden kann! Leben – wie der Tanz – geht weiter und weiter!

 

Priesterin

Und nun nehmen wir Abschied, oh Sonnenkönig, immer kreisend, immer wiederkehrend! Du, der du uns verlässt, erinnere dich immer an uns! Geh nun durch das Tor des Todes zu deinem Sommerland. Wir werden dich nicht vergessen und auch nicht dein versprechen, wiederzukehren. Wir wissen, dass du das Leben bist und du in jedem Samen verborgen bist. Wir wissen, dass du das Leben bist und für immer in unseren Herzen brennst. Zu dir edler Sonnenkönig sagen wir – sei gesegnet!

 

Alle 

Sei gesegnet!

 

Priester

In dieser Zeit und jenseits der Zeit, an diesem Ort und zwischen den Welten, haben wir die Erntengaben des Herrn und der Herrin mit Liebe und Verständnis gefeiert und geteilt!

 

Priesterin

Wir haben das Lebensrad gedreht, um die Ernte einzubringen und um den Lebenszyklus fortzusetzen. Es ist nun an der Zeit, diesen Kreis zu öffnen und den Kräften, welche hier mit uns gefeiert haben, zu erlauben, sich zurückzuziehen.

 

Alle 

So möge es sein!

 

Den Gottheiten wird gedankt, die Elemente verabschiedet und der Kreis geöffnet.

 

 

Ende des Rituals

Finis