Einleitung

 

Ich mache mich auf den Weg

und werde zum Tor gelangen,

ich werde den Saal betreten,

mein Lied will ich singen...

Taliesin pen Beirdd

 

 

as du hier liest, wird in der heidnischen "Szene" gemeinhin als ein "Buch der Schatten" bezeichnet und ist, wie sollte es auch anders sein, nur eine von vielen Möglichkeiten, wie ein solches Buch geschrieben werden kann.

(Natürlich gibt es leider immer noch irgendwelche "Oberhexenpäpste", die behaupten, dass nur sie allein im Besitz eines "echten" und vor allem "super-alten Buch der Schatten" sind. Oje, oje... ich glaub ich werd nicht wieder!)

Andere wiederum, mich eingeschlossen, würden diese kleine Schrift wohl eher ein "Buch der Rituale" nennen, da es sich vor allem an der praktischen Ritualistik orientiert. 

 

"Der magische Kreis" - John William Waterhouse

  Ja, ja, bei den Neuheiden köchelt jeder

  gut und gern sein eigenes Süppchen...

Wie dem auch sei, Begriffe dafür mag es eine Menge geben, doch Begriffe sind, ehrlich gesagt, letztendlich doch nur zweitrangig. 

 

Die Schönheit des Heidentums und der Magie mag ja möglicherweise darin begründet liegen, dass jeder und jede den eigenen individuellen Weg beschreiten kann. 

Hier gibt es, im Gegensatz zu christlichen Sekten und anderen abstrusen religiösen Vereinigungen, den Gottheiten sei`s gedankt, keine Gruppierungen, die uns verleiten könnten ihnen blind zu gehorchen und von uns verlangen, dass mit der Mitgliedschaft auch gleich noch der kritische Menschenverstand mit abgegeben werden muss. (Oder etwa doch? Neinnnn!)

Ja, hier können wir noch mit einem freudigen Herzen entdecken, dass es im Okkultismus keine profane Professoren und Lehrer gibt, die darüber streiten, welche Theorie sinnvoller erscheint und was die Kinderchen bis zum nächsten Mal in der Schule lernen sollen.

Juhui..., keine endgültig letzte Wahrheiten, keine DIN-Normen, keine Diplome.

 

Wie wunderschön und nett, jeder und jede kann sich hier Hexe, Magier und Schamane nennen. Auch du und ich, cooool...! 

 

Nur nenne ich mich persönlich nicht Magier, nicht Hex` - wozu denn auch? Nur um sich wieder in irgendwelche Klischees einzwängen zu lassen?

 

Ab wann ist man/frau denn überhaupt Magier oder Hexe? Wenn man irgendeine Aufnahmenprüfung in einem Orden oder Coven bestanden hat und sich ein Magier/Hexendiplom übers Sofa hängen kann, gleich unterm röhrenden Hirsch?

 

Ach Göttin, wie schön könnte das Heidentum und die Magie doch sein! 

 

Doch leider, leider, leider gibt es sie eben doch, die Doktoren und Professorinnen der Magie und des Heidentums. Ihre Universitäten und Schulen heissen Coven und Orden und ihrer Lehrmeinung hat man/frau sich bedingungslos zu unterwerfen, wer im Dunstkreis des Okkulten anerkannt werden will.

Das Dogma, wie Magie betrieben werden muss und die Gottheiten und Elementarwesen auszusehen (Zwerge haben nun mal rote Zipfelmützen!) und zu funktionieren haben, seufz..., es existiert bereits!

 

 

 

So oder so, diese kleine Schrift versucht dir auf möglichst undogmatisch-dogmatische Art und Weise einige Aspekte der heidnischen Religion näher zubringen und vor allem, wie du dich praktisch und rituell den Mysterien des Mondes, den Himmelsrichtungen und den vier Elementen, sowie den sich stetig verändernden Jahreszeiten annähern kannst.

 

Einige Teile sind sicherlich schon längst veröffentlicht und werden von verschiedensten heidnischen Gruppierungen und Einzelpersonen benützt. Andere Teile hingegen entsprechen unserer eigenen Tradition, wie wir sie in unserem "Nemeton of our Lady of Yinis Witrin" praktizieren.

 

In dieser Schrift findest du komplette Anleitungen, wie du den Vollmond und die acht keltischen Jahreszeiten gebührend feiern kannst, um dich somit auf den Rhythmus und den Fluss des Lebens einstimmen zu können.

 

Vielfach haben die Rituale und Meditationen einen mythologischen Bezug. Sie versuchen in dir ein Gefühl der Jahreszeit oder des saisonalen Festes, das du feiern möchtest, zu erwecken.

Einige Rituale sind voller Bewegung, Tanz und Gesang, während andere eher einen meditativen Charakter haben.

 

Aber auch wenn du "freifliegend" sein solltest und allein deinen Weg gehen möchtest, können diese Rituale möglicherweise für dich von Nutzen sein. Mit ein wenig Kreativität, einem offenen Herzen und einem offenen Geist, können und sollen diese Rituale natürlich umgeschrieben werden.

Kein Buch das sich mit Ritualen auseinandersetzt sollte als in Stein gemeisselt und daher als unveränderlich angesehen werden.

Deine Bedürfnisse ändern sich im Strom der Gezeiten und beides verändert wiederum dein Verständnis über das Leben und wie du dich mit dem Leben verbindest möchtest.

 

 

 

 

"Stille" - Lucien Levy-Dhurmer
Psssssst...

 

 

"Schütze unsere Rituale, haltet sie geheim, verheimlicht, verheimlicht, verheimlicht...",

ja, so munkeln viele Heiden und Hexen im Scheine ihrer Feuer, dort, wo der wilde, dunkle Wald am dunkelsten ist.

Kommt dir das irgendwie bekannt vor?

 

Hmmmm...,

wenn die heidnische Religion tatsächlich eins mit der Schönheit der Natur ist, was gibt es denn da eigentlich geheimniskrämerisch zu verbergen?

 

Wahrlich, wenn unsere Religion eine Religion der Liebe ist, sollte sie dann nicht, gerade so wie die Liebe, mit allen geteilt werden und dies in vollkommener Liebe und vollkommenem Vertrauen?

 

 

 

Möge in diesem Sinne, Herne, der Gott mit dem Hirschgeweih und Dana, die Mutter des Volkes der Sidhe, unseren Geist und unsere Herzen öffnen.