"Nun, wie sind
diese Autoren überhaupt auf diese, doch ziemlich abgefahrene Theorie gestossen,
Sublimer Auserwählter des Heiligtums von Mazias?"
Im Februar
1972 produzierten sie gemeinsam im Auftrag des BBC eine Sendung über Sauniere und das Geheimnis von
Rennes-le-Chateau, die da "Jerusalems verlorener Schatz" hiess.
 |
|
Peter Steckling, in der
Okkultszene wohl besser
unter dem Pseudonym
"Pierre Plantard" bekannt. |
Bei
der Produktion ihres Dokumentarfilmes über Rennes-le-Chateau erkundigten sie
sich bei Gerard de Sede, einem selbsternannten Experten über
Rennes-le-Chateau und die Tempelritter, woher er denn nun all seine
Informationen beziehe, die er der Produktion des Dokumentarfilmes beigesteuert
hatte.
De
Sede antwortete, dass sein Informant ein
Adliger namens Pierre Plantard (1920 - 2000) gewesen
ist. Dieser angeblich französischer Adlige behauptete von sich, dass er eine
Nachfahre des Merowingergeschlechtes sei und von 1981 bis 1984 Grossmeister eines mittelalterlichen
Ritterordens gewesen ist, die sich die
Prieure de
Sion nennen.
Nun, Dokumente über die Prieure de
Sion tauchen erst im Jahre 1956 auf und so manches deutet darauf hin, dass diese
Organisation erst zu dieser Zeit von Pierre Plantard und Phillipe de Cherisey in
das Leben gerufen wurde. (Der Orden wurde am 7. Mai 1956 als Verein gegründet
und dessen Statuten in Saint-Julien-en-Genevois in Hochsavoyen
hinterlegt.)
Der Verein veröffentlichte auch eine Zeitschrift "Circuit",
die sich mit Weinkultivierung, Genealogie und Astrologie beschäftigte und
bestand vermutlich nur ein Jahr lang.
Plantard und Cherisey versorgten
Gerard de Sede immer wieder mit Informationen, die er anschliessend in diversen
Büchern veröffentlichte. Somit sind Plantard und de Cherisey die wesentlichen
Fädenzieher hinter dem Mysterium um Rennes-le-Chateau und beeinflussten den Kurs
der Geschichte massgeblich.
So war de Cherisey, du erinnerst dich sicher daran,
derjenige, der de Sede die Kopien der Pergamente zugespielt hatte, die Sauniere
in der Kirche aufgefunden haben soll, von denen aber Zeitzeugen und Noel Corbu,
der Universalerbe von Marie Denarnaud, merkwürdigerweise gar nichts
wussten.
Aber auch ansonsten sind alle
Aussagen und Theorien von de Sede nur mit Vorsicht zu geniessen. So behauptete
er unter anderem in seinem Buch "la Race Fabuleuse" aus dem Jahr 1973, dass die
Merowinger aus einer Vereinigung der alten Israeliten mit übermenschlichen
Ausserirdischen vom Sirius hervorgegangen sind, oje...!
Wie glaubwürdig Plantard ist, ist
nur schwer zu beantworten. Jedenfalls wurde er 1953 wegen Betrug und
Unterschlagung verurteilt. Zudem weist sein Lebenslauf mancher dunkler Punkt
auf. So wurde er auch mit antisemitischen Aussagen des Circuit in Zusammenhang
gebracht.
Baigent, Leigh und Lincoln trafen
sich, durch die
Vermittlung von de Sede,
nun anschliessend mehrere Male mit Pierre
Plantard in Paris.
Er empfahl ihnen in der Bibliotheque Nationale in Paris Nachforschungen
anzustellen.
Die Schriftstücke, die sie auffanden,
war eine in den 1950er Jahren begonnene lose Sammlung von Zeitungsausschnitten,
handschriftlichen Notizen, Ahnentafeln, Briefen und Privatdrucke, die in kleinen Auflagen erschienen waren
und als "Dossiers secrets" (geheime Dossiers) unter der Katalognummer
4°bn`249 bekannt sind. Diese Sammlung wurde im Laufe der Jahre immer wieder
ergänzt und verändert.
Die Autoren
verbargen sich hinter tiefsinnigen Pseudonymen wie z.B. Madelaine Blancassal (Madelaine
bezieht sich auf Maria Magdalena und Blancassal setzt sich aus den beiden
Flüssen Blanque und Sals zusammen, die bei Rennes-les-Bains zusammenfliessen),
mit dem Buch "Les descendants merovingiens et l`egnime du Razes Wisigoth"
(Die Nachkommen der Merowinger und das Rätsel des Westgotischen Razes), Nicolas Beaucean (Beaucean bezieht sich auf den alten Schlachtruf und den Namen
der schwarz-weissen Fahne der Tempelritter - Beauseant), Jean Delaude (Aude ist
das Departement, in dem Rennes-le-Cheateau liegt) und Antoine l`Ermite (Antonius
der Eremit wird auf dem Bild, das Sauniere in Paris erstanden hat, dargestellt.
Sein Gedenktag ist der 17. Januar), der das Buch "Un tresor merovingien
a Rennes-le-Chateau" (Ein merowingischer Schatz in Rennes-le-Chateau"
geschrieben hat.
 |
|
Endlich mal ein
wirklich künstlerisch
und
ästhetisch-geschmackvoll
gestaltetes
Titelbild! |
Diese
und noch andere Schriften, im besonderen das kryptische Werk "la
serpent rouge" (Die rote Schlange), die dort auflagen, beziehen
sich wiederkehrend auf Berenger Sauniere, Rennes-le-Chateau, Poussin, "Die
Hirten von Arkadien", die Tempelritter, Dagobert II und die Merowinger.
"Doch
was wollen nun die Prieure de Sion genau und was bezwecken diese Galgenvögel und
Spitzbuben,
Wächter des unaussprechlichen
Namens und
grosser Lobredner?"
Nun,
die Gründung des Templerordens erfolgte angeblich auf die Initiative eines Geheimordens, der
ursprünglich unter der Bezeichnung
"Ordre de Mont Sion" ins
Leben gerufen worden ist, wie aus einer Urkunde aus dem Jahr 1118 hervorgeht.
Dieser Geheimbund soll von
Gottfried de Bouillon in Jerusalem gegründet worden sein und ihren Sitz im
Kloster auf dem Berg Zion gehabt haben.
(Ob dieser Orden aber irgendwas mit den modernen Prieure de Sion zu hat ist eher
unwahrscheinlich. Eher ist es wohl so, dass die modernen Prieure de Sion sich an
diesem "Ordre de Mont Sion"
gütlich tun und ihn als Legitimation für ihre dubiosen Zwecke
missbrauchen.)
Die Dossiers secrets weisen
darauf hin,
dass die Prieure de Sion von der Verfolgung und der Auflösung der Templerordens
zwischen 1307 und 1314 vollkommen verschont geblieben sein sollen.
Die Prieure de Sion sollen im
Besitz von Beweisen sein, die belegen, dass Jesus ein Abkömmling Davids gewesen
sei und daher eine rechtmässigen Anspruch auf den Thron von Israel hatte. Zudem
habe er die Kreuzigung überlebt und sei mit Maria Magdalena verheiratet gewesen,
die nach der Kreuzigung, samt Kind und Kegel, nach Frankreich floh.
Den Dossiers secrets zufolge,
sollen diesem
Geheimorden eine ganze Reihe von Grossmeister vorgestanden haben, deren Namen zu
den glänzendsten in der abendländischen Geschichte und Kultur zählten. Zu den
Grossmeistern sollen Johann von Gisor, Nicolas Flamel, Leonardo da Vinci, Robert
Fludd, Johann Valentin Andreä, Robert Boyle, Isaac Newton, Maximilian Franz von
Habsburg Lothringen, Charles Nodier, Victor Hugo, Claude Debussy und Jean
Cocteau gehört haben.
"Ja, hier wird nicht gekleckert, sondern gleich geklotzt,
Gross-Auserwählter des geheimen Schleiers!"
Tja, wen sagst du das!
Lustig ist übrigens auch, dass die
Grossmeister der Prieure de Sion teilweise stark an die Grossmeisterlinie des AMORC,
einer modernen Möchtegern-Rosenkreuzergesellschaft angelehnt ist. Dass dies noch keinem
Aufgefallen ist, merkwürdig, merkwürdig!
Ihr
erklärtes Ziel ist die Wiedereinsetzung der merowingischen Dynastie und Erbfolge und dies nicht nur in Frankreich, sondern auch in anderen europäischen
Staaten.
Aufgrund
dynastischer Heiraten zählen zu den merowingischen Abkömmlingen nicht nur
Gottfried de Bouillon, der 1099 Jerusalem eroberte, sondern auch andere
königliche Familien in der Vergangenheit und Gegenwart wie z.B. die
Blancheforts, Gisors, Saint-Clairs, Plantard und die Habsburg-Lothringer.
"Hmmm..., jetzt mal ehrlich,
Grossfürst des Palmenhains zu Jericho und Patriarch der Zehn, tönt alles
ziemlich abgedreht, nicht wahr? Was ist davon zu halten?"
Nun, edler Freund, wie schon
erwähnt, werden die Prieure de Sion zum ersten Mal von de Sede und Pierre
Plantard erwähnt und so wie es aussieht, sind die Dossiers secrets, auf die sich
die Prieure de Sion immer wieder berufen, nichts als eine Ansammlung plumper
Fälschungen, spekulativer Genealogien und pseudo-historischer Traktate!
Diese angeblichen Geheimdokumente
wurden 1956 bis in die 1970er hinein von Mitstreitern Plantards angefertigt.
Soweit bekannt, gehören zu den Autoren Gerard de Sede, Jean-Luc Chaumeil, ein Autor über UFO-Phänomene und Louis Vazart,
Anhänger einer esoterischen Vereinigung, die sich dem Erbe des ermordeten
Merowingerkönigs Dagobert II. verschrieben hat.
Es weisen gleich mehrere
französische Sachbücher und eine BBC-Dokumentation aus dem Jahre 1996 nach, dass
es sich bei diesen Papieren um Fälschungen handelt. Einige der daran beteiligten
Mitwisser geben in den Dokumentationen sogar offen zu, dass auch der Adelstitel
"de Saint-Clair", mit dem sich Pierre Plantard als Nachfahre der Merowinger
brüstete, reine Hochstapelei ist, eingefügt in uralte Genealogien, mit denen
Pierre Plantard in keinster Weise in Verbindung steht.
Baigent, Leigh und Lincoln haben jedoch den Erzählungen von Pierre Plantard
Glauben geschenkt, diese Geschichte aufgegriffen und
immer weitergesponnen.
Heute gibt es hunderte von völlig abgedrehten Büchern, die die Prieure de Sion
behandeln und immer
wieder wird in ihnen ihr Einfluss auf den
Bereich der internationalen und nationalen Politik hervorgehoben.
Eine perfekte neue Verschwörungstheorie wurde hier geboren.
Wer sind die wahren Hüter des
Grals?
Natürlich die Prieure de Sion!
Wer bewahrt den verlorenen Schatz
des Tempels Salomons?
Die Prieure de Sion, keine Frage!
Wer steckt hinter der Fälschung
des Turiner Grabtuches durch Leonardo da Vinci?
Die
Prieure de Sion!
Na toll!
Wer beschützt die ausserirdischen
Merowinger-Gene vom Sirius?
Na wer wohl: Die Prieure de Sion,
logo!
Wer manipuliert die internationale
und nationale Politik?
Wer anders als die Prieure de
Sion!?
Wer sind die Drahtzieher hinter
den Papstwahlen?
Wer bringt die Eier zu Ostern?
Wer lässt immer meine Socken in
der Waschmaschine verschwinden, so dass ich immer nur einzelne
Stücke davon besitze?
Die Prieure de Sion sind`s
natürlich, diese Haderlumpen! Wer könnte nur
daran zweifeln?!
 |
|
Auf nach Bethanien... |
"Ja Frater, so möge es sein!"
Es sei!
"Es ist!"
Amen!
Sooo...,
guter Frater, genug der Worte sind getan, nun lass uns endlich Taten sehen!
Lass
uns nun ´gen Bethania ziehen um unsere Theorien im läuterndem Feuer des
alchemistischen Athanor zu prüfen, auf dass uns gesegnete Weisheit zuteil
werden wird, in der berechtigten Hoffnung, dass Mysterium von Rennes-le-Chateau
zu lüften!
Auf-auf,
Kamerad und gesegneter Mitfrater, die Kirche von Rennes-le-Chateau harrt unser.
Doch
halt!
Hey,
Lakai und Bierzuträger, bitte noch einige Biere auf den Weg...

