Das Geheimniss des Abbe Sauniere

 

Teil 2

 

 

Der Abbe blieb drei Wochen in Paris, wo er angeblich durch Emile Hoffet mit einem illustren Kreis in Berührung kam, zu dem Oscar Wilde, der Komponist Claude Debussy, Josephin "Zar" Peladan, Gründer des "Ordre de la Rose-Croix Catholique, du Temple et du Graal", William Butler Yeats, Marquis Stanislas de Guaita, Samuel Lidell MacGregor Mathers, Mitbegründer des "Order of the Golden Dawn" und Leiter des Ahathoor-Tempel Nr.7 in Paris (der oben erwähnte Jules Bois war übrigens ebenfalls Mitglied in diesem Tempel) und Dr. Gerard Encausse, genannt Papus, gehörten.

 

 

Ein Plakat eines von Josephin Peladan

gegründeten "Salons de la Rose-Croix".

Darauf ist ein Tempelritter mit

Lorbeerkranz und ein Papst mit einer

Pergamentrolle dargestellt. Mysteriös...

 

 

Erstaunlich war auch für einen bescheidenen Landpfarrer die neu geschlossene Freundschaft mit der Schönheit der Pariser Gesellschaft Emma Calve. Dieser bezaubernde Opernstar war damals auf dem Gipfel ihrer Karriere, verkehrte in der okkulten Subkultur von Paris und war mit einflussreichen Okkultisten freundschaftlich verbunden. Sie war gerade von einer erfolgreichen Tournee in London zurückgekehrt. Emma Calve blieb viele Jahre hindurch eng mit Sauniere befreundet und besuchte ihn regelmässig bis sie 1914 den Tenor Gasbarri heiratete.

 

 

Ja, die Emma, die hatte ein

Stimmchen, jodeldidü...

 

 

Berenger Sauniere verbrachte viel Zeit im Louvre, wo er Reproduktionen dreier Gemälde, die, wie es schien, in keinem Zusammenhang mit seinem Fund zu sein scheinen, kaufte:

 

"Die Versuchung des heiligen Antonius", des flämischen Malers David Teniers (1582-1649), ein Portrait des Papstes Cölestin V., von einem unbekannten Maler aus dem 13.Jahrhundert und ein Bild von Nicolas Poussin (1594-1665), "Die Hirten von Arcadien".

 

 

Wie lieblich dieses Antlitz

doch den obersten

christlichen Geboten der

Freude und der Liebe

Ausdruck zu verleihen

vermag - Cölestin V.

 

 

Wie dem auch sei, jedenfalls gelang es Emile Hoffet die Dokumente innerhalb von drei Wochen zu entschlüsseln.

 

Den Text des "kleinen Manuskripts" ist jedenfalls leicht zu entschlüsseln, wenn man den Text vor sich hat. Man braucht nur die höhergestellten Buchstaben aneinander zureihen.

 

A DAGOBERT II ROI ET A SION EST CE TRESOR ET IL EST LA MORT.

 

deutsch:

König Dagobert II und Sion gehört dieser Schatz und er ist dort Tod.

 

oder:

König Dagobert II und Sion gehört dieser Schatz und er ist dort ungenutzt.

 

aber auch:

König Dagobert II und Sion gehört dieser Schatz und er ist der Tod.

 

Möglicherweise eine Anspielung auf allzu neugierige Schatzsucher? Oder könnte dies nicht auch bedeuten, dass der Schatz die Möglichkeit in sich trägt, die Vernichtung und den Untergang der katholischen Kirche oder sogar des Christentums einzuleiten?

 

Der Text aus dem "kleinen Manuskript" weist bei genauerer Betrachtung auf folgendes hin:

Auf den Merowingerkönig Dagobert II., der im Jahr 678 nach Christus in den Ardennen ermordet wurde und zwar im Auftrag seines eigenen Kanzlers, auf "Sion", die alte Bezeichnung für Jerusalem, möglicherweise ein Hinweis auf die Prieur de Sion, einer uralten Gruppe von Tempelrittern, einen Schatz und die Anwesenheit eines überaus wichtigen toten Körpers oder eines Grabes.

 

Die Entzifferung des "grossen Manuskripts" gestaltete sich als schwieriger, da der ursprüngliche lateinische Text mit dem seit dem 17. Jahrhundert in Gebrauch befindlichen Vigenere-Codesystem verschlüsselt war.

 

BERGERE PAS DE TENTATION QUE POUSSIN TENIERS GARDENT LA CLEF PAX 681 PAR LA CROIX ET CE CHEVAL DE DIEU J'ACHEVE CE DAEMON DE GARDIEN A MIDI POMMES BLEUES.

 

deutsch:

Schäferin keine Versuchung, dass Poussin, Teniers den Schlüssel besitzen, Friede 681, beim Kreuz und diesem Pferd Gottes beende/zerstöre ich diesen Dämon von Wächter zu Mittag, blaue Äpfel

 

Doch dies ist gar nicht so ein Kauderwelsch, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, denn auch das "grossen Manuskript" ist nicht ohne. 

Wenn man in ihm die kleingeschriebenen Buchstaben des Textes aneinander reiht, ergeben sich folgende Worte: "REX MUNDI", was soviel wie "König der Welt" bedeutet. Dies ein Ausdruck, der vor allem bei gnostischen Häretikern, sowie den Katharern benutzt wurde. Er bezeichnete in ihrer Glaubensauffassung den Gott des Bösen, einen Ursupator, der mit dem "guten Gott" für alle Zeiten im Widerspruch lag und das materielle Universum erschaffen hatte.

 

Hier nun eine kurze Analyse des oben übersetzten Textes:

 

Schäferin: eine Anspielung auf Nicolas Poussins Bild "Die Hirten von Arkadien".

keine Versuchung: eine Anspielung auf das Bild von David Terniers "Die Versuchung des heiligen Antonius".

Poussin, Teniers: verstärkt noch zusätzlich die oben genannten Hinweise.

Friede 681: dies bezieht sich auf das Datum der Ankunft des aus der Gefangenschaft geretteten Merowingers Sigisbert dem IV.

zu Mittag (franz. midi): wird im Allgemeinen mit Mittag übersetzt, kann aber auch "Süden" heissen.

blaue Äpfel: dieser rätselhafte Ausdruck mag ein Hinweis auf ein Phänomen sein, das merkwürdigerweise so um den 17. Januar in der Kirche Sainte-Madelaine sichtbar wird. Wenn die tief stehende Wintersonne durch ein farbiges Glasfenster scheint, projiziert dieses Fenster blaue Figuren, Äpfeln nicht unähnlich, auf die gegenüberliegende Wand.

Kreuz, Pferd Gottes, Wächterdämon: die Bedeutung ist gemeinhin unklar. Möglicherweise ist der Wächterdämon eine Anspielung auf die Teufelsfigur, die am Eingang der Kirche von Rennes-le-Chateau steht.

 

Doch schauen wir uns einmal die von Sauniere "angeblich" erstandenen Bilder genauer an.

 

"Angeblich? Warum erwähnst du hier so explizit das Wort: "angeblich", erleuchteter Pharos des 24. Grades? Versuchst du etwa mir strengstgeheime Informationen vorzuenthalten? Ich bitte dich, hochlöblichst-subtiler Meister und weisester der Weisen, offenbare dich mir!"

 

Ok, hmmm..., also diese ganze lustige Reise nach Paris erwähnt nur de Sede. Ansonsten gibt es keinerlei Beweise für einen Aufenthalt von Berenger Sauniere in Paris. Auch die Reproduktionen, die Sauniere ersteigert haben soll, sind niemals in Rennes-le-Chateau gesichtet worden. Ach ja, zudem wurden zu dem angeblichen Zeitpunkt seines Aufenthaltes noch gar keine Reproduktionen im Louvre verkauft, dies begann erst 1901. Und wie schon erwähnt, spricht eigentlich sehr viel dafür, dass die oben erwähnten Pergamente Fälschungen sind.

 

Schauen wir uns trotzdem diese Bilder mal genauer an.

 

Das eine Bild war David Teniers "Die Versuchung des heiligen Antonius".

 

 

Bei diesen Visionen vermute ich mal

Mutterkorn...

 

 

Am interessantesten ist wohl das Bild "Die Hirten von Arkadien", von Nicolas Poussin.

 

 

Den im Sarg hab ich auch gekannt...

 

 

Auf diesem Gemälde gruppieren sich drei Männer und eine Frau vor einem Sarkophag, der im Zentrum des Bildes zu sehen ist. Zwei der Männer weisen mit ihren Fingern auf eine Inschrift hin:

"Et in Arcadia ego"

 

Dieses berühmte Motto, das viele Künstler und Schriftsteller übernommen haben, wurde auf verschiedene Weise interpretiert, doch richtig übersetzt lautet der Satz: "Auch ich bin in Arkadien", dass heisst, der Tod selbst im legendären Paradies der griechischen Schäfer zugegen ist. 

 

Diese Buchstaben bieten sich geradezu an, folgendes Anagramm zu bilden: "I Tego Arcana Dei". 

Aus dem Lateinischen übersetzt mit: "Ich verberge die Geheimnisse Gottes"!

 

 

Eine sehr ähnliche Ruhestätte lag tatsächlich 10 Kilometer entfernt von Rennes-le-Chateau auf einem Hügel an der Strasse, die vom Col du Paradis nach Narbonne führt. Der Ort befindet sich im Weiler les Pontils zwischen den Gemeinden Peyrolles und Serres.

 

 

Griechischer Fleischfresser, bisweilen auch als Sarkophag

bekannt...

So sah er aus der Nähe aus...

 

 

Und so sieht es heute an dieser Stelle aus.

 

 

Oh Schreck, er ist weg...

 

 

Der ehemalige Besitzer hatte darin sowohl seine Grossmutter, wie auch seine Frau bestattet. Doch nachdem Schatzsucher versucht haben die Grabstätte mit Sprengstoff zu öffnen, hat er den Inhalt in seine Heimat schaffen lassen und den Sarkophag 1988 selbst sprengen lassen.

 

"Das war vielleicht eine lustige Zeit, nur schade, dass wir zuwenig TNT am Grab angebracht haben. So hatte der Deckel nur ein paar Risse abbekommen, merde!"

 

Pssst..., das müssen doch echt nicht gleich alle wissen, Prinz-Adept und Ritter der Sonne.

 

So oder so, die Ähnlichkeit mit der Darstellung des Grabmals auf dem Bild von Poussin ist jedenfalls bemerkenswert.

Bemerkenswert ist auch, dass dieses "Arkadische" Grab innerhalb der Gemeinde von Arques liegt und die Männer auf die Buchstaben "ARC" deuten. Könnte dies bedeuten, dass die Geheimnisse Gottes in Arques verborgen sind?

 

Herr Oooober! Biiiiiere! Sofohoort...!

 

 

 

und hier geht's weiter...